„Berserk“ – Tim Lebbon

“ … Und als seine Finger über das strichen, was er bereits als Knochen erkannt hatte, spürte er tatsächlich, wie sich die Welt um ihn herum veränderte. Jedes Sicherheitsnetz, mit dem er gelebt hatte, wurde weggerissen, zurück blieb die kahle Landschaft der nackten Wahrheiten, bereit, ihn hinunterzuziehen und zu zerfetzen. …“
(Seite 56)

Tom Roberts´ Sohn sei bei einem Armyunfall gestorben … sagen sie. Doch sein Sarg ist leer.

Monster gebe es nicht … sagen sie. Doch als Tom zur vermeintlichen Ruhestätte seines Sohnes reist, findet er ein Massengrab mit Leichen, die alles andere als menschlich sind. Ohne Köpfe, bestialisch verstümmelt … und aneinander gekettet.

Der Tod sei das Ende … sagen sie. Doch dann greift eine dieser Leichen – ein kleines Mädchen – nach seinem Arm, und alles ändert sich. Denn der Tod ist nicht das Ende. Manchmal ist er auch der Anfang – der Anfang von etwas Schrecklichem.

Mit einem Vorwort von:
Edward Lee

Brian Keene: »Ein absolut spannender Roman, der mit halsbrecherischer Geschwindigkeit daherkommt. BERSERK ist alles, was der Titel verspricht, ein Pageturner vom Feinsten!«

Tom Piccirilli: »BERSERK hat mich emotional voll gepackt. Mord, Monster und Chaos – Lebbon treibt sie alle auf die Spitze!«

Als Tom bei seinem Feierabendbierchen zwei ehemalige Soldaten am Nachbartisch reden hört, wird er hellhörig, denn sie unterhalten sich genau über jenem Ort, an dem sein Sohn Steven vor 10 Jahren ums Leben kam, ein Unfall bei einem Armymanöver mit 15 Toten. Die Army will etwas vertuschen, soviel ist den Hinterbliebenen klar, doch es gibt keine Beweise.
Erstmal will keiner der beiden Männer will mit Tom reden, sie scheinen Angst zu haben, doch nach einigen Tagen trifft er einen von ihnen in der Kneipe wieder. Diesmal ist er etwas redseliger und erzählt, das Steven woanders gestorben ist und mit dem Rest irgendwo in der Pampa verbuddelt wurde. Der alte Mann will Gewissheit wenn ihm schon nichts von seinem Sohn geblieben ist, so will er wenigstens seine Leiche ordentlich begraben. Mit einer Schaufel ausgerüstet, begibt er sich auf Spurensuche. Dabei stößt er auf ein Massengrab, tote Soldaten und merkwürdig verstümmelte Leichen, die nicht ganz menschlich aussehen und mit Ketten aneinander gefesselt sind. Es scheint eine Familie zu sein, Mutter, Vater und zwei Kinder. Schon beim Graben hört er eine Stimme in seinem Kopf und dann spürt er plötzlich den festen Griff einer der Kinderleichen, das kleine Mädchen bittet ihn um Hilfe …

 

„Berserk“ ist ein wunderschön aufgemachtes Buch, aber das ist man von der Cemetery Dance Germany Reihe ja schon gewohnt, manche Details erkennt man erst beim genaueren Betrachten.
Auch sprachlich gibt es nichts auszusetzen, Tim Lebbon schreibt einfach toll, man fühlt sich beim Lesen, als befände man sich mitten im Geschehen.
Hinzu kommt, dass es einfach ist, sich in Tom Roberts, Lebbons „Helden“ hineinzuversetzen, denn jeder hat schon mal jemanden verloren, kennt das Gefühl der Trauer, des schier grenzenlosen Verlustes, den der Vater selbst nach 10 Jahren immer noch spürt. Er ist sich sicher, dass er nicht die ganze Wahrheit über Stevens Tod kennt.
Und so tut er, was wohl jeder tun würde, wenn er die Gelegenheit dazu hätte, er begibt sich auf Spurensuche und ihm ist es völlig egal, dass er damit Gesetze übertritt, er will nur wissen, was mit seinem Sohn geschehen ist. Damit tut er sich allerdings keinen Gefallen, denn er setzt etwas in Gang, dass sein Leben drastisch verändert und nicht nur seins.
Als Mutter frage ich mich natürlich, wie weit würde ich gehen? Kann man Eltern einfach so abwimmeln? Haben sie nicht ein Recht darauf, zu erfahren, was mit ihrem Kind wirklich geschehen ist?
Natürlich hat Roberts auch einen Gegenspieler, den mysteriösen Cole, den bösen Wolf, der mit allen Mitteln versucht, die unüberlegte Tat des alten Mannes ungeschehen zu machen, zur Sicherheit aller und dafür geht er im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen.
Wenn man so will, gibt es hier also kein Gut und kein Böse, der vermeintliche Retter trifft immer wieder schlechte Entscheidungen, die er damit rechtfertigt, doch das Richtige tun zu müssen. Und Tom, der erfährt, dass sein Sohn noch am Leben sein könnte, hört einfach nur auf sein Herz. So stehen sich letztendlich zwei Männer gegenüber, die beide für ihre Überzeugung kämpfen, jeder auf seine eigene Art und Weise und zwischen ihnen Natasha, das Knochenbündel, mit dem alles begonnen hat. Sie weckt in mir sehr widersprüchliche Gefühle, was ist sie, das traurige, zurückgelassene Kind oder eine Gefahr für die Menschen?
Es ist schwer, sich in „Berserk“ für eine Seite zu entscheiden, es gibt hier kein schwarz-weiß, nur viele Grautöne und das macht die Geschichte so mitreißend. Man versteht, was die Figuren antreibt und deswegen ist es manchmal echt schwer, ihr Handeln zu verurteilen, auch wenn man natürlich weiß, dass es falsch ist. Aber würde man selbst nicht vielleicht genau dasselbe tun?
Haben wir nicht alle ein Recht auf die Wahrheit, so schmerzlich sie auch sein mag?

Auch wenn man ab der Mitte schon in etwa ahnt, worauf „Berserk“ hinausläuft, tut das der Story keinen Abbruch, man fiebert einfach mit Tom mit, hofft, nach allem, was er durchgemacht hat, auf ein Wiedersehen mit seinem Sohn.
Trotzdem gibt es für mich auch einen kleinen Schwachpunkt, nämlich die Berserker selbst. Man erfährt nie so richtig, womit man es bei ihnen zu tun hat und die paar Sätze, mit denen ihre Geschichte erzählt wird, sind mir persönlich einfach zu wenig, schade.
Dennoch bleibt am Ende eine tolle Geschichte über die Liebe eines Vaters, der alles für seinen Sohn tut, das ist mir 4 von 5 Miezekatzen wert.

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