„Bienensterben“ – Lisa O’Donnell

“ … Mein Vater, dieses boshafte Ekel, hat mich nachts auf seinen Schoß gesetzt. Er liebt mich, hat er gesagt.
Später finde ich ihn erschöpft, unbeweglich, schmutzig und zerknittert auf seinem ungemachten Bett. Neben seinem Kopf liegt mein Kissen und, gütiger Himmel, Marnie hat es ihm aufs Gesicht gedrückt. …“ (Seite 23)

Marnie und Nelly sind Geschwister und grundverschieden noch dazu.
Die 15-jährige Marnie ist aufmüpfig, vertickt nebenbei Drogen, hat ein Techtelmechtel mit ihrem Boss, während die 12-jährige Nelly sich lieber zurückzieht, dafür aber ein Ass auf der Violine ist.
Dass die beiden es nie einfach hatten, erfährt man relativ früh, auch, dass ihre Eltern ihren Teil dazu beigetragen haben und dafür nun beide tot im Garten liegen.
Kurz und knapp, am Weihnachtsabend sind die beiden Mädchen mal wieder völlig auf sich gestellt.
Das bemerkt auch Lennie, der angeblich perverse alte Sack von nebenan, dem die beiden einfach nur leid tun und der sie deshalb zum Essen einlädt, woraus sich eine ganz besondere Beziehung entwickelt.
Auch er hat es in seinem Leben schwer gehabt und ist immer wieder auf Ablehnung gestoßen, deswegen nimmt er die beiden Schwestern unter seine Fittiche.
Mehr kann und will ich gar nicht zum Inhalt sagen…

In Bienensterben“  lässt Lisa O’Donnell abwechselnd Lennie, Marnie und Nelly zu Wort kommen und ihre Sicht der Geschehnisse schildern, teilweise sehr hart und schroff, aber auch sehr emotional, herzlich und humorvoll.
Eigentlich entspricht das Buch nicht wirklich meinem Beuteschema, aber ich hab viel darüber gehört, nun endlich zugegriffen und es nicht bereut, auch wenn ich, wie schon geschrieben, so gar nicht der Fan von solchen Gefühlsduseleien bin.
Mein Liebling in diesem Buch ist ohne Zweifel Lennie, der Perverse, der von allen Nachbarn schief angesehen wird, weil es diese Gerüchte gibt. Jedoch gibt es nur eins, dass ihn von den meisten anderen unterscheidet, er ist schwul, aber allein das reicht ja manchmal schon aus, um von allen gemieden zu werden. Lennie hat es nie leicht gehabt im Leben und trotzdem macht er sich Sorgen um die beiden Nachbarstöchter, die ihm eigentlich völlig egal sein könnten.
Die Schwestern reagieren zunächst vorsichtig auf seine „Annäherungsversuche“, doch schon bald wird der alte Mann von Nebenan zu einem wichtigen Bestandteil ihres Lebens.
Marnie und Nelly sind völlig verschieden, während die ältere auf ihre ganz eigene Art Aufmerksamkeit sucht, rebellisch ist und überall aneckt, ist Nelly die ruhige, künstlerisch begabte, die in ihrer eigenen Welt lebt und sich mit ihren Mitmenschen eher schwer tut.
Letztendlich wollen beide aber dasselbe.
Das orange Cover mit dem pinken Bild sticht sofort ins Auge und zeigt, worum es geht, die beiden Schwestern, Lennie, Nellies Violine, Marnies Nebenerwerb, das Haus … Die Farbkombination mag im ersten Moment gewöhnungsbedürftig erscheinen, aber so zieht das Buch die Blicke auf sich und das hat die Geschichte wirklich verdient.

Ja, ich brauchte eine Packung Taschentücher und das gebe ich auch gerne zu, denn die Geschichte ist wirklich schön, aber eben auch sehr ergreifend.
Dennoch hat es mich wirklich sehr beeindruckt, gerade, weil es mal wieder zeigt, dass die „Außenseiter“ eben doch die mit dem größten Herzen sind und deshalb bekommen Nelly, Marnie und Lennie von mir natürlich volle Punktzahl, 5 von 5 Miezekatzen …

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