“ … Der Ring war zu eng. Sie schrie, als er ihn auf ihren Finger schob. Der eingravierte Name war nicht ihrer. Es war der Name einer Toten. …“
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Ein rauschendes Familienfest, das zum Albtraum wird
Im Alten Land geht die Angst um. Der sogenannte „Bräutigam“ entführt immer wieder Frauen, ohne Spuren zu hinterlassen. Seine Opfer werden nie gefunden. Der einzige Hinweis: eine anonyme Hochzeitsannonce in der örtlichen Zeitung, wenig später gefolgt von einer Todesanzeige.
Auf einer Familienfeier erfahren die Architektin Nora und ihre jüngere Schwester Sofie von seinen Verbrechen. Die beiden tun das Ganze als Gruselgeschichte ab. Doch am nächsten Morgen ist Sofie verschwunden. Obwohl die Polizei unter Hochdruck ermittelt, geraten die Nachforschungen schnell in eine Sackgasse. Bald darauf wird Noras größte Angst zur schrecklichen Gewissheit: In einer seiner makabren Annoncen verkündet der Bräutigam die anstehende Heirat mit Sofie. Wenn Nora ihre kleine Schwester retten will, gibt es nur ein Mittel: Sie muss dem Mörder von Angesicht zu Angesicht gegenübertreten.
Und ihr bleibt nicht viel Zeit, bis er ihr sein tödliches Ja-Wort gibt …
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Nora und Sofie, zwei zerstrittene Schwestern, haben sich auf der goldenen Hochzeit ihrer Großeltern endlich ausgesprochen. Am nächsten Morgen ist eine von ihnen verschwunden und die andere macht sich voller Panik auf die Suche, denn seit Jahren entführt der Bräutigam Frauen, die nie wieder auftauchen. Auf die Hochzeitsanzeige in der Zeitung folgt die Scheidung und dann ist er wieder frei für die nächste Braut.

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Eigentlich ist eine Hochzeit eine romantische Angelegenheit, bei der die Braut ganz gern mal ein Tränchen der Rührung vergießt und das frisch vermählte Paar die Hochzeitsnacht kaum erwarten kann. Bei den Angetrauten des Bräutigams sieht das etwas anders aus, denn direkt auf das Eheversprechen folgt der Horror.
Schon seit Jahren hat Nora keinen Kontakt mehr zu ihrer kleinen Schwester Sofie, doch zum 50. Hochzeitstag ihrer Großeltern treffen die beiden Schwestern in einem Landhotel aufeinander. Der Abend endet tatsächlich mit der erhofften Aussprache und einer gruseligen Geschichte über den Bräutigam, die ein Cousin erzählt. Angeblich verschwinden in der näheren Umgebung immer wieder Frauen, dann erscheint deren Heiratsanzeige in der Zeitung, gefolgt von einer baldigen Todesannonce und danach hört man nie wieder etwas von ihnen. Die Frauen lassen sich ihre gute Laune jedoch nicht verderben und wollen sich nach einem feucht-fröhlichen Abend am nächsten Morgen erneut treffen, doch Sofie taucht nicht auf und in Nora macht sich ein ungutes Gefühl breit. Selbst als die Familie nach und nach das Hotel verlässt, bleibt sie verschwunden und Nora wendet sich an die Polizei. Als die Beamten ihr dann auch noch erzählen, dass Sofie den bisher entführten Frauen ähnelt, ist sie sich ganz sicher, dass der Bräutigam ihre Schwester geholt hat und sie hat da so einen Verdacht.
Mit den Schwestern Nora und Sofie hat Benjamin Wiater zwei tolle Protagonistinnen geschaffen. Die beiden haben sich gerade erst wiedergefunden und werden unmittelbar darauf erneut getrennt. Doch diesmal kann und will Nora das nicht hinnehmen, denn sie hat ihre kleine Schwester schon einmal im Stich gelassen. Auf eigene Faust stellt sie Ermittlungen an und begibt sich schließlich selbst in die Hand des Bräutigams, in der Hoffnung, Sofie so retten zu können. Aber der Serienkiller ist ihnen immer einen Schritt voraus und so entwickelt sich die ursprünglich ländliche Idylle immer mehr zum Albtraum, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint. Der Überlebenskampf der Frauen reißt mich als Leser mit, die Stimmung ist beklemmend, jeder neue Fluchtversuch weckt Hoffnung, die immer wieder brutal zerstört wird. Wer gerne miträtselt wer der Täter ist, könnte jedoch etwas enttäuscht sein, denn der steht recht früh fest. Hier geht es darum, ihm zu entkommen, cleverer zu sein als er, natürlich hat das seinen Preis. Dass man die Geschichte dabei sowohl aus der Täter-, als auch aus der Opferperspektive erlebt, ist ein cleverer Schachzug, der dafür sorgt, dass man das Buch am liebsten gar nicht aus der Hand legen würde.
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Mit einem durchgeknallten Psychopathen und zwei Schwestern, die miteinander und füreinander durch die Hölle gehen, sorgt Benjamin Wiater für spannende Lesestunden und macht mich neugierig auf seinen neuen Thriller, der im Oktober erscheint. Bis dahin gibt es aber erstmal 4 von 5 Miezekatzen für „Der Bräutigam“.
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