„Die Universität“ – Bentley Little

“ … Es passierte schnell. So schnell, dass ihr keine Zeit blieb zu reagieren. So schnell, dass sie nicht einmal einen Schrei ausstoßen konnte. Aus dem trüben Dunkel hinter der Information sprang der Schatten eines Mannes hervor und riss sie hinunter auf den Gehweg. … “ (Seite 20) 

Publishers Weekly: »Little besitzt die außergewöhnliche Fähigkeit, Alltagssituationen in Albträume zu verwandeln.«

Diese Universität erteilt den Studenten eine Lektion …

An der berühmten Universität von Kalifornien hat ein neues Semester begonnen und plötzlich bricht auf dem Campus der pure Wahnsinn aus. Brutale Vergewaltigungen, Folter, Suizid und Morde häufen sich.

Die beiden Studenten Jim und Faith suchen nach einer Erklärung. Bald entdecken sie etwas wirklich Furchterregendes. Offenbar gibt es eine unheimliche Macht, die den Campus zu eigenständigem Leben erweckt. Und das Übel breitet sich aus …

An der UC Brea ging es schon immer hoch her, doch in letzter Zeit kommt es dort zu immer mehr Übergriffen. Nicht nur Jim hat ein komisches Gefrühl, als er aus den Ferien für sein letztes Jahr an der Uni zurückkehrt. Am liebsten wäre er zu Hause geblieben, denn seine dunkle Vorahnung soll sich schon bald bewahrheiten, denn das erste Opfer lässt nicht lange auf sich warten.
Faith ist neu und auf der Suche nach einem Job, um dem Leben zu Hause zumindest zeitweise entfliehen zu können, für ein eigenes Zimmer reicht das Geld noch nicht aus. Es zieht sie in die Bibliothek, die von Anfang an ein Gefühl in ihr weckt: Angst.

Auch Dr. Ian Emerson weiß, das etwas nicht stimmt, die Studenten werden immer desinteressierter, sein Lehrgang über Horrorliteratur immer weniger besucht. Dann taucht dieser Mann in seiner Vorlesung auf, der definitiv kein Student ist und ihm seine Dissertation über das Böse an Universitäten in die Hand drückt. Emerson hält ihn für einen Spinner, doch als er nach einiger Zeit das Werk tatsächlich zur Hand nimmt, entdeckt er Parallelen, viel zu viele. Längst ist alles aus dem Ruder gelaufen, Studenten sterben, verschwinden, werden vergewaltigt, gelyncht, Rassismus und Brutalität sind an der Tagesordnung. Ist daran tatsächlich die Universität schuld?

Nach „The Handyman“ habe ich mich auf „Die Universität“ gefreut und gehofft, dass mir bei diesem Buch das Ende mehr zusagen würde, leider muss ich sagen, es hat meine Erwartungen nicht so ganz erfüllt. Dabei ist die Story an sich wirklich gut, aber bereits recht früh tut Bentley Little wieder etwas, dass ich persönlich gar nicht mag, er verliert sich in sexuellen Details. Alles ist gut, bis Jim und Faith aufeinandertreffen. Jim, gutaussehend, ein netter Kerl, dessen bester Freund Howie im Rollstuhl sitzt, ist im letzten Studienjahr und hat die Leitung der Studentenzeitung übernommen. Eigentlich wollte er nach den Ferien nicht an die Uni zurückkehren, hat er doch so ein ungutes Gefühl. Faith hingegen ist neu und froh, dass sie es auf die Uni geschafft hat, denn ihr Leben zu Hause mit einer Mutter, die nur daran interessiert ist, Kerle aufzureißen, ist nicht unbedingt, was sie sich vom Leben erhofft. Beide Studenten spüren, dass an ihrer Lehranstalt irgendetwas vor sich geht und Faith meldet sich bei der Zeitung, als ihr Biologieprofessor beginnt, sehr fragwürdige Experimente durchzuführen. So kommen die beiden schließlich zusammen und führen eine sexuell doch etwas merkwürdige Beziehung, die es meiner Meinung nach überhaupt nicht gebraucht hätte und deren Details mich, ja, ich kann es so sagen, nervten. Aber nicht nur bei den beiden wird darauf eingegangen, immer wieder gibt es ausgewälzte Szenen, die sich um Vergewaltigungen und ähnliches drehen.
An sich habe ich kein Problem damit, solange das Ganze für den Verlauf der Story nötig ist, hier jedoch ist das nicht der Fall, man muss nicht immer wieder darauf rumreiten (ja, das war ein Schenkelklopfer^^). Für mich tut das der Geschichte nicht gut und ich frage mich ernsthaft wieder, warum manche Autoren es für nötig halten, immer flache und vollkommen überflüssige Sexszenen in ihre Bücher einzubauen. Wenn ich einen Thriller oder eine Horrorgeschichte lesen will, bin ich an permanent korpulierenden Charakteren nicht interessiert, wäre ich es, würde ich mir einen Erotikroman kaufen …
Über Faith und Jim habe ich mich ja bereits augelassen, doch natürlich gibt es außer ihnen noch eine ganze Menge anderer Figuren, die eine Rolle im Geschehen spielen, Dr. Emerson zum Beispiel, einer der Professoren, der erkennt, dass hier irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht, er ist mir wesentlich sympathischer als die beiden Turteltäubchen. Bentley Little gelingt es, jedem der Charaktere Leben einzuhauchen und ihr Handeln nachvollziehbar zu machen, auch sein Schreibstil ist toll, würde er nicht immer wieder abgleiten …
Das Buch selbst ist typisch für Buchheim, die edle Aufmachung zieht Blicke auf sich und macht es zu einem Schmuckstück im Regal, deswegen habe ich fast ein schlechtes Gewissen, weil mich die Story eben nicht so aus den Latschen gehauen hat, wie ich es gehofft habe.

Ja, die Geschichte hat durchaus Potential, man spürt förmlich, wie die Bedrohung immer weiter wächst und schließlich alles eskaliert.
Trotzdem kommt „Die Universität“ nicht an „The Handyman“ heran, obwohl beide Bücher doch so einiges gemein haben. Keine Frage, Bentley Little kann schreiben und Gänsehaut erzeugen, aber bereits in „Haunted“ gab es eine Szene, bei der ich mir dachte, was zum Geier soll das jetzt und dieses Gefühl beschlich mich hier erneut.
Unterm Strich gibt es aber immer noch 3,5 von 5 Miezekatzen, hätte ich die Qual der Wahl, würde ich allerdings erstmal zu einem anderen Werk von ihm greifen …

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