„Dream on: Tödliche Träume“ – Nikolas Stoltz

“ … »Sie fangen einen Job an und wissen nicht, was die Firma macht?« Der Fahrer schüttelte den Kopf.
»Ich lass mich einfach überraschen«, erwiderte Nick ausweichend. …“

„Eine virtuelle Traumwelt. Schreckliche Ängste. Und eine gnadenlose Jagd.“

Träumen per Knopfdruck! Die US-Firma DREAM ON hat eine vernetzte, virtuelle Traumwelt entwickelt, die sich absolut lebensecht anfühlt. Doch über das Unternehmen legt sich ein dunkler Schatten. Die Träumenden werden von ihren schlimmsten Ängsten heimgesucht und grausam gefoltert.
Der Traumdesigner Nick Quentin vermutet ein Virus im System und folgt der Spur durch die künstliche Welt. Doch damit gerät er selbst ins Visier eines skrupellosen Gegners, der ihm immer einen Schritt voraus zu sein scheint. Eine gnadenlose Treibjagd zwischen Traum und Realität beginnt…

Als Nick Quentin von Jack Cumberland einen Job als Traumdesigner angeboten bekommt, ist er überrascht, denn er hat schon ewig nichts mehr vom Freund seiner Eltern gehört. Die Firma „Dream on“ hat ihren Sitz mitten in der Wüste, Handys und Kontakt zur Außenwelt sind nicht erlaubt, denn man arbeitet an einem streng geheimen Projekt. Es geht um Traumreisen und nach einem ersten Ausflug ins virtuelle  Venedig ist Nick hin und weg. Die Arbeit gefällt ihn, die Kollegen sind nett, nach Feierabend gehts zum Partymachen in die italienische Metropole.
Als jedoch Jack tot und mit schmerzverzerrtem Gesicht in seinem Büro aufgefunden wird ist Schluss mit lustig, denn die ermittelnde Polizei hält ausgerechnet Nick für den Mörder.

Nach Feierabend mal eben ein anderes Gesicht anlegen und ab an den Strand oder in die Bar und das alles, ohne den heimischen Sessel zu verlassen. Ich gebe zu, am Anfang klingt das verlockend, man kann sich überall „hinbeamen“, Freunde treffen, die tausende von Kilometern entfernt leben, keine langen Reisen, keine vergeudete Zeit.
Doch was passiert mit uns, wer überwacht unsere Reisen, uns, unser Umfeld während wie zu Hause, abgeriegelt von der Welt in unseren Träumen festhängen?
Nick, der überhaupt keine Ahnung von all diesen technischen Spielereien hat, ist zwar anfangs etwas verwundert, dass gerade er diesen Job angeboten bekommt, wirft jedoch schon bald alle Zweifel über Bord. Er ist naiv, blauäugig, der perfekte Sündenbock und irgendwie viel zu gut für diese böse Welt, ich bin mit ihm einfach nicht wirklich warm geworden. Laienhaft stolpert er von einem Szenario ins nächste, während er versucht herauszufinden, was bei „Dream on“ vor sich geht. Symp
athischer war mir da die   FBI-Agentin Lena Delago, die als einzige Ermittlerin an Nicks Unschuld glaubt.
Traumreisen sind nichts Neues, unter anderem setzt sich Christopher Nolan in seinem der großartigen Film „Inception“ mit diesem Thema auseinander, für mich jedoch wesentlich spannender. Ich mag den Ansatz von Nikolas Stoltz, allerdings verrennt er sich meiner Meinung nach zu sehr in Klischees. Natürlich trägt das Böse eine Maske, gibt es zischende Schatten und Verfolgungsjagden, die irgendwie keinen Sinn ergeben, im Netz gibt es doch ganz andere Fluchtmöglichkeiten, oder nicht?
Die räumliche Begrenzung auf Venedig finde ich hier sehr schade, hier hätte der Autor wesentlich mehr herausholen können und hat viel Potenzial verschenkt, genauso wie bei seinen Charakteren. Ein paar weniger, dafür mit mehr Hintergrund, damit sie nicht so blass wirken, wären mir hier wesentlich lieber gewesen.
In einer Welt, in der die Technik eine immer mehr an Bedeutung gewinnt, müssen wir vorsichtig sein und aufpassen, welche Rolle wir ihr zugestehen. Zum Glück findet unser Leben noch in der Realität statt, aber Ereignisse wie in „Dream on“ sind gar nicht so weit hergeholt. Hunger nach Macht oder Geldgier lassen uns leider immer wieder Ethik und Moral vergessen, genau das lässt Nikolas Stoltz sehr treffend in seine Story einfließen.

Träume können wunderbar sein, oder erschreckend, genau das zeigt Nikolas Stoltz seinen Lesern. Wir können entspannt am Strand relaxen oder von seltsamen Gestalten verfolgt werden. Aber wer steuert all das? Wir? Traumreisen finde ich sehr interessant, deshalb habe ich zu „Dream on“ gegriffen. Leider hatte ich das Gefühl, dass sich der Autor ab und an zu sehr in seiner eigenen Geschichte verrennt und auch das Ende war für mich eher unbefriedigend. Statt einer kompletten Auflösung gibt es einen zweiten Band, „Dream on: Marionetten“, den ich wohl nicht lesen werde. Schade, aus der Story hätte man viel mehr machen können, von mir gibt es 3,5 von 5 Miezekatzen.

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