„Postkarten aus der Dunkelheit“ – Torsten Sträter

“ … Er und Schwinn wollten der Sand im Getriebe des Schicksals sein. Aber Sand zu sein, erkannte er, bedeutete nicht, das Getrieb zum Stillstand zu bringen.
Man wurde zerrieben.
Es blieb nur die Frage, was von einem übrig blieb, wenn man aus dem Radkasten des Großen Ganzen rieselte. …“ (Seite 101 – 102)
 

Wer durch „Hämoglobin“ auf den Geschmack gekommen ist, wird diesen baldigen Nachschub an niveauvollem Horror aus der Feder Torsten Sträters bereits ungeduldig erwarte. Erneut verbindet sich, mal mehr, mal weniger subtiler Grusel mit beißender Ironie. Lesen Sie, was passiert, wenn …

… der Einrichter einer Geisterbahn seine Arbeit etwas zu genau nimmt.

… unterirdische Kreaturen an den Pfeilern unserer Welt nagen.

… der Vatikan zur Millitärbasis für Dämonenjäger wird.

… sich ganz New York in den Vorhof der Hölle verwandelt.

Bereits mit Jacks Gutenachtgeschichten 1 „Hämoglobin“ hatte ich so meine Schwierigkeiten. Torsten Sträter schreibt, wie er redet und das ist toll, ein bisschen flapsig und bitterböse, eigentlich genau mein Ding, am Schreibstil habe ich auch absolut nichts auszusetzen. Teilweise erkennt man echt Parallelen zu heute, gerade das Nachwort „Wie werde ich Torsten Sträter“ könnte aus seinem Bühnenprogramm stammen. Leider haben mich aber auch diesmal die Geschichten an sich nicht wirklich überzeugt, mir fehlte einfach so ein bisschen Grusel, Gänsehaut ….
Die Storys an sich sind breit gefächert, es gibt sehr kurze und etwas längere, genauer gesagt 12 an der Zahl, einige davon fand ich sehr unterhaltsam, „Strangers in the Night“ zum Beispiel, auch wenn ich schnell ahnte, worauf das Ganze hinausläuft. Aber hey, es geht zumindest am Rande um Frank Sinatra, schon allein deswegen musste ich grinsen. Auch New York hat es ins Buch geschafft, sogar in zwei Geschichten, allerdings nicht als beliebtes Reiseziel, nein, dort möchte man wirklich nicht sein. Last but not least ist da natürlich auch noch das titelgebende „Postkarten aus der Dunkelheit“, ein bisschen abgedreht und die längste Erzählung im Buch, ein bisschen fühlte ich mich an „Die neun Pforten“ erinnert, auch wenn es dort keine Dämonenbeschwörung gibt, aber auch die findet man im Buch.

Anthologien finde ich persönlich immer sehr schwer zu bewerten, ich habe bisher noch keine Kurzgeschichtensammlung gelesen, bei der mich jede Story überzeugt hat, aber das ist natürlich auch sehr schwer, wenn nicht gar fast unmöglich. Allerdings muss ich sagen, dass mich hier nur 5 der 12 Geschichten wirklich überzeugt haben, für „Postkarten aus der Dunkelheit“ brauchte ich sogar zwei Anläufe, allerdings waren die der Müdigkeit geschuldet, ich bin schlicht und ergreifend beim Lesen eingeschlafen und hatte danach keine Ahnung mehr, worum es ging. Das allerdings war nicht die Schuld von Herrn Sträter.^^
Alles in allem ist der zweite Band von Jacks Gutenachtgeschichten durchaus kein Fehlkauf, allerdings bin ich wohl mit zu hohen Erwartungen an die Reihe herangegangen und vergebe dafür 3,5 von 5 Miezekatzen. Mit dem letzten Teil noch etwas Zeit lassen, vielleicht schafft er es ja dann, mich vollkommen zu überzeugen.
Jacks Gutenachtgeschichten:
01. „Hämoglobin“
02. „Postkarten aus der Dunkelheit“
03. „Hit the Road, Jack!“

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