Nach „Mhelanohm“ und „Lost in little Sinai“ hat der Mann, dessen Namen man nicht nennt, uns mit „Something lingers“ gerade zum dritten Mal eine verstörende Geschichte erzählt. Wer sich jetzt fragt: „Was bitte ist denn verstörend an einer unschuldigen kleinen Geschichte?“ ist wahrscheinlich noch nicht im Bilde und sollte das dringend nachholen.
Ich kann nicht leugnen, dass isch meine kleine schwarze Seele ein bisschen zu dem großen bösen Antagonisten hingezogen fühlt und so habe ich gewagt, ihm 3 Fragen zu stellen, natürlich in der Hoffnung, dass er keine Geschichte für mich reserviert hat. Ein bisschen Bammel hatte ich schon, aber ich war auch super aufgeregt und gespannt, welche Geheimnisse ich dem geheimnisvollen „Vollstrecker“ wohl entlocken würde und deshalb will ich euch mein kleines Interview natürlich nicht vorenthalten.
Wir durften jetzt bereits drei deiner Geschichten lauschen. Als kleines Fangirl und auch da ich von Natur aus sehr neugierig bin, frage ich mich immer wieder, wie du zu deinem Job gekommen bist. War es Berufung, hat eine höhere Macht dich auserwählt? Und vor allem, wie kommst du damit klar? Macht dir deine Arbeit Spaß? Ich kann mir gut vorstellen, dass es durchaus seinen Reiz hat, direkten Einfluss auf das Leben der Menschen zu nehmen, manchmal wünsche ich mir das auch.^^
- „Was ich tue und warum ich es tue, lässt sich mit deinen Worten nur schwer erfassen. Konzepte wie Jobs oder Arbeit spielen in meiner Wirklichkeit keine Rolle. Ob eine höhere Macht involviert ist? Nach deinen Vorstellungen müsste die Antwort vermutlich „ja“ lauten. Ich hingegen spreche lieber von der Unausweichlichkeit. Von einer Fügung, deren Ergebnis seit jeher unvermeidbar ist. Das bedeutet natürlich nicht, dass mein Wirken mich nicht hin und wieder berührt. Oh, ich liebe es, Geschichten zu erzählen, und ich sehe und erlebe vieles, das mich amüsiert. Doch solche Empfindungen sind selten. Viel zu selten …“

Und da wir schon mal beim Thema sind, was genau zieht dich zu den Orten, an denen du deine willigen Zuhörer findest? Weißt du bereits vorher, dass du dort auf jemanden triffst, der jedes deiner Worte aufsaugt? In dessen Leben du einen bleibenden Eindruck hinterlässt? Oder kurz gesagt: Suchst du dir deine Opfer gezielt aus? Vielleicht hast du ja einen kleinen Tipp für mich.
- „Nicht ich entscheide, wo mein Wirken gewünscht ist. Ich bin nur das Instrument. Die Melodie spielt jemand anderes. Das gilt für die Orte genauso wie für die Menschen, denen ich meine Geschichten erzähle. Ich habe eben von Unausweichlichkeit gesprochen und genau das trifft auch hier zu. Vielleicht kannst du es dir am besten so vorstellen: Es ist wie eine Hand, die dein Inneres führt, ein unhörbares Flüstern in deinem Ohr, das keine Widerrede duldet, eine unabwendbare Kraft, die deine Füße bewegt. Angesichts dessen bin ich ein willenloser Diener und alles, was mich interessiert, ist die Erfüllung meiner Aufgabe.“
Wie fühlt man sich, wenn man trotz der Macht, die man ja irgendwie hat, am Ende doch nur ein Werkzeug ist? Wünschst du dir manchmal, du könntest deine eigenen Entscheidungen treffen?
- „Da ist es wieder, dieses Wort: Macht. Der Mensch denkt gern in dieser Art von Kategorien. Einer hat die Macht und ein anderer nicht. Ich erinnere mich daran, einmal selbst so gedacht zu haben. Doch wenn du mich und das, was ich tue, wirklich verstehen willst, solltest du dich von diesen Konzepten lösen. Befreie dich von diesen eng gefassten Begrifflichkeiten, die dein Denken und dein Vorstellungsvermögen limitieren. Ob ich eigene Entscheidungen treffe? Jeder Tag ist voller Entscheidungen, in kleinen und in großen Momenten. Doch sind es meine eigenen? Sind es deine eigenen? Über diese Frage solltest du selbst nachdenken.“

In „Something lingers“ wird dezent angedeutet, dass es vielleicht bald mehr zu dir zu erfahren gibt. Können wir also endlich damit rechnen, einen Blick hinter die Fassade des unheimlichen gesichtslosen Geschichtenerzählers zu erhaschen?
- „Hinter meinen Geschichten steckt mehr als bloße Unterhaltung. Sie sind Teil, von dem, was ich Unausweichlichkeit genannt habe. Dazu gehört auch meine eigene Geschichte. Denn ja, auch ich bin Teil dieses Geflechts, welches diese Welt umschlingt. Ich möchte dir helfen, mehr von diesem Geflecht zu erkennen. Dafür musst du mehr erfahren. Einen Blick hinter die Fassade werfen, wie du sagst. Und genau deshalb werde ich im nächsten Band mit meiner eigenen Geschichte beginnen.“
Ich danke dir für deine Zeit und den Einblick in deine Welt. Vielleicht sind meine Ansichten ja wirklich zu festgefahren und engen mich viel zu sehr ein, deswegen werde deinem Rat folgen und mein Weltbild einmal überdenken. Eventuell können wir ja zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal darüber plaudern. Bis dahin wünsche ich dir jederzeit eine gute Geschichte auf den Lippen und freue mich darauf, bald tiefer in deine eigene eintauchen zu können und mir hier und da ein paar kleine Anregungen zu holen.
Und für euch alle da draußen, hört ab und an auf eure kleinen schwarzen Herzchen, brav sein kann jeder. In diesem Sinne, habt noch einen wundervoll düsteren Tag.


