„Succubus“ – Edward Lee

“ … Was sie jedoch am meisten beunruhigte, war das, was die Stimme gesagt hatte, als Martin ihr den Hörer aus der Hand nahm.
Der Mond, Ann. Erinnern Sie sich?, fragte die verschlissene Stimme. Schauen Sie heute Abend zum Mond. … “ (Seite 108)

Die Göttin Ardat-Lil kehrt zurück. Kein Gebet kann dich retten.

Nachdem ihr Vater einen Schlaganfall erlitten hat, macht sich die erfolgreiche Anwältin Anne auf den Weg nach Lockwood, einer kleinen Stadt in der Wildnis von Maryland. Obwohl sie dort aufgewachsen ist, erinnert sie sich kaum noch daran.
Doch in Lockwood stimmt etwas ganz und gar nicht. Offenbar werden die Männer von den Frauen als Sklaven gehalten! Anne kann es kaum glauben. Aber das ist erst der Anfang der Geschichte …

Um eines klarzustellen: Dies ist ein brutaler Horrorroman. Ein echter Pageturner voll von blutigem Sex und Kannibalismus.

Ann ist Anwältin und gerade zur Teilhaberin ernannt wurden, nun hat sie endlich mehr Zeit für den Mann an ihrer Seite und ihre 17-jährigeTochter Melanie. Die geplante Reise nach Paris fällt jedoch ins Wasser, denn Anns Mutter ruft an und überbringt schlechte Nachrichten, ihr Vater hatte einen Schlaganfall.
Und so geht es für die kleine Familie anstatt in die Metropole in Anns Heimatstädtchen mitten in die Pampa.
Zur selben Zeit flieht Erik aus einer Anstalt, denn der Mond ist rosa und aufgebläht und er weiß genau, was das bedeutet …

Ich bin ein bisschen hin- und hergerissen, einerseits fand ich die Story richtig gut, andererseits war sie für einen Edward Lee doch recht ruhig, wenn man bedenkt, was er sonst so abliefert und nach dem Prolog hab ich da ein bisschen mehr Blut und Gedärme erwartet.
Stattdessen lässt er sich viel Zeit mit der Einführung seiner Charaktere, besonders natürlich Ann, die schon zu Beginn keinen besonders sympathischen Eindruck macht, als sie die Polizisten herunterputzt. Aber na ja, man weiß ja, dass Anwälte immer in der Hölle landen, von daher passt es ganz gut.^^
Das Verhältnis zu ihrer Tochter ist angespannt, sie hat einfach keine Zeit, um sich um sie zu kümmern, aber das soll jetzt nach der Beförderung endlich besser werden.
Melanie ist ein typischer Teenager, ein bisschen rebellisch und natürlich hat sie für ihre Mutter immer die falschen Freunde, doch Martin steht ihr zur Seite, eigentlich hat er die Rolle der Mutter übernommen. Anns Lebensgefährte ist der dritte im Bunde, damit ist die kleine Familie, die sich auf den Weg in Annes alte Heimat zu ihrer herrischen Mutter macht, komplett.
Mit dem Städtchen verbindet die Anwältin nichts Gutes und tatsächlich wird sie, kaum dort angekommen, wieder wie eine Außenseiterin behandelt.
Erik ist der zweite Hauptcharakter, er soll Babys ermordet, verbrannt und vergraben haben, die Morde streitet er allerdings ab und faselt stattdessen etwas von einem geheimen Kult, was ihn in eine Anstalt bringt. Er ist kein Mörder, weiß aber, dass etwas Schreckliches unmittelbar bevorsteht und deswegen bricht er aus. Dabei muss er ein paar Kollateralschäden in Kauf nehmen, die ihm ziemlich zusetzen, aber er ist der Einzige, der weiß, was vor sich geht und so erzählt „Succubus“ von seinen und Anns Erlebnissen.
Edward Lee hat sehr lebendige Charaktere erschaffen und einen uralten Kult, von dem man fast glaubt, dass er tatsächlich existiert hat, ja, ich habe am Ende die Urloc gegoogelt, aber nichts gefunden, sicherlich hat er etwas Ähnliches zum Vorbild genommen. Und er hat gut recherchiert, oder einfach eine blühende Fantasie, was von beiden, kann ich leider nicht beurteilen. Die immer wieder eingestreuten Worte in der alten Sprache werden teilweise am Anfang erläutert, anderes kann man sich zusammenreimen. Am Anfang hat mich das etwas gestört, doch nach und nach fühlte ich mich dadurch noch mehr in die Geschichte hineinversetzt, ein schlauer Schachzug, Mr. Lee.^^
Außerdem möchte ich natürlich noch das Cover lobend erwähnen, das finde ich nämlich richtig toll.

Ich tue mich etwas schwer mit der Bewertung, für einen Lee fast handzahm, dafür mit einer sehr komplexen Story und gut ausgearbeiteten Figuren.
Deshalb kann ich mich am Ende guten Gewissens auch 4 von 5 Miezekatzen vergeben, trotzdem hätte ich es mir ein bisschen härter gewünscht. 

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