“ … »Manchmal wollen sie einfach einen Schwanz, manchmal mit allem Drum und Dran. So schlimm ist es gar nicht, wenn man sich erst dran gewöhnt hat.« Eine Hand legte sich auf ihren Unterarm. »Hast du schon einmal den Daddy gemacht?« …“ (Seite 204)
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Eine Epidemie hat Menschen mit hohem Testosteronspiegel in Kreaturen verwandelt, die nur von primitiven Trieben geleitet werden: Fressen und Sex. Alle Männer sind so zu gefährlichen Bestien geworden.
Die Transfrauen Beth und Fran durchstreifen die Küste Neuenglands und verbringen ihre Tage damit, Männer zu jagen: Sie müssen das in ihren Hoden enthaltene Östrogen zu sich nehmen, um sicherzustellen, dass ihnen nicht dasselbe Schicksal widerfährt.
Doch dann werden sie von einer Armee radikaler Feministinnen verfolgt. Die hassen Transfrauen noch mehr als Männer.
Dieser postapokalyptische Roman ist ein Schlag in die Magengrube des Lesers. Gnadenlos und äußerst polemisch. Eine unversöhnliche Auseinandersetzung mit Geschlechtsidentitäten.
Transgender- und non-binäre Menschen auf einer grotesken Reise des Überlebens. Sie sind sowohl von ihrer neuen als auch von der vorherigen Welt traumatisiert.
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Die beiden Transfrauen Fran und Beth ziehen durch das zerstörte Amerika, immer auf der Jagd nach Männern und deren Östrogen, das sie zum Überleben benötigen. Doch auch sie werden gejagt und das ausgerechnet von Frauen, denen sie sich doch so verbunden fühlen. Klingt kompliziert, ist es auch.^^

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Männer sind zu Monstern mutiert, Frauen bekämpfen sie und dazwischen stehen die Transfrauen. Sie brauchen das Östrogen aus den männlichen Hoden, um sich nicht ebenfalls in Bestien zu verwandeln, deshalb sind auch sie eine Bedrohung und werden von millitanten Frauen, den TERFs gejagt, müssen aber selbst Männer erlegen um nicht zu mutieren. An sich ein interessanter Plot, wenn auch nicht für jeden geeignet, aber leider legt Gretchen Felker-Martin ihr Hauptaugenmerk nicht auf die Geschichte, sondern die sexuellen Gelüste ihrer Figuren. Klar, wenn der Krieg praktisch vor der eigenen Haustür tobt, geht doch nichts darüber, sich durch möglichst viele Betten blutige Schlachten zu liefern.
Wir ihr aus diesen Zeilen lest, hat „Manhunt“ bei mir keinen Blumentopf gewonnen. Viele mag schon der Klappentext abgeschreckt haben, ich aber war gespannt, was mich da wohl erwarten würde und ich wurde enttäuscht. Weder in Fran, noch in Beth, die beiden Transfrauen, die sich hier durch die Postapokalypse kämpfen, kann ich mich zu irgendeiner Zeit hineinversetzen, sie bringen mich nur zum Kopfschütteln, wieder und wieder. Allein schon weil sie, obwohl sie ständig um ihr Leben fürchten müssen, an nichts anderes zu denken scheinen als an Sex und der wird sehr ausufernd beschrieben, für mich absolut unnötig. Niemand in diesem Buch ist liebenswert oder auch nur interessant, alle durch die Bank weg unsympathisch, unnötig brutal und dauergeil. Wenn die Autorin hier Verständnis für Transfrauen wecken möchte, ist es nicht besonders empfehlenswert, die Charaktere als dauergeile und ansonsten ziemlich platte Figuren darzustellen, die sich in Gossensprache durch ihre Mitmenschen metzeln, ich kann und will mir nicht vorstellen, dass Transmenschen mit dieser Darstellung zufrieden sind.
Obwohl das Buch durchaus gesellschaftskritisch ist, geht das in all dem Blut und der Gewalt komplett unter. Alles dreht sich nur darum zu schockieren, sei es mit Kannibalismus oder genau geschilderten Vergewaltigungen. So leid es mir tut das zu sagen, „Manhunt“ ist für mich eine Enttäuschung, dabei wäre so viel mehr drin gewesen, wenn sich Gretchen Felker-Martin mehr der Story als dem Matrazensport gewidmet hätte.
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Gretchen Felker-Martins „Manhunt“ bietet einen interessanten Ansatz, suhlt sich aber lieber in Sex und Gewaltbeschreibungen, anstatt eine Geschichte zu erzählen. Mitfiebern mit den Protagonisten? Fehlanzeige, die beiden sind sehr unsympathische Geschöpfe, so wie auch der Rest der Besetzung. Lange Rede, kurzer Sinn, ich kann dieses Buch nicht weiterempfehlen und mehr als 2,5 Miezekatzen sind hier nicht drin.


