„Kopfgewitter: Das Monster in dir“ – Simone Trojahn

“ … Ein Gefühl des Unwirklichen schwappte über ihn hinweg und drohte, ihn in den Abgrund zu reißen. Lennart spürte, wie er auf seinen wackligen Beinen schwankte. Verzweifelt klammerte er sich am Fensterbrett fest, während er weiter in den Himmel starte, um dem Geschehen auf der Erde zu entfliehen. …“

Lennart Sailer besitzt das perfekte Leben: eine hingebungsvolle Familie, atemberaubenden Erfolg im Job, ein traumhaftes Haus in der idyllischen österreichischen Bergwelt. Doch unter dieser glänzenden Oberfläche brodelt die Hölle – ein finsteres Geheimnis, das in seiner Seele lauert. Seit einem entsetzlichen Trauma in seiner Kindheit quälen ihn Stimmen, die flüstern, Visionen, die unmöglich real sein können. Er ringt verzweifelt gegen das tobende Kopfgewitter, das gnadenlose Monster in seinem Geist. Es tobt, es jagt, es giert nach totaler Herrschaft. Als Wahrheit und Wahnsinn zu einem tödlichen Wirbel verschmelzen, wird sein idyllisches Heim zum Schauplatz purer Panik, erdrückender Schuld – und blutiger Grausamkeiten. Was ist echt? Was nur der teuflische Trug seines zerbrechenden Verstands? Am Abgrund muss sich Lennart die ultimative herzzerreißende Frage stellen: Kann er das bevorstehende Blutbad noch stoppen – oder hat das Monster bereits triumphiert? In Simone Trojahns atemberaubendem neuen Psychothriller zerfließen die Linien zwischen Wahn und Realität zu einem nervenzerfetzenden Labyrinth. Und die schockierende Erkenntnis bleibt: Monster lauern nicht in der Dunkelheit. Sie wüten in uns allen.

Als Kind hat Lennart seinen großen Bruder durch einen Unfall verloren, für den er sich die Schuld gibt. Im Laufe der Jahre hat er sich jedoch ein gutes Leben aufgebaut, zu dem vor allem seine Frau Romy, sein Sonnenschein, einen großen Teil beigetragen hat. Doch die Geister der Vergangenheit ruhen nicht und nachdem Lennart mit seiner Familie in sein Traumhaus gezogen ist, beginnt ihm sein Leben mehr und mehr zu entgleiten.

Lennart hat als 12-jähriger seinen Bruder verloren und fühlt sich schuldig. Das Verhältnis zu seinen Eltern ist zerüttet und er hat viele Sitzungen beim Psychologen hinter sich. Trotz allem hat er es geschafft, sich ein glückliches Leben aufzubauen und das alles hat er Romy, der Frau an seiner Seite zu verdanken. Sie hat ihn immer unterstützt, war da, wenn er schreiend aus Albträumen erwachte und hat ihm zwei tolle Kinder geschenkt. Auch beruflich geht es immer weiter aufwärts, das Einkommen ist so gut, dass man plant, ein Eigenheim zu kaufen. Doch als Lennart sein Traumhaus findet, das abgelegen inmitten der Natur in der Schweiz liegt, beginnt die Fassade zu bröckeln, denn plötzlich ist ihm egal, was der Rest der Familie von seinem Plan hält, er will dieses Haus, koste es, was es wolle. Die Besichtigung vor Ort endet mit seinem Zusammenbruch und von da an geht es steil bergab, denn etwas in dem einst so friedlichem Familienvater hat sich verändert, er beginnt, seine Frau in einem völlig anderem Licht zu sehen.
Endlich neuer Lesestoff von Simone Trojahn, lange habe ich darauf gewartet und sofort zugeschlagen, als das Buch erschienen ist.
Eine kleine Warnung vorweg: Wer „Kopfgewitter“ noch nicht gelesen hat, sollte hier vielleicht abbrechen. Ich habe versucht, nicht zu spoilern, aber um meine Meinung zu begründen, muss ich ein paar Dinge ansprechen, oder besser anschreiben^^, die eine Richtung andeuten, in die das Buch geht und vielleicht ist das für den einen oder anderen schon zu viel.
Zu Beginn hat mich die Geschichte tatsächlich gefesselt, die kaputte Familie, der Tod von Lennarts Bruder und was das mit ihm gemacht hat. Mir tat der Junge, der schon als Kind so etwas mitmachen musste, einfach unheimlich leid und so habe ich mich gefreut, dass er durch den Bruch mit seiner Familie all dem entkommen ist. Aber natürlich ist klar, dass der schöne Schein auch hier, wie so oft trügt, Lennart ist traumatisiert und hat mit den Ereignissen von damals längst nicht abgeschlossen. Sein Hirn spielt ihm Streiche, er hört Stimmen, sieht Bilder und ich muss gestehen, dass ich Simones Art, damit umzugehen anfangs wirklich gut fand. Dann kam ein Twist, ich war überrascht, bis dahin war auch noch alles okay. Doch leider bleibt es eben nicht dabei, wieder und wieder ändert sich das Geschehen, nach dem zweiten Mal hab ich langsam das Interesse verloren und es ging weiter und weiter, für mich war das einfach zu viel des Guten, denn ich konnte nichts mehr wirklich Ernst nehmen. Lennart, der anfangs noch mein Mitgefühl hat, wird immer im Laufe der Zeit zu einer egoistischen, rücksichtslosen, fast schon narzistischen Figur. Solche Charaktere können faszinieren, leider ist das aber hier nicht der Fall, stattdessen nervt er einfach immer mehr.
Der Titel „Kopfgewitter“ passt perfekt für den Einblick in eine geschundene Seele und typisch für Simone geht es hart zur Sache, man sollte also vorher wissen, worauf man sich beim Lesen einlässt. Die Story selbst ist aber leider nicht meins. Wenn ich mich aller 10 Seiten fragen muss, ob etwas wirklich passiert oder im nächsten Kapitel wieder komplett widerlegt wird, geht für mich der Lesespaß flöten. Nichts gegen überraschende Wendungen, die garantieren Spannung, machen neugierig, tragen dazu bei, dass man das Buch nicht aus der Hand legen kann. Aber am Stück sorgen sie, zumindest bei mir, einfach nur für Unmut und so hat mich dann der große ach so unvorhersehbare Twist am Ende komplett kaltgelassen, schade.  

„Kopfgewitter“ startet stark, lässt aber immer weiter nach und am Ende bleibe ich mit einem Kopfschütteln zurück. Mir ist natürlich klar, dass all diese „Verwirrungen“ Absicht sind, aber das ständige hin und her Springen in der Story ist mir zuviel, der Abschlusstwist verpufft aufgrund der vorherigen Ereignisse komplett. Schade, ich mag Simone Trojahns Bücher, aber hier sind leider nicht mehr als 3 von 5 Miezekatzen drin.

Please follow and like us:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert