„Die Romanze von Dunwich“ – Edward Lee

“ … Die Bruchstücke des Lebens des einen wurden durch den Einfluss und selbst die bloße Anwesenheit des anderen auf abstrakte Weise wieder zusammengefügt. Wilburs sehnlichste Träume wurden wahr und Sary konnte kaum fassen, dass das Leben derart schön sein konnte. …“ (Seite 256)

Die Leute in Dunwich glauben, dass Wilbur Whateley nur ein weiterer Inzucht- Hinterwäldler-Freak ist. Doch er ist tatsächlich der Spross einer seltsamen und unheiligen Wesenheit aus den Tiefen des Weltalls.
Wilburs Aufgabe auf dieser Erde ist es, die ganze Menschheit auszurotten. Denn sein Vater Yog-Sothoth hält die Menschen für elende, fast hirnlose Tiere, die es nicht verdienen zu leben.
Aber Wilbur ist auch halb menschlich, und deshalb sehnt er sich nach etwas, das er wahrscheinlich nie erhalten wird: Liebe. Doch als er sich in die obdachlose Prostituierte Sary verliebt, scheint die Fügung endlich Erbarmen mit ihm zu haben. Denn auch Sary findet den sanften und starken Mann unwiderstehlich.
Hat ihre Liebe im Schatten der kommenden Geschehnisse überhaupt eine Chance?

Edward Lee spinnt das Garn von Lovecrafts Dunwich-Klassiker weiter. Er füllt die Lücken, die Lovecraft nicht zu beschreiben wagte auf eine Weise, wie nur er es kann: mit viel Lüsternheit, Gewalt und Obszönität.
Edward Lees bestes HPL-Pastiche. Eine traurige, herzerwärmende, aber auch groteske Liebesgeschichte.

Wilbur ist der Nachkomme einer „Hexe“, von allen gemieden und gefürchtet, denn mit ihm bringt man das Verschwinden einiger Bewohner in Verbindung. Als Anwohner Sary misshandeln, greift er und nimmt sie erst einmal mit zu sich nach Hause. Sie ist fasziniert von dem seltsamen Mann, der sie, im Gegensatz zu allen anderen, nicht wie Dreck behandelt und so folgt Sary ihm nach Hause. Beide ziehen sich an wie Magneten, sind wie füreinander geschaffen, doch Wilbur verbirgt etwas unter seiner Kleidung und das ist nicht sein einziges Geheimnis …

„Das Grauen von Dunwich“, auf dem „Die Romanze von Dunwich“ ja quasi aufbaut, habe ich vor Jahren mal gelesen und nicht mehr komplett in Erinnerung. So habe ich mich gefreut, dass Lovecrafts Werk der Geschichte von Lee vorangestellt ist, als Vorgeschichte, sozusagen, der man einiges über Wilburs Familie und Herkunft entnehmen kann und das ist gut, denn Edward Lee geht darauf nicht nochmal genauer ein. Er lässt seine „Romanze“ gleich mit Sary beginnen, die schon als Kind kein leichtes Leben hatte und von allen nur ausgenutzt und gedemütigt wird. Eigentlich ist sie genau wie Wilbur, mit dem Unterschied, dass sich immer alle auf sie stürzen, (und das im wahrsten Sinne des Wortes) während sie vor dem 2,15 m Hünen Angst haben.
Wilbur und Sary, zwei Ausgestoßene, die das Schicksal zusammenführt. Doch ist es tatsächlich Schicksal oder eine andere Macht?

Sary ist Prostituierte, gesegnet mit einem tollen Körper, verflucht mit einem entstellten Gesicht, Wilbur Whateleys Vater hingegen stammt nicht von dieser Welt, beide sind also Freaks, von allen Anderen gemieden, verspottet oder gar missbraucht. Nachdem der seltsame Mann die Frau rettet, entwickelt sich fast sofort eine besondere Beziehung zwischen den beiden, auf deren sexuelle Aspekte natürlich besonders eingegangen wird, hier kann Lee wieder zeigen, was in ihm steckt. Doch die Geschichte hat auch eine andere Seite, eine tragische, gefühlvolle, für den Autor eigentlich untypische, verbindet man ihn doch eher mit Blut, Gedärm und sämtlichen Körperflüssigkeiten. Das alles gibt es auch hier, aber doch eher gemäßigt, dafür zeigt uns Lee, dass durchaus ein kleiner Romantiker in ihm schlummert. Man wünscht seinem gebeutelten Pärchen endlich mal Glück und Ruhe und weiß doch, dass es dies für sie nicht geben wird, es ist also durchaus ratsam, eine Packung Taschentücher in Reichweite zu haben. Natürlich kann man die auch anders verwenden, aber es gibt durchaus Momente, in denen ein kleines Tränchen fließen könnte.
„Die Romanze von Dunwich“ ist der erste Band der neuen Reihe H. P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens Limited aus dem Hause Festa und kann auch optisch überzeugen. Natürlich gibt es Tentakel auf dem Cover, was auch sonst und auch das farbige Vorsatzblatt macht das Buch zu einem Hingucker. Schauen wir mal, was mit Band Zwei auf uns zukommt.

Ein Buch, dass mal wieder die Frage aufwirft, wer hier das wahre Monster ist, außerdem hat es für Edward Lee erstaunlich viel Tiefgang, auch wenn er sich dennoch auf die gewohnt schlüpfrige Art und Weise austoben kann. Und mal ehrlich, wer wünscht Wilbur hier nicht, dass er seinen Plan umsetzen kann und all die dämlichen Menschen ausrottet? Ich tue es auf jeden Fall und vergebe 4,5 von 5 Miezekatzen.


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