“ … Man braucht keine moralisch wertvolle Vorgeschichte, um zu tun, was man will. Man muss nicht erst Opfer sein, um zum Monster zu werden. … “ (Seite 11)
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Tagsüber arbeitet sie am glücklichsten Ort der Welt, in einem Vergnügungspark in Los Angeles. Die Kinder stehen Schlange, um sie in der Rolle der Eiskönigin zu sehen.
Nachts rast Maeve in einem rosa Mustang den Sunset Strip entlang, treibt sich in Spelunken herum und imitiert ihre menschenfeindlichen literarischen Helden.
Doch als Gideon Green, der Bruder ihrer besten Freundin, sich mit ihr anfreundet, weckt er etwas Gefährliches in ihr. Alte Wunden brechen wieder auf und für Maeve Fly wird frisches Blut zum roten Teppich …
Maeves Geschichte handelt von einer zutiefst gestörten, von Literatur und Halloween besessenen jungen Frau, die lernen muss, ihre dunkle Natur zu akzeptieren.
Ein moderner Thriller à la American Psycho, auf einer Stufe mit der dunklen Psychologie, die man in einem Roman von Gillian Flynn erwarten würde.
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Auf Arbeit verkörpert Maeve die Eisprinzessin und genauso kalt ist sie auch im wahren Leben. Nach Feierabend geht es auf Sauftour und nebenbei verdient sie sich etwas Taschengeld mit sehr fragwürdigen Treffen. Maeve lebt im Haus ihrer Oma, die mal ein bekanntes Hollywood-Sternchen war, jetzt aber zu Hause vor sich hinvegetiert und tut, worauf sie Bock hat. Ihr ohnehin schon chaotisches Leben gerät allerdings völlig aus dem Gleichgewicht, als sie den Bruder ihrer Freundin kennenlernt.

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Tagsüber lächeln und die nette Prinzessin spielen, um dann nach Feierabend in eine ganz andere Welt einzutauchen. Bei Maeve ist es jeden Tag, als würde sie nach der Arbeit einen Schalter umlegen. Vom Vergnügungspark in die düsteren Abgründe Hollywoods, sozusagen. Dort kennt sich Maeve aus, denn ihre Großmutter war einst ein gefeiertes Starlet, jetzt ist sie nur noch eine leblose Hülle, die auf den Tod wartet. Dabei ist sie die Einzige, die das wahre Wesen ihrer Enkeltochter kennt, den immer hungrigen, blutdurstigen Wolf und sie weiß, wie man ihn vor anderen versteckt, denn sie war selbst einer. Maeve genießt es, Leute bloßzustellen und deren Leben in Scherbenhaufen zu verwandeln, liebt Bücher, Alkohol und ihren pinken Ford Mustang, steht auf Gewalt und Halloween und weiß mit ihrem Leben nicht wirklich etwas anzufangen. Sie ist eine Vorzeige-Psychopathin, gefühllos, rational und sarkastisch. Und dann trifft sie auf Gideon, den Bruder ihrer Freundin. Anfangs ist sie nicht allzu begeistert, doch schon bald zeigt sich, dass die beiden einiges gemeinsam haben.
Die Art, wie Maeve über ihr Leben erzählt, ist spannend, was sie von sich gibt eher weniger. Die junge Frau ist einfach zu viel von allem und doch irgendwie gleichzeitig auch nichts, eine Getriebene auf der Suche nach einem Ziel, einem Sinn und kurz darauf doch wieder stumpfsinnig im Alltag unterwegs. Ihre Geschichte weiß teilweise wirklich zu fesseln, aber immer, wenn ich glaube, mich ihr etwas angenähert zu haben, kommt sie mit der nächsten dämlichen Aktion um die Ecke und ich gehe wieder auf Abstand. Ist sie unterhaltsam? Definitiv ja, denn Maeve tut einfach nur, wonach ihr ist und pfeift auf Konventionen. Das könnte sie zu einer starken Figur machen, wären da nicht immer wieder bis aufs Letzte ausgewälzte Gewalt-, Ekel und Sexexzesse, die nur dafür da sind um zu schockieren und genau damit habe ich ein Problem. So kann ich Maeve einfach nicht als coole Protagonistin sehen, für mich ist sie einfach nur eine gestörte Seele auf den Weg in den Abgrund, den sie selbst erschaffen hat.
Der Vergleich mit „American Psycho“ ist hier gar nicht so weit hergeholt. Sowohl Maeve als auch Patrick Bateman sind gefangen in einer Gewaltspirale, die sich immer weiter dreht, sie sind Narzisten, Psychopathen, beide der Überzeugung, dass ihnen niemand etwas anhaben kann und üben auf ihre ganz eigene Weise Gesellschaftskritik. Allerdings komme ich mit dem guten Patrick besser klar als mit Maeve, die zugleich den amerikanischen Traum und Albtraum lebt.^^
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Was für ein geiles Cover, leider hat mich die Geschichte selbst aber nicht überzeugt. Ich kam mit Maeve, der düsteren Protagonistin, deren Job es ist, in einem bekannten Vergnügungspark die Eiskönigin zu spielen, einfach nicht klar. Dabei war da eine Menge Potenzial: die im Koma liegende Starlet-Oma, die düstere Seite Hollywoods, die unkontrollierbaren Wutausbrüche. Und dann gibt es da noch die übertriebenen Sex- und Fäkalszenen, die für mich absolut nicht passen. Das alles zusammengerührt ist mir einfach zuviel des Guten, schade, mehr als 3 von 5 Miezekatzen sind hier nicht drin.


