„Cold Creeps: Snuff“ – Marlene Emmert

„Das Darknet. Für viele nur eine Geistergeschichte, doch dieser Ort wartet geduldig auf deinen Besuch. Eine verruchte Seitengasse in der digitalen Welt, in der jeder verbotene Wunsch erfüllt werden kann. …“

»Augen auf, Maiky. Ich komme.«
Im Verborgenen des Darknets lauert eine Welt, die keiner sehen will, eine Welt voller Schrecken und Verderben. Getrieben von familiären Problemen und einer dunklen Faszination gerät Maik an ein grausames Video; doch die verstörenden Bilder sind erst der Anfang dessen, was sich in sein Leben schleicht. Plötzlich ist Maik gefangen zwischen Angst und namenlosem Grauen. Er steht einer Schattenwelt gegenüber, in der Neugier tödlich ist und jedes Geheimnis mit blutigen Konsequenzen bezahlt wird.

Maik hat eine geheime Leidenschaft, die er mit seinem Freund Tobi teilt: Snuff Videos. Dieses Filmchen von einer verängstigten jungen Frau, das Tobi ihm geschickt hat, hat es ihm ganz besonders angetan. Als am Ende jedoch ein paar Worte, die an ihn persönlich gerichtet sind, über den Bildschirm huschen, ist er sich sicher, dass er gehackt wurde. Doch es ist viel schlimmer.

Als Maik den Link, den ihm sein Freund Tobi geschickt hat, anklickt, denkt es an nichts böses, noch nicht, und tatsächlich ist in dem kurzen Snuff Video die Tötung einer wehrlosen jungen Frau zu sehen, die ihn sehr erregt. Irgendetwas an ihr ist besonders, fesselt ihn. Als am Ende des Filmes ein „Augen auf, Maiky. Ich komme.“ aufleuchtet, bekommt er Panik und so macht er sich auf den Weg zu Tobi und damit mitten hinein in seinen ganz persönlichen Albtraum.
Das Darknet mit all seinen dunklen Geheimnissen ist immer wieder ein großartiger Schauplatz für Thriller oder Horrorgeschichten, denn gefühlt tummeln sich nirgendwo so viele „abnormale“ oder gestörte Menschen wie in der Anonymität dieses besonders geschützten Netzwerkes. Auch in Malene Emmerts Kurzgeschichte kommt von dort natürlich nichts gutes und darüber, dass Protagonist Maik sich an Tötungsfilmchen ergötzt, will ich mich gar nicht erst auslassen, denn natürlich ist das mehr als verwerflich und seine verpfuschte Kindheit da keine Ausrede. Trotzdem gehen die Rückblicke in Maiks Kinderjahre zu Herzen. Aber wie heißt es doch so schön? „Karma vergisst nie – es braucht nur manchmal ein bisschen länger,“. Der pefekte Untertitel für diese Geschichte übrigens, denn im 4. Band der „Cold Creeps“ Reihe geht es um Schuld und Sühne, ein Thema, dass mich immer wieder aufs Neue fasziniert. Die Autorin verwebt hier zwei Zeitebenen miteinander, die am Ende ein stimmiges, blutiges und überraschendes Bild ergeben und den neuesten Teil zu meinem persönlichen Favoriten machen.

Eine tote Frau aus einem Snuff-Film verfolgt einen gierigen Konsumenten oder geht es am Ende gar um etwas völlig anderes? „Snuff“ spielt mit der Erwartung der Leser und das ist mir 4 von 5 Miezekatzen wert.

01. „Die Rückstrahlung“ – Jules B. Asches
02. „Seelenweiß“ – Michael Schwendinger
03. „Wen die Nacht verschlingt“ – Marie Meier
04. „Snuff“ – Marlene Emmert

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