„Zirkus“ – Carolin Gmyrek

“ … Henning interessierte es nicht, ob er die Vergangenheit eines Junkies oder eines Anwalts wegpustete; das Ergebnis war das gleiche: Überleben. Und es gab sowieso keine Pazifisten und Anwälte mehr, die sich darüber aufregen könnten. Es gab im Augenblick nur noch diesen lächerlich kleinen Rest eines ehemaligen Wanderzirkus. …“

»Hallo? … Hallo? Ist da wer? Wenn du keine Hoffnung mehr hast und nicht weißt, wohin du sollst. Komm zu uns. Wir haben es geschafft. Wir haben überlebt. Unsere Geschichte ist nicht kurz, aber kurze Geschichten sind auch langweilig. Sie haben versucht uns zu besiegen, doch wir sind wie Kakerlaken und damit haben sie nicht gerechnet. Sie haben alles zerstört, was wir aufgebaut haben, aber uns nicht. Wir bauen immer noch! Wir lassen uns doch nicht von ein paar Bomben unterkriegen. Statt uns auszulöschen werden wir nur stärker.
Es gibt sogar noch Kaffee. Wenn ihr also in der Nähe seid, so kommt vorbei und verhaut mit uns ein paar dieser verfickten Madenköpfe.«

Henning wird von Freaks, den übriggebliebenen Mitgliedern eines Wanderzirkus gerettet, leider bezahlt das einer von ihnen mit dem Leben und so sind sie nicht sonderlich gut auf den Geretteten zu sprechen. Sie vertrauen ihm nicht und das ist in den rauen Zeiten auch ganz gut so.
Und doch nehmen ihn Brutus, der Riese, Emma die Zwergin und Dunja, die einarmige Schlangenfrau mit zu ihren Leuten, zwar erstmal nur als Gefangenen, aber immerhin.
Denn Henning hat einen Auftrag, er soll den berüchtigten Freaks ein Angebot unterbreiten …

Ja, ich gebe es gerne zu, ich habe ein Herz für Freaks und alle die, die eben nicht dem Ideal entsprechen. Darum habe ich den Riesen und die Zwergin sofort in mein Herz geschlossen, denn unter der rauen Schale der beiden schlägt ein großes Herz. Das merk man schon am Anfang, als sie versuchen, ihren infizierten Freund zu retten, was sich als schwierig erweist, da er auch er nicht ganz „normal“ ist. Bei Dunja dauerte es etwas länger, mit ihr musste ich erstmal warm werden, sie war mir zu Beginn etwas zu kaltherzig. Im Laufe der Zeit erfährt man allerdings auch, warum das so ist.
Henning hingegen, nun ja … Von Anfang an ist klar, dass er den Auftrag hat, die Zirkusleute in die Pfanne zu hauen und sie ahnen das auch, aber letztendlich bleibt ihnen kein anderer Ausweg, als sich darauf einzulassen.
Dafür muss Henning feststellen, dass die brutalen, rücksichtslosen  Freaks, auf die er angesetzt wurde, doch ganz anders sind, auch wenn sie auf den ersten Blick eher abschreckend wirken. Wie auch im wahren Leben, haben die Ausgestoßenen meist das größte Herz von allen, trotz all der Feindseligkeit, die man ihnen entgegenbringt.
Auch in „Zirkus“ spielen die Zombies wieder nur eine Nebenrolle. Ja, es gibt sie und wegen ihnen ist in Deutschland alles zusammengebrochen, ab und zu tauchen sie auch auf, hier sogar öfter als in den anderen Bänden, die ich bisher gelesen habe, trotzdem liegt der Schwerpunkt auf eben nicht auf dem Kampf gegen die Untoten, sondern dem Umgang der Menschen miteinander, solche Ereignisse bringen eben sehr oft die schlechten Seiten in uns zum Vorschein und die sind nicht selten schlimmer als ein Zombiebiss, denn danach zählt ja bekanntlich nur noch die Gier nach Fleisch, alles andere ist egal.^^

Ein weiterer Teil der Zombie Zone Germany Reihe, der mich nicht enttäuscht hat. Es ist doch immer wieder erschreckend, welche dunkle Seiten Katastrophen in uns zum Vorschein bringen und wie schnell wir das, was uns menschlich macht einfach so über Bord werfen.
Für Emma, Brutus und Dunja vergebe ich 4 von 5 Miezekatzen, ein Hoch auf die Freaks.  

Zombie Zone Germany:
01 .“Die Anthologie“ 

02. „Trümmer“ – Simona Turini
03. „Tag 78“ –  Vincent Voss
04. „Letzter Plan“ – Jenny Wood
05. „Zirkus“ – Carolin Gmyrek
06. „Blutzoll“ – Matthias Ramtke
07. „Xoa“ – Lisanne Surborg
08. „Fressen oder gefressen werden“
09. „Anthologie: Der Beginn“
10. „Hoffnung“ – Hanna Nolden

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