„Bestattet“ – Michael Barth

… »Wissen Sie, ich habe Sie gestern eher für eine Sekretärin gehalten. So kann man sich täuschen.« Iris ging zügig weiter und blickte stur geradeaus.
»Ach, ja? Ich habe Sie für einen Idioten gehalten, und wissen Sie, was sich daran geändert hat?« »Na, nun bin ich gespannt.« »Nicht das Geringste.« …

Ein mysteriöser Anruf bei der Polizei.
Ein Kind, das lebendig begraben wurde.
Eine Mutter, die es nur retten kann, wenn sie selber stirbt.

Der „Bestatter“ gibt der Bochumer Polizei Rätsel auf. Um diese Rätsel zu lösen, erhält Iris Graf unerwünschte Hilfe von Moritz Schreiber. Dass sie ihn nicht ausstehen kann, macht die Sache nicht gerade einfacher.

Als sie schließlich selbst ins Visier des Täters gerät, liegt ihr Schicksal ausgerechnet in den Händen eben jenes Kollegen.

Eigentlich sagt der Klappentext bereits alles: Kinder verschwinden, ihre Mütter bekommen Besuch vom Bestatter, der nur eins von ihnen will, sie sollen sterben, um ihr Kind zu retten.
Die Polizeibeamten Moritz Schreiber und Iris Graf ermitteln gemeinsam in diesem Fall, nicht ganz freiwillig übrigens, denn ihr Verhältnis ist nicht das Beste. Doch schon bald sind sie aufeinander angewiesen …

Alleinerziehende Mütter haben es schwer, ich weiß das, ich bin auch eine.
Man muss alles unter einen Hut kriegen, Job (so man denn einen hat), Kind, Haushalt und immer wissen die anderen alles besser.
Klar ist man da genervt oder sogar wütend, das an einem Kind auszulassen ist aber definitiv der falsche Weg und das sieht auch der Bestatter so.
Die Mütter sollen sich opfern um wenigstens einmal etwas für ihr Kind zu tun, aber was, wenn sie sogar das verweigern?
Bereits im Prolog lernt man eine dieser Mütter kennen und hat Mitleid mit ihrem Spross, aber solche Ereignisse prägen …
Michael Barth lässt sich Zeit, seine Charaktere einzuführen, nach dem Prolog folgt erstmal ein Zeitsprung von fast 20 Jahren und man lernt die beiden Polizisten Moritz von Schreiber und Iris Graf kennen. Moritz ist neu in der Stadt und wird der toughen Ermittlerin als Partner zugeteilt, Liebe auf den ersten Blick bei beiden, nicht. ^^ Sie nerven seine arroganten Sticheleien, ihn ihre kühles Auftreten und dennoch ist da etwas. So liefern sich die beiden permanent amüsante Wortgefechte, über die man immer wieder schmunzeln muss. Doch sie hacken nicht nur aufeinander rum, nein, sie sind auch clever und wachsen einem ans Herz, irgendwie, denn sie suchen auf ihre ganz eigene Art nach Bestätigung. Und vor allem lassen sie uns an ihren Gedankengängen teilhaben, das macht es leicht, sich in ihre Lage zu versetzen.
Ihr Gegenspieler ist da ein ganz anderes Kaliber, auch wenn er seine Ansichten ebenso mit dem Leser teilt. Doch so sehr man ihn anfangs auch bemitleidet, so abscheulich ist das, was er den Kindern antut, dabei sollte gerade er es doch besser wissen …
Einen Großteil des Buches nimmt die Ermittlungsarbeit ein und es geht eher ruhig zur Sache, das bedeutet allerdings keinesfalls, dass es langweilig ist, für einen gemütlichen Samstagabend auf dem Sofa mit einem Gläschen Wein ist es genau das richtige, man kann sich entspannt zurücklehnen und Moritz und Iris bei ihren Nachforschungen begleiten. 

Wer auf Blut und akribisch beschriebene Morde steht, kommt hier definitiv nicht auf seine Kosten, aber es muss ja auch nicht immer übertrieben brutal sein und Michael Barth beweist hier, dass er auch anders kann.
Warum also nicht mal den „Tatort“ abschalten und sich stattdessen ein Buch gönnen, macht definitiv mehr Spaß. ich schwör.^^
Von mir gibt es für „Bestattet“ 4 von 5 Miezekatzen.

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