„Leben mal sieben“ – Wolfgang A. Gogolin

“ … Diese Stimme! Auch sie klang seltsam, früher schnurrte er oder miaute, jetzt entsprangen dem Hals solch fürchterliche Laute. Vermutlich eine Erkältung …“

Fünf Tage in der Normandie. Juste Simons Leben als penibler Buchhalter im Rathaus von Arnaud, einer französischen Kleinstadt, liegt in Scherben: Seine Frau Marguerite hat sich vor zwei Jahren von ihm scheiden lassen; er trauert immer noch dem Eheleben hinterher. Dem harmonischen Gefüge der Kleinstadt droht das Aus, denn der korrupte Bürgermeister Laval betreibt die Schließung von Kindergarten und maroder Kirche zugunsten der Errichtung eines Bordells. Juste Simon, die Anständigkeit in Person, betrachtet dies als weiteren Angriff auf sein moralisches Lebensgerüst. Nach einem Autounfall zweifelt er an seinem Verstand, als plötzlich blaue Zahlen auf der Stirn von einigen Menschen und Tieren erscheinen. Nach mehreren Todesfällen ist Juste sicher: Die blauen Zahlen zeigen das Todesdatum ihres Trägers an.
Auch der streunende Kater, der zusammen mit Juste Simon jenen Unfall erleidet, erfährt das Wunder der Veränderung. Während dieser fünf Tage durchlebt der herrenlose Kater Merlin die sprichwörtlichen sieben Leben einer Katze …

Sommermorgen in einem französischen Fischerdorf, die Anwohner gehen ihrer Arbeit nach und Kater Merlin streift auf der Suche nach Futter durch die Straßen, scheint jedoch heute kein Glück zu haben, denn überall wird der dicke Kater verjagt. Doch er ist nicht der einzige, an dessem Himmel dunkle Wolken aufziehen, denn die Idylle trügt. Der Bürgermeister will Kindergarten und Kirche schließen, Rathausangestellte Nadine buhlt um die Gunst ihres angebeteten Fischers, Buchhalter Juste erwischt seine Ex-Frau mit ihrem neuen Lover und Malo wird von seinem Weib auf die Straße gesetzt. Aber das ist erst der Anfang…

Ja, was war das denn für eine Geschichte? Ich tue mich tatsächlich etwas schwer, sie einem Genre zuzuordnen, entscheide mich rein intuitiv mal für Krimi, auch wenn das einige wohl anders sehen.
Die Vorgänge in dem kleinen Dorf ziehen sich 5 Tage hin, man bekommt verschiedene Anwohner näher gebracht, den einen mag man, den anderen weniger. Bürgermeister Laval ist ein Arschloch wie es im Buche steht, (man möge mir diesen Ausdruck verzeihen) er  tyrannisiert und missbraucht seine Mitarbeiter. Nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht, kann er schalten und walten wie er will ja, auch wenn das ein paar Angestellten und Bürgern aufstößt, ein Hoch auf die Politik. Juste, sein Gegenspieler, ist Buchhalter, nach einem Unfall mit Merlin ändert sich sein Leben, denn plötzlich hat er eine Fähigkeit, mit der er die vom verhassten Bürgermeister abgeschrieben Kirche retten will.
Mittendrin Merlin, der Kater, wegen dem ich mir das Buch eigentlich gekauft habe, leider spielt er jedoch nur eine kleine Rolle in all dem Chaos und beißt ziemlich schnell ins Gras. Aber Samtpfoten haben ja bekanntlich sieben Leben und so wird er immer sofort wiedergeboren im Körper eines Tieres, das sich gerade in seiner Nähe befindet. Nun ja, einst war er ein stolzer potenter Kater, doch nun geht es rapide bergab. Nach einem Rabe findet er sich als Wespe wieder und das ist noch nicht das bittere Ende… Dieser Teil der Geschichte war flüssig zu lesen und irgendwie auch amüsant, auch wenn mir der Vierbeiner eigentlich das ganze Buch über nur entsetzlich leid tat.
Was mich außerdem mehr als nur ein bisschen gestört hat, waren die französischen Begriffe, warum verwendet man nicht einfach das deutsche Wort dafür? Beim Essen und ähnlichen Dingen verstehe ich das ja, aber warum muss der Geistliche Abbé heißen? Manchen mag das gefallen, ich fand es schrecklich, dass mein Lesefluss ständig unterbrochen wurde. Überhaupt zog sich alles, ein bisschen weniger ausschweifende Beschreibungen hätten dem Buch meiner Meinung nach gut getan. Hinzu kommt, dass mir außer dem gefräßigem Merlin niemand wirklich sympathisch war, vom Pantoffelheld bis zum Tratschweib war jedes Klischee abgedeckt und auch den Schreibstil empfand ich als etwas holprig. Dafür ist das Cover toll, allerdings weckt es Erwartungen, die nicht so ganz erfüllt werden. 

Die Idee mit dem Kater fand ich toll, deswegen bin ich am Ball geblieben, aber kann ich eine Empfehlung aussprechen? Für alle, die gerne über Essen in allen Varianten lesen, ja. Wer hier Ermittlungen über den erwähnten Mord oder ausführliche Informationen zu Merlin, dem Kater erwartet, dem würde ich eher abraten, genauso Lesern, die nicht ständig irgendwelche Begriffe nachschlagen wollen. Trotzdem hat das Buch einen gewissen Charme und bekommt von mir 3 von 5 Miezekatzen.

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