„Die gottlose Göttin“ – Dr. Zargota

“ … Die Propheten handeln in eurem Interesse, wenn sie, gestärkt durch eure Gaben, die nötige Energie aufbringen, um den Willen der Götter zu empfangen und an euch weiterzutragen – denn nur so kann das Gleichgewicht der Welt aufrechterhalten werden. … “ (Seite 10)

»Blut, wem Blut gebührt.«
Yerbabuena ist ein Ort, den Gott vergessen hat. Armut und Verzweiflung bestimmen den Alltag, bis zwei dubiose Propheten eine junge Mexikanerin zur lebenden Göttin erklären. Was als Verheißung von Reichtum und Erlösung beginnt, kippt in einen blutigen Albtraum. Zwischen religiöser Ekstase, halluzinogenen Visionen und ritueller Gewalt entsteht eine Realität, in der Glaube und Wahnsinn untrennbar ineinanderfließen.
Basierend auf den wahren Begebenheiten um die Hohepriesterin des Blutes Magdalena Solís, entwirft dieser Roman ein verstörendes Panorama einer theologischen Psychose. Magdalena spielt nicht nur die Göttin – sie wird zu ihr. Was sie befiehlt, gilt als göttlicher Wille. Was sie fordert, wird mit Blut bezahlt.
Ein psychologischer Thriller mit Body-Horror-Elementen über Macht, Manipulation und die tödliche Logik religiösen Wahns.

Zwei Brüder, die sich als Propheten ausgeben, quartieren sich in einem kleinen mexikanischen Dorf ein und nehmen die leichtgläugbige Bevölkerung aus, in dem sie Reichtum versprechen. Als die Bewohner unruhig werden, weil trotz reichlicher Gaben nichts passiert, engagieren sie eine Prostituierte, die einen erschreckenden Auftritt als wütende Göttin hinlegen soll. Der gefällt dieser Rolle so gut, dass sie sich schon bald tatsächlich als Inkagöttin sieht und immer grausamere Forderungen stellt.

Der Eine oder Andere von euch weiß ja inzwischen, dass ich ein großer True Crime Fan bin und nebenbei immer Podcasts dazu laufen habe. In einem wurde vor kurzem auch auf den Fall der Magdalena Solís besprochen, der mich sehr fasziniert hat. Wie also hätte ich da nein sagen können,  als Dr. Zargota mir ein Reziexemplar seines Buches „Die gottlose Göttin“ angeboten hat, dass sich rund um diese Geschehnisse dreht?
In seiner Story, die sich eng an die Vorgänge in dem kleinen mexikanischen Dorf Yerbabuena zeigt er, wie leicht sich Menschen beeinflussen lassen und jegliche Hemmungen verlieren.
Aber fangen wir von vorne an. Im Jahr 1963 kommen die Brüder Santos and Cayetano Hernández in dem kleinen Bauerndörfchen an. Die beiden sind Betrüger, die die arme Landbevölkerung abzocken, indem sie behaupten, sie hätten Kontakt zu den Inkagöttern und sollten für sie „Spenden“ sammeln. Sie quartieren sich also vor Ort ein und leben wir die Made im Speck, doch irgendwann wird die Bevölkerung skeptisch, denn trotz hoher Abgaben bleibt der ihnen versprochene Reichtum aus, die Brüder stecken also in der Klemme. Doch anstatt die Beine in die Hand zu nehmen, machen sie sich auf die Suche nach einer Marionette, die sie als Göttin ausgeben können und landen so bei der Prostituierten Magdalena und ihrem Zuhälter-Bruder. Eigentlich soll die junge Frau nur eine filmreife Vorstellung einer blutrünstigen Göttin hinlegen, doch sie gefällt sich in dieser Rolle. So sehr, dass sie gar nicht einsieht einfach so wieder davonzuziehen und Ihren Auftraggebern die Pistole auf die Brust setzt. Um nicht aufzufliegen, müssen die in den sauren Apfel beißen, aber Magdalena erweist sich als perfekte Einnahmequelle und kann wer nicht zahlen, verbreitet sie Angst und Schrecken und schon bald spielt Magdalena nicht mehr nur, sie sieht sich selbst als die Hohepriesterin des Blutes.
Was sich damals in Mexiko abgespielt hat, ist erschreckend und zeigt, wie sehr wir Menschen uns an Dinge klammern, die wir unbedingt wollen und die Augen vor allem Anderen verschließen. Wie Gewalt uns anstachelt und Angst uns zu Mitläufern macht. Und all das haben zwei kleine Betrüger in Gang gesetzt, nicht ahnend, was sich daraus entwickelt.
Dr. Zargota beleuchtet die Ereignisse aus verschiedenen Blickwinkeln, was das Ganze noch eindringlicher macht, mit dem jungen Pärchen Carlos und Rosa bekommt man als Außenstehender einen Einblick in das Leben der ärmlichen Bevölkerung, während man mit Magdalena immer weiter in die düsteren Abgründe ihrer Seele hinabsteigt und das ist nicht nur beklemmend, sondern auch verdammt spannend, vor allem mit dem Hintergrundwissen, dass das hier keine ausgedachte Geschichte ist.  

„Die gottlose Göttin“ ist harter Tobak, erschreckend, real und verdammt spannend. Dr. Zargota zeigt in seinem Buch nicht nur, was damals passiert ist, sondern auch, wie und warum sich die Geschehnisse mehr und mehr zuspitzen, bis das Ganze komplett eskaliert. Unbedingte Leseempfehlung für True Crime Fans und all jene, die keine Angst davor haben, in dunkle Abgründe hinabzusteigen.

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