„Der Hexerbaum“ – Brian Keene

“ … Aber Powwow ging über die Medizin hinaus. Es war eine Disziplin der Magie wie jede andere, und manchmal wurde Levi mit mehr als Hilfe für die Kranken betraut. Gelegentlich führte seine Tätigkeit dazu, dass er in ernstere okkulte Angelegenheiten verstrickt wurde. …“ (Seite 35 – 36)

DER HEXERBAUM: Die Probleme beginnen, nachdem in den Wäldern von Pennsylvania ein Junge und sein Hund verschwinden. So ergeht es auch dem Vater des Jungen, der ihrer Spur folgt.
Ein Suchtrupp findet sie alle auf einer Lichtung, in deren Mitte nur ein einziger uralter Baum steht. Tja, und was sie finden, ist nicht schön anzusehen und nicht mit rechten Dingen zu erklären. Also ruft man Levi Stoltzfus …

DIE LETZTEN ALBATWITCHE: In Pennsylvania gibt es eine Legende über den Wald um Chickies Rock. Dort soll eine zurückgezogen lebende Rasse von Bigfoot-ähnlichen Kreaturen existieren, die als Albatwitche bekannt sind. Levi Stoltzfus dachte immer, dass diese sanften Waldbewohner längst ausgestorben sind. Als er den mysteriösen Tod einer jungen Frau untersucht, ist er sich bald nicht mehr so sicher …

Ein Baum, der Menschen tötet, seltsame Wesen in den Wäldern, eine Drogensüchtige und Handys als Fluch der Technik, mit all diesen Dingen muss sich Levi Stoltzfus in „Der Hexerbaum“ auseinandersetzen und immer spielt das Übernatürliche dabei eine Rolle.
Doch der ehemalige Amish weiß, wie er seinen Gegnern entgegentreten muss, er kennt sich mit Magie aus und vertraut auf Gott.
Zumindest war das bisher so …

Um es vorweg zu nehmen, ich mag die Bücher von Brian Keene, „Leichenfresser“ ist für mich noch immer eines der besten Coming of Age Bücher und auch „Eine Versammlung von Krähen“, in dem ich Levi Stoltzfus zum ersten Mal begegnet bin , hat mich überzeugt.
Deshalb bin ich mit hohen Erwartungen an die Sammlerausgabe herangegangen und muss gestehen, ich bin doch ein bisschen enttäuscht. Ich habe mich auf neue „Fälle“ für Levi gefreut, die habe ich zwar auch bekommen, aber ich fand sie etwas unbefriedigend.
„Der Hexerbaum“ und „Die letzten Albatwitche“ sind zwar zwei abgeschlossene Novellen, allerdings werden immer wieder Dinge kurz angedeutet, auf die dann jedoch nicht näher eingegangen wird. Natürlich ist das an und für sich clever, um den Leser neugierig auf mehr zu machen, hier empfand ich das jedoch eher als störend. Außerdem wird in beiden Geschichten ausführlich auf die vorhandene Bibliothek von Levi eingegangen, beim zweiten Mal dachte ich nur: Hab ich das nicht eben erst gelesen?
„Hausbesuch“ und „Durch dunkle Spiegel“, die beiden Kurzgeschichten, fallen tatsächlich sehr kurz aus. Die letzte übt sogar Kritik an unserer heutigen Gesellschaft und zieht einen Vergleich zu vergangenen Zeiten, hier hätte ich gern etwas mehr erfahren, gerade weil dieses Thema doch sehr aktuell und brisant ist und ich diesen Zeitsprung genial finde, aber leider ist gerade diese Story die kürzeste.
Nicht falsch verstehen, mir gefällt Brian Keenes Schreibstil und mit Levi Stoltzfus hat er eine sehr eigene Figur erschaffen, schon allein dessen amische Vergangenheit und sein recht einfacher Lebensstil machen ihn zu etwas besonderem. Dazu kommt sein tief verwurzelter Glaube und das Wissen über das Paranormale, das er sich angeeignet hat. Ich jedenfalls habe den okkulten Detektiv samt Hund und Pferd ins Herz geschlossen und habe sofort ein Bild vor Augen, allerdings kommt er mir im Buch ein bisschen zu kurz, ebenso wie seine Ermittlungsarbeit.
 
Für vier Geschichten gab es mir hier zu wenig Levi und dafür zu viele Dinge, über die man im Unklaren gelassen wird, ich sage nur Deal.^^
Mag sein, dass ich bei Kurzgeschichten generell etwas kritischer bin, ich mag es halt lieber etwas ausführlicher, brauch ein bisschen Zeit, um mich auf die Charaktere und die Handlung einzulassen. Ja, Brian Keenes Thriller (also die, die ich bisher gelesen habe) haben mir besser gefallen als die Sammlerausgabe, obwohl die wieder sehr schön aufgemacht ist, gerade mit den Bildern der Bäume im Buch. Ich habe noch einige ungelesene Titel des Autors im Regal stehen und bin mir sicher, dass die mich wieder voll und ganz überzeugen.
Für „Der Hexerbaum“ gibt es diesmal allerdings nur 3,5 von 5 Miezekatzen.

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