„Der Behandler“ – Thomas Herzsprung

“ … Die Gestalt trat dichter an den Brunnen, so dicht, dass ein Teil ihrer Sohlen über den Rand ragte. Wäre es heller gewesen, hätte Ashwa das Profil der Schuhe erkennen können. Vielleicht wäre ihr das Blut aufgefallen, das in den Zwischenräumen klebte, vielleicht auch nicht …“ (Seite 12)

Er will dir helfen? Dann renn um dein Leben!

Die Morgendämmerung taucht den See im Stadtwald in ein unwirkliches Licht. Am Ufer liegt eine tote junge Frau. Bis auf ein Leinentuch um die Hüften ist sie nackt. Wohl platzierte Schnitte ziehen sich entlang der Venen über Arme und Beine. Ihr Mund ist eine blutige, zahnlose Höhle, der Schädel kahl rasiert. Hauptkommissar Falk Bachmann ist müde, und solange es ihm gelingt, sein eigenes düsteres Familiengeheimnis zu verdrängen, lässt ihn alles kalt. Doch die Brutalität, mit der die Frau vor ihrem Tod misshandelt wurde, setzt selbst ihm zu. Polizeipsychologin Dr. Juliane Klawitter vermutet die Tat eines Psychopathen, der wieder zuschlagen wird. Und tatsächlich taucht schon bald eine zweite Leiche auf. Falk und Juliane verfolgen einen Serienmörder, der seinen Opfern in einer rituellen Behandlung die Weiblichkeit raubt. Doch je mehr Falk und Juliane das Tatmuster des Killers entschlüsseln, desto unklarer ist: Wer ist der Jäger, wer der Gejagte? Der erste Fall für Polizeipsychologin Dr. Juliane Klawitter und Hauptkommissar Falk Bachmann, der nicht nur gegen einen Psychopathen, sondern auch gegen seine eigene Vergangenheit ankämpft.

Marc hat doch Interesse an mir, denkt sich Ashwa, als er sie nach all den Sticheleien zur Feier in den Stadtwald einlädt. Doch die Party endet anders als gedacht, denn das Mädchen findet sich am Boden eines Brunnenschachts wieder, während ihre Mitschüler oben sich wie gehabt über die „Paki-Schlampe“ lustig machen.
Kurz darauf wird die grausam zugerichtete Leiche der jungen Inderin gefunden. Allerdings ist es nicht der verstümmelte Körper,  der den Kommissar am Tatort aus dem Gleichgewicht bringt, sondern das Armband seiner Tochter Mia, das er sofort verschwinden lässt. 

Bisher waren Thommy Herzsprungs Bücher eher nichts für mich, denn um Liebesromane mache ich bekanntlich einen großen Bogen, dafür sind seine Videos immer herrlich amüsant, schon allein, weil er kein Blatt vor den Mund nimmt. 
Mit „Der Behandler“ hat er nun sein Thriller-Debüt unter dem Namen Thomas Herzsprung veröffentlicht und das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen.
In seinem Werk widmet er sich vielen Themen, vielleicht sogar ein wenig zu vielen.
So geht es unter anderem um Mobbing, Rassismus, Prostitution, Abhängigkeit, auch hier scheut er sich nicht davor, diese heiklen Themen anzusprechen und dafür gibt es auf jeden Fall einen Daumen nach oben.
Seine Protagonisten sind menschlich, fechten in ihrem inneren Kämpfe aus, so wie der Ermittler Falk Bachmann, dessen Leben so einige Baustellen vorweist. Trotzdem schafft es der Autor, ihn nicht zu einem wandelnden Klischee zu machen.
Die Morde selbst nehmen recht wenig Platz im Buch ein, auch wenn sie recht brutal sind, dafür wird den Charakteren und ihren Problemen viel Platz eingeräumt. Das lässt sie auf der einen Seite zwar recht lebendig wirken, sorgt aber eben auch dafür, dass es neben der Suche nach dem Killer noch verschiedene andere Erzählstränge gibt. Diese sind jedoch keineswegs langweilig und zeigen, dass das Böse überall lauert, manchmal gut getarnt, manchmal ganz offensichtlich.
Um von der hellen auf die dunkle Seite zu wechseln, ist manchmal eben tatsächlich nur ein kleiner Schritt nötig … 

Thomas Herzsprung, ich hoffe, ich darf auch weiterhin Thommy sagen^^, hat mit seinem ersten Thriller ein überzeugendes Werk abgeliefert, das neugierig auf die Fortsetzung macht, an der er bereits schreibt, allzu lange müssen die Leser also hoffentlich nicht darauf warten.
Bis dahi9on gibt es für „Der Behandler“ von mir schon mal 4 von 5 Miezekatzen.

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