„Das Bildnis des Bösen“ – Graham Masterton

“ … Er entfernte die gesamte Haut des Rückeny, ohne sie zu zerreißen, und sah zufrieden, wie fein und weich sie war. Unter der angehobenen Haut war Alisons Rücken scharlachrot wie ein rohesd Steak. … “ (Seite 27/28)

Die Tote war einst sehr hübsch gewesen, aber jemand hatte ihr mit exzellenter Kunstfertigkeit die Haut vom Körper abgezogen. Sie war lebendig gehäutet worden!

Eines Tages betritt eine seltsame, aber sinnlich schöne Frau eine Kunstgalerie in New York und fragt nach einem Gemälde: Dem Familienporträt der Familie Gray.
Es stammt von einem Freund Oscar Wildes und wurde über Generationen im Verborgenen gehütet – doch die Leinwand beginnt zu zerbröckeln und die Dargestellten verschwinden …

Ein blutiger Thriller von Graham Masterton. Eine Hommage an Oscar Wilde und dessen Das Bildnis des Dorian Gray. Grotesk und voller okkulter Elemente – und einer dämonischen Femme fatale.

Schon seit 70 Jahren befindet sich ein Porträt der Familie Gray im Besitz von Vincents Familie. Die Jahre hat es nicht sonderlich gut überstanden, denn es beginnt langsam zu zerfallen. Als in Vincents Galerie eine Frau auftaucht, die Interesse an ausgerechnet diesem Werk bekundet, ahnt der Kunsthändler nicht, in welch blutigem Albtraum er sich schon bald wiederfinden wird, denn das Bild birgt ein dunkles Geheimnis. 

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein großer Masterton Fan bin. Normalerweise lese ich seine Bücher gleich, aber die richtig dicken Wälzer landen meist erstmal im Regal und so erging es auch diesem erstmal, aber schließlich habe ich mich doch aufgerafft und es nicht bereut.
„Das Bildnis des Bösen“ ist Graham Mastertons Hommage an Oscar Wildes „Das Bildnis des Dorian Gray“, nur dass es hier um eine ganze Familie geht, die ein dunkles Geheimnis hütet.
Bereits der Einstieg weiß zu fesseln, eine junge Frau steigt ins Auto eines älteren Herren, der ihr anbietet, sie in die nächste Stadt mitzunehmen und ihr vorher sein Schloss zeigen will. Sein Name: Maurice Gray. Das solche Geschichten selten gut ausgehen, ist nichts Neues und auch die Frau zahlt einen hohen Preis: ihre Haut. Ja, es geht schon blutig los, bereits das erste Kapitel lässt erahnen, es wird blutig. Und wir haben gelernt, dass man heutzutage nicht einmal mehr gut gekleideten Herrschaften trauen kann. Wobei heutzutage nicht so ganz richtig ist, denn das Buch wurde bereits 1985 veröffentlicht, erschien hierzulande aber erst 2024 in der Pulp Legends Reihe des Festa Verlages.
Masterton vereint hier geschickt verschiedene Handlungsstränge zu einer packenden Geschichte. Erstmal ist da der Kunsthändler Vincent Pearson in New York, in dessen Galerie sich ein altes Porträt der Familie Gray befindet, dass schon bessere Tage gesehen hat. Er musste seinem Großvater auf dem Sterbebett versprechen, dieses unheimliche Bild niemals aus der Hand zu geben. Doch nun will es eine Frau unbedingt kaufen, während sich nicht weit entfernt Jack Smith, der Sheriff einer Kleinstadt, mit immer neuen gehäuteten Leichen herumschlagen muss. Und dann ist da noch die seltsame Famile Gray, die erst vor kurzem in ihr altes Familienanwesen zurückgekehrt ist. Als sich auch in Vincents Nähe die Toten häufen, muss er erkennen, dass das alte Gemälde in seinem Besitz der Schlüssel zu allem ist.
Puh, was für ein verrückter Ritt. Wer Graham Masterton kennt, weiß, dass er immer wunderbar tiefgehende Storys mit gut ausgearbeiteten Charakteren erzählt, in die man sich ohne Probleme hineinversetzen kann. In „Das Bildnis des Bösen“ springt er an verschiedene Schauplätzte und lässt seine Figuren erstmal alleine agieren. So dauert es auch ein bisschen, bis man die Zusammenhänge erkennt, aber dann nimmt das Buch richtig Fahrt auf und hat für jeden Horrorfan etwas zu bieten, allem voran eine düstere, unheilsschwangere Atmosphäre, die trotzdem nur andeutungsweise erahnen lässt, was folgt, nämlich Bodyhorror, Okultismus, eine Verneigung vor Oscar Wilde, Gothic Vibes, ein paar sehr blutige Szenen und natürlich eine Prise Sex,was will mein kleines schwarzes Herzchen mehr?

Man mag kaum glauben, dass Graham Mastertons wahrlich dicker Wälzer schon 40 Jahre auf dem Buckel hat, mir jedenfalls jagt die Story immer noch eine Gänsehaut über den Rücken, dafür vergebe ich wohlverdiente 4,5 von 5 Miezekatzen.

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