„Das achte Opfer“ – Matt Shaw

“ … »Dafür wirst du in der Hölle landen«, sagte Mrs. Price. »Das weißt du, oder?« Sie wirkte nicht mehr ängstlich, sondern wütend. Ein Ausdruck an den wir uns als Klasse gewöhnt hatten.Glaubte sie zu wissen, dass ich nicht wirklich jemanden erschießen würde? …“ (Seite 89)

»Du bist ein Psycho.«
»Nein, bin ich nicht. Ich bin ein Produkt meines Umfelds. Alle, die hier sitzen, haben mich dazu gemacht.«
Was gibt es Schlimmeres als Mitschüler, die einen unentwegt mobben? Wenn sie einen jeden Tag quälen, um zu sehen, wie lange man durchhält.
Geht man ihnen aus dem Weg und weint sich in den Schlaf, weil man das Leid nicht mehr ertragen kann? Oder stellt man sich ihnen entgegen? Dreht den Spieß um? Wehrt sich gegen ihre Grausamkeit?
Und gibt der Klasse eine ganz besondere Lektion!

Als neuer Schüler hat man es nicht leicht, erst recht nicht, wenn man sich ausgerechnet mit dem schwulen Mobbingopfer anfreundet und damit selbst auf der Liste der Unbeliebten landet. Doch geteiltes Leid ist nicht immer auch halbes Leid, wenn weder Eltern noch Lehrer zuhören, bleibt einem nichts anderes, als die Sache irgendwann selbst in die Hand zu nehmen.

Schüler können grausam sein. An Schulen wird gemobbt, was das Zeug hält und meist verschließen die Lehrer ihre Augen davor. Wozu das führen kann, lässt Matt Shaw seine Leser in „Das achte Opfer“ hautnah miterleben. 
Der neue Extremtitel ist dünn, ein Grund dafür, dass ich das Buch in einem Rutsch durchgelesen habe und ich muss zugeben, dass es sich wesentlich flüssiger liest als Matts letzte Bücher, was wohl dem neuen Übersetzer geschuldet ist, dafür gibts schon mal einen Daumen nach oben.
Trotzdem bin ich auch diesmal mit der Geschichte nicht so richtig glücklich geworden, dabei beginnt sie sehr vielversprechend. Ein Schüler taucht an einem ganz normalen Morgen in seiner Schule auf, doch diesmal hat er nicht nur sein Unterrichtsmaterial in der Tasche, sondern auch eine Waffe. Nun splittet sich die Geschichte in zwei Erzählstränge auf und zeigt im Wechsel die Gegenwart aus der Sicht des Mobbing-Opfers und einen Rückblick auf all das, was seiner Tat vorausgegangen ist. Eine neue Schule, neue Schulkameraden, schon das ist nicht einfach. Und doch findet sich gleich am ersten Tag ein freundlicher Mitschüler, der jedoch aufgrund seiner Homosexualität von allen anderen beleidigt und gemieden wird. Während der Blick in die Vergangenheit tatsächlich schwer zu verdauen ist, tut mir schon da David mehr leid als der Protagonist selbst. Sein Handeln kann ich nachvollziehen, er hat eine Persönlichkeit, all das was dem namenlosen Täter fehlt. Ich will damit keinesfalls herunterspielen, was ihm passiert ist, ich verstehe, dass er wütend ist, sich von allen im Stich gelassen fühlt, aber ich finde einfach keinen Draht zu ihm, auch, weil er sich immer wieder selbst widerspricht, sogar seine große Erkenntnis am Ende ergibt für mich keinen Sinn. Zu gerne würde ich hier näher darauf eingehen, aber das wäre ein massiver Spoiler und den will ich ja vermeiden. Also bin ich zwiegespalten. „Das achte Opfer“ gefällt mir besser als die beiden vorangegangen Bücher von Matt Shaw, es zeigt auf sehr eindringliche Weise, was passiert, wenn alle wegsehen und gibt einen Einblick in eine geschundene Teenagerseele. Leider schießt sich die Geschichte am Ende irgendwie wieder selbst ins Knie und auch in die Extremreihe passt es nicht so wirklich. Es ist eine Charakterstudie, eine Mahnung an uns alle, die Augen offen zu halten, zuzuhören und notfalls einzugreifen, aber extrem? Nein. Leider werde ich auch das Gefühl nicht los, dass Matt Shaw zwar ununterbrochen neue Bücher raushaut, die Qualität dabei aber inzwischen ein bisschen verloren geht. „Perverse Schweine“ und auch „Porno“ fand ich wirklich gut, die letzten Veröffentlichungen bei Festa hingegen waren eher ernüchternd.

Ein Schüler mit einer Waffe, leider ist das erschreckende Realität und hier wird gezeigt, wie es dazu kommen kann. Versagen an so vielen Fronten, zu Hause, in der Schule und trotzdem kann ich mich in den Protagonisten nicht hineinversetzen, er bleibt für mich nicht greifbar, seine Art der Rache teilweise absolut nicht nachvollziehbar. Vielleicht hätten ein paar Seiten mehr der Story gutgetan, so gibt es von mir nur 3 von 5 Miezekatzen.

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