„Verführte Leichen“ – Rayne Havok

“ … Unter Druck funktioniere ich nicht besonders gut. Deshalb arbeite ich lieber mit Toten, da muss man nur wenige bis überhaupt keine sozialen Interaktionen bewältigen. Aber ich schätze, wenn man anfängt, sie zu ficken, geht der Ärger los. …“ (Seite 71)

Zwei Novellen aus dem amerikanischen Underground der Extrem-Literatur.

XXX: Xavier ist ein Teufel in Menschengestalt. Wenn er mit seinen Opfern fertig ist, schneidet er ihnen ein X in die Haut.
Verführte Leichen: Sadie arbeitet in einem Bestattungsunternehmen und erliegt ihren verdorbenen und obszönen Gedanken.

Pythor (horrorundthriller.de): »Rayne setzt an Härte & kontroverser Literatur neue Maßstäbe & verschiebt die moralischen Grenzen …«

XXX: Der wegen Vergewaltigung und Verstümmelung verurteilte Xavier ist aus dem Gefängnis ausgebrochen und braucht dringend ein Versteck. In einem unbewohnt scheinenenden Farmhaus trifft er auf eine Mutter und ihre zwei Töchter …

Verführte Leichen: Man könnte sagen, Sadie hat ihr Hobby zum Beruf gemacht, denn sie arbeitet im Leichenschauhaus. Ihre Blicke auf die bleichen Körper unter den Laken gehen allerdings weit über ihr beruflisches Interesse hinaus und machen sie erpressbar …

Der Name Rayne Havok ist bei amerikanischen Horrorfans längst kein unbekannter mehr, hierzulande hat sich nun der Festa Verlag an die Autorin mit dem Hang zu Kurzgeschichten und Novellen herangewagt und natürlich war ich gespannt auf frisches Blut in der Extrem Reihe.
Sowohl „XXX“ als auch „Verführte Leichen“ sind in der Ich-Form geschrieben, das gibt mir als Leser das Gefühl, hautnah dabei zu sein und sorgt von der ersten Zeile an für ein gewisses Unbehagen, zumindest bei mir. Da ich sonst nichts von ihr gelesen habe, weiß ich natürlich nicht, ob das generell in ihren Werken so ist. Egal ob Xavier oder Sadie, beiden Charakteren haftet etwas sehr düsteres an, sie pfeifen auf Moral und machen sie selbst die Finger schmutzig. Während Xavier diesen Weg selbst für sich gewählt hat, wird Sadie, na ja, sagen wir mal eher darauf geschubst. Auch sonst sind sie völlig gegensätzlich, denn der Vergewaltiger liebt den Schmerz seines lebenden Opfers, bei der Bestatterin hingegen sollte das Fleisch schon etwas kälter sein, gut abgehangen, könnte man fast sagen. Ich gebe zu, der Witz war flach, aber er musste unbedingt raus.^^
Mit um die 50 Seiten sind beide Storys recht kurz gehalten, haben es aber trotzdem in sich, gerade, was den Härtegrad betrifft und auch wenn Rayne Havok hier natürlich nicht das Rad neu erfindet, so macht sie mich doch neugierig auf mehr, eine Anthologie fände ich hier großartig, in der Extrem Reihe gab es ja schon ein paar wenige.
Zum Schluss komme ich nicht umhin, auch ein paar Worte zum Cover zu schreiben, denn Sabercore23  haben hier mal wieder großartige Arbeit geleistet. Das Bild passt zum Inhalt und macht neugierig, ohne dabei platt zu wirken, dafür einen fetten Daumen nach oben.

Achtung, in „Verführte Leichen“ geht es hart zur Sache. Die meisten Extrem Leser dürften das inzwischen gewohnt sein, ich kann mir allerdings vorstellen, dass der Inhalt auf den „normalen“ Leser sehr verstörend wirken kann, der Warnhinweis am Anfang hat durchaus seine Berechtigung.
Wer jedoch diese Art von Unterhaltung mag, kann kurzzeitig in eine vollkommen moralfreie, brutale Welt abtauchen, wohlwissend, dass ihn nach etwa 100 Seiten wieder das normale Leben erwartet, auch wenn mit Sicherheit irgendwo da draußen im Schutze der Dunkelheit ähnliche Bestien lauern.
Ich für meinen Teil begebe mich gern mal auf die dunkle Seite des Lebens und freue mich so auf neuen Lesestoff von Rayne Havok, mein erster Ausflug in ihre Welt ist mir 4 von 5 Miezekatzen wert.

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