„Leichenblässe“ – Simon Beckett

“ … Angeschwollen durch Gase, ähnelte der Torso einer zu voll gestopften Reisetasche, die aufgeplatzt war. Maden strömten aus der Leiche auf den Boden, und zwar derart viele, dass sie aussahen wie übergekochte Milch. Neben dem Tisch stand ein elektrischer Heizkörper, der rot glühte. Ich sah, wie eine Made auf das Gerät fiel und sich zischend und brutzelnd auflöste. …“ (Seite 35)

Bei seinem letzten Einsatz ist David Hunter nur knapp dem Tode entronnen. Nicht vollständig genesen, quält den Forensiker die Frage, ob er seinem Beruf noch gewachsen ist. Bis ein alter Freund ihn um Hilfe bittet: In einer Jagdhütte in den Smoky Mountains wurde ein Toter gefunden. Die Leiche ist bis zur Unkenntlichkeit zersetzt. Die Spuren sind widersprüchlich. Und David Hunter ist im Begriff, einen folgenschweren Fehler zu begehen …

Angeschlagen und voller Zweifel, ob sein Job überhaupt noch etwas für ihn ist, verlässt Hunter London, um seinen Freund Tom Lieberman, den Direktor des Institutes für Forensischen Anthropologie bei seiner Arbeit auf der Body Farm zu unterstützen.
Als der zu einem seltsamen Mordfall hinzugezogen wird, holt er David mit ins Boot, doch der Brite kommt bei den amerikanischen Ermittlern nicht besonders gut an.
Natürlich bleibt es nicht nur bei einem Toten, außerdem scheint etwas mit den Leichen nicht zu stimmen …

Einen Tusch bitte, ich habe es mal wieder geschafft, mich nicht an die richtige Reihenfolge zu halten, dabei habe ich schon nur die ersten drei Bände. Aber anstatt „Kalte Asche“ habe ich nach „Die Chemie des Todes“ nun eben „Leichenblässe“ gelesen, war zwar irgendwann etwas irritiert, aber da war es bereits zu spät. Nun ja, ist ja nicht so, dass mir das zum ersten Mal passiert.
Aber zurück zu „Leichenblässe“, wie üblich lässt Simon Beckett seinen Helden in der Ich-Perspektive erzählen, das vermittelt mir als Leser das Gefühl, live dabei zu sein. Unterbrochen wird diese Ich-Erzählung nur, wenn der Mörder sich in kurzen Abschnitten zu Wort meldet.
David Hunter ist nach wie vor ein sehr bodenständiger, sympathischer Zeitgenosse, der diesmal bei den Ermittlungen nicht wirklich erwünscht ist, immerhin ist er kein Amerikaner. Außerdem ist er diesmal nach den Ereignissen in „Kalte Asche“, die mir ja entgangen sind, etwas arg wehleidig, teilweise hat er mich damit tatsächlich ein bisschen genervt, aber das ist mal wieder Meckern auf hohem Niveau.
Dafür beschreibt keiner Körper in verschiedenen Verwesungszuständen so poetisch wie Simon Beckett, man nehme nur die überkochende Milch im Zitat oben.^^
Man schließt nicht nur Hunter ins Herz, sondern auch die Nebencharaktere Tom, Paul und Sam, die in die Ereignisse verstrickt werden. Sie alle reagieren vollkommen nachvollziehbar und auch der Täter hat mich überrascht. Normalerweise habe ich immer so eine Ahnung, hier lag ich komplett falsch. Aber eigentlich hatte mich Beckett schon mit der Body Farm, die ja eigentlich den Namen  Anthropological Research Facility trägt, am Haken, denn ich finde dieses Gelände und die Idee dahinter sehr faszinierend.
Nun muss ich nur noch „Kalte Asche“ lesen, um nicht mehr hinterherzuhängen und dann werde ich mir wohl die restlichen drei Bände zulegen müssen, immerhin will ich ja wissen, wie es mit David weitergeht.

Auch der dritte Teil der Reihe hat mich wieder gefesselt, niemand beschreibt den Zustand der Leichen so „schön“ wie Simon Beckett, irgendwie muss ich da immer an Tim Curran denken, der das auch recht gut beherrscht.^^
Lediglich Hunters permanente Selbstzweifel fand ich etwas nervig, auch wenn das Schicksal ihm übel mitgespielt hat, das ändert aber nichts an den verdienten 4 von 5 Miezekatzen.

David Hunter Reihe:
„Die Chemie des Todes“
„Kalte Asche“
„Leichenblässe“
„Verwesung“
„Totenfang“
„Die ewigen Toten“

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