„Großvaters Haus“ – Jon Athan

“ … Fassungslos starrte er seine Großeltern an, die ungerührt sitzen blieben. Ronald atmete tief durch die Nase, ermüdet von der brutalen Tracht Prügel, die er seinem Enkel verpasst hatte. Barbara schien verwirrt, ratlos angesichts der Widerspenstigkeit ihres Enkelsohnes. Reumütig wirkten sie allerdings nicht. …“ (Seite 96)

Ein Streich bringt den 16-jährigen Malcolm in ernste Schwierigkeiten. Während seine Mutter versucht, ihn vor strafrechtlicher Verfolgung zu bewahren, wird er zu seinen Großeltern aufs Land geschickt.
Malcolm rechnet mit ruhigen Tagen, mit Milch, Keksen und Geschichten aus der Vergangenheit. Doch als er mit seinem Großvater aneinandergerät – einem strengen, gewalttätigen Mann mit einer finsteren Vergangenheit – erwartet ihn das Grauen.
Der Alte will seinen Enkel disziplinieren, um ihn »vor sich selbst zu retten«. Er will ihn physisch und mental brechen.
Jon Athan lädt zu einem Besuch im Haus des Großvaters ein. Ein gnadenloser Extreme-Horror-Thriller.
Ein gnadenloser Extrem-Horror-Thriller.

Malcolm liebt es, Streiche zu spielen, dabei schießt er allerdings ganz gern mal übers Ziel hinaus. Im Nachhinein ist so ein Amoklauf wohl keine gute Idee, auch, wenn man dazu nur eine Wasserpistole mitnimmt. Die Schulleitung sieht das ähnlich und lädt erstmal seine überforderte Mutter ein. Da ihr Sohn schon ein paar Mal über die Stränge geschlagen hat, trifft sie eine folgenschwere Entscheidung. Bis sich die Lage beruhigt, soll er bei seinen Großeltern unterkommen.
Doch der Junge hätte nie mit dem Hass gerechnet, der ihm von seinem Großvater entgegenschlägt, vom ersten Moment an kommt es zu Spannungen, Handgreiflichkeiten folgen und dann reagiert die pure Gewalt …

Ich muss gestehen, ich bin schon etwas enttäuscht, nach „Die Guten, die Bösen und die Sadisten“ habe ich mich sehr auf Jon Athans neuestes Werk in der Festa Extrem Reihe gefreut. Leider ist „Großvaters Haus“ für mich nichts anderes als „Die Hölle der Ashley Collins“ 2.0. Warum? Wer das Buch noch nicht kennt, sollte hier besser nicht mehr weiterlesen, denn ich muss etwas spoilern, um meine Meinung zu begründen.
Wieder wird ein Jugendlicher diszipliniert, auf sehr unschöne, brutale Art, um auf den rechten Pfad zurückzufinden. Während Ashley von ihren Eltern im Keller eingeschlossen wurde, landet ihr männliches Gegenstück namens Malcolm bei seinen Großeltern, die er nicht kennt. Sowohl Eltern als auch Großeltern sollten ihre Kinder bzw. Enkel lieben und beschützen, hier jedoch läuft etwas grundlegend schief, denn die Teenager werden von der eigenen Familie gedemütigt und brutal misshandelt. Ist es bei Ashley der kleine Bruder, der sexuell übergriffig wird, so übernimmt diesen Part hier die Großmutter und das ist irgendwie noch verstörender. Aber am Ende ist alles gleich, irgendwie. Ich bin schon mit „Die Hölle der Ashley Collins“ nicht richtig warm geworden, zu weit hergeholt, zu unrealistisch erschien mir das Ganze und auch „Großvaters Haus“ macht es mir nicht leicht. Die Teenies in beiden Büchern überschreiten zu Beginn eine Grenze, bei Malcolm ist es ein fingierter Amoklauf mit einer Wasserpistole, der seine Mitschüler in Angst und Schrecken versetzt und seine Mutter zwingt, tätig zu werden. Warum sie ihn allerdings ausgerechnet zu den ihm völlig unbekannten Großeltern bringt, die ihr wahrscheinlich (leider erfährt man darüber nicht wirklich was) das Leben schon zur Hölle gemacht hat, muss ich nicht verstehen, jede Anstalt und selbst der Jugendknast ist dagegen ein Spaziergang.
Die Foltermethoden, die der Alte sich für seinen Enkel ausgedacht hat, finde ich dermaßen übertrieben, dass ich das Buch nicht wirklich ernst nehmen kann, genauso wenig wie die Tatsache, dass alle Eltern in der Stadt kein Problem damit zu haben scheinen, dass ihre Kinder dem Alten früher oder später in die Faust rennen. Hallo? Jedem da ist es egal? Und das im Zeitalter der Helikoptereltern? Ich weiß ja nicht, Angst ist da für mich kein Argument.
Dabei hat die Story durchaus ihren Reiz, denn nahezu jeder von uns verbindet mit seinen Großeltern unbedingte Liebe, Taschengeld, erfüllte Wünsche, auf jeden Fall schöne Dinge, aber keine zwei Irren, die sich an Grausamkeiten gegenseitig überbieten. Während man zu Beginn noch denkt, dass zumindest Barbara Mitleid mit Malcolm hat, zeigt sich schon bald, dass sie ihrem Mann in nichts nachsteht, denn während er die körperliche Züchtigung übernimmt, sorgt sie dafür, dass auch die Seele ihres Enkels nicht unbeschadet bleibt…

Aus der Story hätte man so viel mehr machen können, als eine stumpfe Folterorgie, ich jedenfalls bin damit nicht glücklich. Wer allerdings auf sowas steht, kommt hier total auf seine Kosten. Für mich sind hier nach dem tollen „Die Guten, die Bösen und die Sadisten“ leider nur 3 von 5 Miezekatzen drin.

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