„Leckerbissen“ – Kitty Thomas

„Der erste Tag meiner Gefangenschaft war wie eine Geburt – oder wie Sterben.“

Emily wird in völliger Isolation gefangen gehalten. Als Teil seiner Konditionierungsmethoden weigert sich ihr Entführer, mit ihr zu sprechen, weil er weiß, wie sehr sich die selbstbewusste Frau nach menschlichem Kontakt sehnt …
»Kann ein so schöner Mann ein Monster sein?«
Was passiert, wenn alle Gefühle der Lust und des Schmerzes auf den Kopf gestellt werden? Wenn Peitschen Behagen verursachen und Essen zur Strafe wird?
»Der erste Tag meiner Gefangenschaft war wie eine Geburt – oder wie Sterben.«
Dies ist die Geschichte von Emily, von ihr selbst erzählt. Das ist keine kuschelige Liebesgeschichte. Es geht um echte Sklaverei.

„Leckerbissen“ war tatsächlich meine erste Begegnung mit dem Dark Romance, bisher hatte ich immer einen Bogen um dieses Genre gemacht, allerdings hat mir eine Freundin dieses Buch dann wärmstens empfohlen und so ab und an muss man ja auch mal über den eigenen Tellerrand hinausschauen.

Was passiert, wenn man dir deine Selbstbestimmung, deine Art zu leben, nimmt?
Wenn du irgendwo in einem dunklen Raum an einen Stuhl gefesselt zu dir kommst, keine Ahnung hast, was passiert ist und wo zum Teufel du bist?
So ergeht es Emily, die ihr Geld als Schriftstellerin verdient und Frauen eigentlich genau vor diesen Situationen warnt. Und dann passiert es ausgerechnet ihr, sie lässt ihr Glas kurz unbeaufsichtigt und verliert damit die Kontrolle über ihr Leben. Eingesperrt in der Dunkelheit ohne jede Interaktion, ihr Entführer bringt ihr einfach nur das Essen, Hühnersuppe, immer und immer wieder. Er redet nicht mit ihr, macht ihr aber klar, dass ihr Handeln Konsequenzen hat, allerdings tut er ihr nie Gewalt an, zu allem muss sie ihre Zustimmung geben.
Und Emily lernt schnell, auch wenn sie anfangs noch etwas rebellisch ist. Berührungen zuzulassen bedeutet nicht nur bessere Behandlung, sondern auch Trost, Reize und Interaktionen spielten in ihrem Leben schon immer eine wichtige Rolle, dafür gibt sie Stück für Stück immer mehr von sich auf …

Nein, ich kann Emilys Handlungen und Gefühle überhaupt nicht nachvollziehen, nicht im Geringsten, aber genau das macht sie für mich zu einer interessanten Protagonistin, allerdings finde ich den Weg von der selbstbestimmten Ratgebertante zum kleinen Duckmäuschen doch etwas übertrieben.
Teilweise verstehe ich sie sogar, aber ist das Stockholm-Syndrom tatsächlich die einzige Erklärung für ihr Handeln? Welche Rolle spielt diese Sache mit ihrem Ex-Freund von damals dabei und ist es manchmal nicht vielleicht der einfacherer Weg, sich völlig in die Gewalt eines Anderen zu begeben und den dann alle Entscheidungen treffen zu lassen? Kann es in solch einer „Beziehung“ tatsächlich eine innere Verbindung geben? Für mich ist das alles undenkbar, ich kann diesen Spielchen nichts abgewinnen, aber jemand anders vielleicht schon.
Nichtsdestotrotz zeigt „Leckerbissen“ wie schnell sich Prioritäten im Leben verändern können, manchmal braucht es nur einen kleinen Schubs in die richtige Richtung. Aber ist es überhaupt die richtige Richtung, wenn alles das unter Zwang geschieht? Wenn man nur die Wahl zwischen Cholera und Pest hat und man am Ende dafür auch noch dankbar ist?
Das Cover des Buches passt zum Inhalt, die Schatten der Streifen auf dem nackten Frauenkörper erinnern mich irgendwie an Gitterstäbe und genau darum geht es ja im Prinzip, ums Eingesperrtsein …

Ich habe „Leckerbissen“ recht schnell verschlungen, der Wechsel zwischen der Ich-Form und der normalen, fast schon kühlen Berichterstattung hat einen gewissen Reiz, auch wenn es meist Emily ist, die erzählt. Das macht das Ganze zwar sehr interessant, trotzdem hätte mich auch die Sichtweise des Entführers interessiert, meiner Meinung nach kommt der etwas kurz, auch wenn das wohl so beabsichtigt ist und der Hauptaugenmerk auf seinem „Opfer“ liegt, das sich für mich etwas zu schnell fügt. Trotzdem habe ich Emilys Weg gern verfolgt, auch wenn ich hin und wieder nur den Kopf schütteln konnte. Dafür gibt es einen Pluspunkt für die nicht übermäßigen Sexszenen. Natürlich geht es um Unterwerfung und Züchtigung und dennoch wird nicht permanent gepimpert, wie ich es befürchtet habe. So werde ich bei Gelegenheit sicher noch mal zu einem anderen Dark Romance Titel greifen, aber für den Moment brauch ich jetzt Action der etwas anderen Art. Als Einstieg in diese Gefilde ist „Leckerbissen“ bestens geeignet, mal schauen, was mich in dieser Richtung sonst noch erwartet, hierfür vergebe ich 4 von 5 Miezekatzen.

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