„Ich und die Menschen“ – Matt Haig

„… Alles ist irgendwie mit allem verbunden. Man kann diese Verbindungen manchmal ignorieren. Doch hin und wieder ziehen sie dich in ganz unerwarteter Weise hin zum Unmöglichen.
Zur Empathie. Zur Liebe.
Und zu all den anderen schrecklichen Dingen, mit denen ich nichts zu tun haben wollte. …“ (Seite 19)

In einer regnerischen Freitagnacht wird Andrew Martin, Professor für Mathematik in Cambridge, aufgegriffen, als er nackt eine Autobahn entlangwandert. Professor Martin ist nicht mehr er selbst. Ein Wesen mit überlegener Intelligenz und von einem weit entfernten Stern hat von ihm Besitz ergriffen. Dieser neue Andrew ist nicht begeistert von seiner neuen Existenz. Er hat eine denkbar negative Meinung von den Menschen. Jeder weiß schließlich, dass sie zu Egoismus, übermäßigem Ehrgeiz und Gewalttätigkeit neigen. Doch andererseits: Kann eine Lebensform, die Dinge wie Weißwein und Erdnussbutter erfunden hat, wirklich grundschlecht und böse sein? Und was sind das für seltsame Gefühle, die ihn überkommen, wenn er Debussy hört oder Isobel, der Frau des Professors, in die Augen blickt?

Der Mathematik-Professor Andrew Martin ist tot, weil er etwas entdeckt hat, von dem er besser die Finger gelassen hätte.
Die Wesen im All sehen das als große Gefahr für sich und alle anderen und so wird er kurzerhand eliminiert.
Doch Andrew ist nicht verschwunden, in seinem Körper lebt jetzt eins jener Wesen und das hat den Auftrag, alle zu töten, denen er von seiner Entdeckung erzählt hat.
Als erstes wären da seine Frau Isobel und Sohn Gulliver, abstoßende, hässliche, primitive Menschen…
Der Auftrag scheint einfach, die Umsetzung eher nicht, denn bereits nachdem der erste Mitwisser, ein Professoren-Kollege, das Zeitliche gesegnet hat, meldet sich das schlechte Gewissen und so wird erstmal der altersschwache Familienhund geheilt.
Dumm nur, dass der pelzige schwanzwedelnde Vierbeiner sich als sehr dankbar und anhänglich erweist und irgendwie ist er ja auch liebenswert.
Auch Isobels Aussehen erscheint immer weniger schrecklich und der neue Andrew muss erkennen, was für ein egoistisches Arschloch sein altes Ich doch war, Frau und Sohn waren ihm egal, ein Leben nur für die Mathematik und den Ruhm.
Je länger er unter den Menschen weilt, umso mehr muss er über all das nachdenken.
Sind sie wirklich das brutale, primitive Volk, für das man sie hält?
Ist seine Welt die einzig Wahre?
Und kann er der Frau und Gulliver nach all dem überhaupt noch weh tun?

Matt Haigs „Ich und die Menschen“ hat mir den einen oder anderen Lacher entlockt.
Obwohl das Buch doch sehr philosophische Ansätze hat, sind diese in eine berührende Geschichte verpackt, auf die Holzhammertaktik wird erfreulicherweise verzichtet.
Der zweifelnde Andrew, die nachsichtige Isobel, der selbstmordgefährdete Gulliver und auch der nicht mehr ganz taufrische Newton wachsen einem ans Herz und tatsächlich muss man über die eine oder andere Sache, die der Eindringling merkwürdig findet, nachdenken. Für einen Außenstehenden müssen viele unserer Handlungen abstrus wirken, sinnfrei.

„ … Die Erde war, wie mir später klar wurde, ein Planet der verpackten Dinge. Nahrung in Folie. Körper in Kleidung. Verachtung in Lächeln. Alles war verpackt. …“ (Seite 27)

Wir machen uns so viele Gedanken über eigentlich unwichtige Dinge und vergessen darüber das einzig Wichtige: zu leben. Und zu lieben. Brauchen wir dazu wirklich einen Außerirdischen, der uns das vor Augen hält? Sogar er erkennt, dass wir so viel mehr sind, warum also können wir das nicht?
Ich habe das Buch vor einiger Zeit auf einem Wühltisch entdeckt, der Klappentext sprach mich an, also hab ich es mitgenommen. Allerdings hatte ich nicht die geringste Ahnung, was für eine berührende Geschichte mich erwartet.

Eine Geschichte, die ich so nicht erwartet habe und die mich total gefesselt hat, mir bleibt gar nix anderes, als die eigenen Handlungen zu hinterfragen und 5 von 5 Miezekatzen zu vergeben.

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