„Der Geist von Lucy Gallows“ – Kate Alice Marshall

“ … Ich hole Beccas Notizbuch hervor, und wir versammeln uns darum, während ich darin blättere. Wir haben den Bäumen den Rücken zugedreht, als würden wir das Notizbuch vor ihnen verbergen wollen.
Ein Paar der Dinge, die Becca geschrieben hat, ergeben nun einen Sinn, doch meistens spricht sie in Rätseln. Es ist, als würde man die Schatten von etwas sehen, dessen wahre Form man noch nicht kennt. …“ (Seite 139)

Einmal im Jahr erscheint in Briar Glen um Mitternacht eine Straße im Wald und der Geist von Lucy Gallows lockt die Ahnungslosen zu sich.

Seit Beccas spurlosem Verschwinden ist ein Jahr vergangen. Nur ihre Schwester Sara weiß, was geschehen ist. Becca hat den Geist von Lucy Gallows gesucht und ist auf der Straße gefangen, die zu ihr führt.
Und dann erhält Sara eine mysteriöse Nachricht mit der Einladung »das Spiel zu spielen«.
Als sie mit ihren Freunden den Wald betritt, erscheint die unheimliche Straße tatsächlich. Sie müssen ihr nur folgen.
Lucy Gallows wartet schon auf sie …

Stranger Things trifft auf The Blair Witch Project in diesem außergewöhnlichen Geister-Thriller.

Saras Schwester Becca ist verschwunden und seitdem ist sie von der Legende um Lucy Gallows besessen. Das Mädchen ist bei der Hochzeitsfeier seiner Schwester in den Wald gelaufen und wurde nicht mehr gesehen. Doch sie ruft und es gibt Menschen, die sie hören und zurückbringen wollen. Sieben Tore müssen dafür durchquert werden, man muss zu zweit unterwegs sein und darf die Straße nicht verlassen, egal, was auch geschieht.
Genau einem Jahr nach Saras Verlust erhalt sie eine merkwürdige SMS, ebenso ihre alten Freunde, die sie inzwischen nur noch in der Schule sieht. Der Kontakt ist abgebrochen und doch treffen sich in dieser Nacht alle im Wald, um nach Becca zu suchen. 
Als tatsächlich eine Straße und das erste Tor auftauchen, wird schnell klar, das ist kein Spiel und jeder Verstoß gegen die Regeln hat Konsequenzen …

Oh man, über 500 Seiten, die sich wie im Flug weglesen lassen.
Gut, zum Teil mag das natürlich auch daran liegen, dass das Buch so ein bisschen wie eine Dokumentation aufgebaut ist, es gibt Interviews, einen Einblick in Unterlagen, Videos, die man natürlich nicht sieht, die aber dafür genau beschrieben werden. All diese Dinge lockern das Geschehen immer wieder auf und das ist teilweise bitter nötig, denn die Geschichte ist so spannend und mitreißend, dass die Fingernägel es danken, wenn mal ein ruhigerer Abschnitt kommt.
Man begleitet die Freunde den ganzen Weg über, teilt ihre Ängste und glaubt immer wieder zu ahnen, was vor sich geht, aber Pustekuchen, eigentlich wird man immer verwirrter.
Sara lebt seit dem Verschwinden ihrer Schwester in einer düsteren Welt, ihr Freunde hat sie mehr oder weniger vergrault, dafür ist sie besessen von Lucy Gallows, denn Sara ist sich sicher, dass Becca eben jene geheimnisvolle Straße genommen hat. Außerdem hat sie ihr Notizbuch gefunden in dem sehr merkwürdige Sachen stehen und so ist sie sich sicher, dass genau ein Jahr nachdem  Becca sich scheinbar in Luft aufgelöst hat, die Straße wieder auftaucht. Allein will sie sich jedoch nicht auf den Weg machen, da kommen die alten Freunde wieder ins Spiel. Im gewissen Sinn ist das Buch also auch eine Geschichte über Freundschaft, über Menschen, die dich dein halbes Leben lang kennen, die du vor den Kopf gestoßen hast und die trotzdem da sind, wenn du sie brauchst.
Dass bei dem Ausflug in den Wald etwas gehörig schiefgeht, ist klar, immerhin beginnt alles mit Aufzeichnungen von Professor Ashford, der Sara helfen will, sich an diese Ereignisse zu erinnern, aber nicht alles ist so, wie es auf den ersten Blick scheint, auch das macht den Reiz des Buches aus.
Der nächtliche Trip in den Wald entwickelt eine gewaltige Sogwirkung, der ich mich einfach nicht entziehen konnte.

Puh, was soll ich sagen, mich hat „Der Geist von Lucy Gallows“ total begeistert. Der außergewöhnliche Erzählstil trägt mit Sicherheit viel dazu bei, aber auch die Charaktere selbst, die wohl unterschiedlicher nicht sein könnten.
Das Ende fand ich allerdings nicht so berauschend, aber irgendwas ist ja immer, für Lucy gibt es von mir 4,5 von 5 Miezekatzen.

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