… „Dad!“ Die Stimme seines Sohnes klang zittrig und leise. „Sie ist tot!“Lloyd starrte zu seiner Frau, die nun durch die Menge auf ihn zuging. Die Gelächter und Stimmen aller Anwesenden waren plötzlich viel zu laut, der Wein viel zu stark. „Was sagst du da?“ …
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Der 18-jährige Andrew Graham veranstaltet im Ferienhaus seiner Eltern am Holly Beach in Louisiana eine Party. Als er spät am Abend die Leiche seiner Exfreundin in der Garage entdeckt, kontaktiert er verzweifelt seinen Vater, da er befürchtet, Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen zu werden. Olivia und Lloyd Graham, renommierte Anwälte aus Lake Charles, eilen ihrem Sohn zu Hilfe. Für Lloyd ist klar: Egal, wer die junge Frau getötet hat, niemand darf erfahren, dass es in der Garage der angesehenen Familie eine Leiche gegeben hat. Er lässt die Tote verschwinden und weist Olivia und Andrew an, zu schweigen. Die junge Frau wird vermisst, und die Kleinstadt Hackberry in Küstennähe gerät in Aufruhe. Lloyd sieht sich gezwungen, alles zu tun, um seine Familie zu beschützen. Denn wenn die Polizei das Ferienhaus durchsucht, könnten sie ein weiteres, verborgenes Geheimnis entdecken. Doch dann wird eine Leiche an den Strand gespült.
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Eine Familie muss zusammenhalten, Eltern ihr Kind beschützen, egal in welcher Lebenslage. Dass ihr Sohn Andrew sich über ihre Anweisungen hinweggesetzt und im Ferienhaus eine Party veranstaltet hat, wird zur Nebensache, als er nachts kleinlaut seinen Vater anruft und von seiner toten Exfreundin in der Garage berichtet. Und so machen sich Vater, Mutter. Kind daran, die Spuren jener Nacht zu beseitigen, denn sollte die Polizei kommen und nach Spuren suchen, könnte das unschöne Konsequenzen haben.

Der eine oder andere von euch weiß inzwischen vielleicht, dass ich die Ehre habe, als Testleserin die Bücher von Rebekah Stoke etwas eher lesen zu dürfen, so auch ihr heute frisch erschienenes Buch „Vater. Mutter. Kind.“, zu dem ich euch jetzt endlich meine Eindrücke mitteilen darf.
Sind die Eltern aus dem Haus, wird gefeiert, wer kennt das nicht? Auch der 18-jährige Andrew nutzt die Chance. Während seine Eltern beim Geburtstag des Großvaters sind, steigt in deren Ferienhaus eine Party, wen juckt da schon, dass sie ihm genau das eigentlich verboten haben. Wider Erwarten endet das feucht-fröhliche Beisammensein jedoch nicht mit den üblichen Alkoholleichen, sondern einer echten, Andrew findet in der Garage seine tote Exfreundin. Voller Panik ruft er seinen Dad an und der nimmt sich der Sache sofort an. Auch wenn er seinen Sohn für unschuldig hält, darf niemand wissen, dass auf ihrem Grundstück ein Mord geschehen ist, sonst würde die Polizei für weitere Untersuchungen anrücken und die könnten dem Anwaltspaar teuer zu stehen kommen, denn seit vielen Jahren hüten sie ein dunkles Geheimnis. Außerdem ist das Opfer die Tochter eines Freundes, was das Ganze nicht unbedingt einfacher macht.
Oh man, Rebekah Stoke hat sich für „Vater. Mutter. Kind.“ mal wieder ein Thema herausgepickt, das zum Grübeln anregt. Wie würde ich mich Verhalten, wenn mein Kind unter Mordverdacht steht? An die Unschuldsbeteuerungen glauben? Die Polizei ihre Arbeit tun lassen oder es so wie Lloyd und Olivia handhaben? Obwohl die beiden einander schon lange nicht mehr viel zu sagen haben, ist ihnen klar, dass sie in dieser Sache nach langer Zeit mal wieder gemeinsam handeln und ihre Differenzen zur Seite packen müssen. Und so wird die Leiche kurzerhand beseitigt und dem Sohn eingebläut, wie er sich zu verhalten hat, immerhin sind die Eltern Anwälte und kennen sich in rechtlichen Sachen bestens aus.
Mit der Familie Graham hat die Autorin Protagonisten erschaffen, die mir nicht sonderlich sympathisch waren, irgendwie hat mich keiner der drei für sich eingenommen, nicht mal Andrew, der völlig unvorbereitet in dieses Dilemma gerät. Er ist mir ein wenig zu kühl, zu arrogant um ihn zu mögen. Sie alle haben ihre Geheimnisse, die nach außen tadellose Familie ist nicht mehr als schöner Schein, das wird recht früh klar. Und trotzdem verbindet sie etwas, sie stehen füreinander ein, wenn auch aus unterschiedlichen Motiven. Und dann ist da noch Luke, der Ziehsohn der Familie. Er ist etwas älter als Andrew und hat seine Heimatstadt verlassen um Polizist zu werden. Nun hat ihn ein Fall zurück nach Hause verschlagen. Auch er ist eine Figur, die man nicht so richtig einschätzen kann, gerade weil er als Gesetzeshüter Dinge tut, die man von ihm nicht erwarten würde und sich immer wieder in der moralischen Grauzone bewegt, was ihn nicht nur zu einem sehr interessanten Charakter macht, sondern auch zu meinem persönlichen Liebling. Warum ausgerechnet er? Lest selbst.^^
Das Buch ist in Kapitel eingeteilt, die dem Leser die Perspektive des jeweils handelnden Familienmitglieds nahebringt, Vater, Mutter oder Kind. So wird das Geschehen aus unterschiedlichen Blickwinkeln gezeigt, ein schlauer Schachzug, der zusätzlich für Spannung sorgt. Wer schon Bücher von Rebekah Stoke gelesen hat, weiß, dass die Geschichte, so klar sie anfangs auch erscheint, viele Wendungen nimmt und man am Ende immer wieder staunend zurückbleibt. So auch hier, diesmal allerdings mit einem doch etwas anderen Gefühl.
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Auch mit „Vater. Mutter. Kind.“ schafft es Rebekah Stoke wieder, mich zu fesseln, diesmal vielleicht sogar noch etwas mehrals sonst, allein schon weil ich mit immer wieder die Frage gestellt habe, wie ich wohl als Mutter in einer solchen Situation reagieren würde. Kann ich jemanden dafür verurteilen, der sich schützend vor sein Kind stellt? Ehrlich gesagt bin ich bisher zu keiner Antwort gekommen und ja, natürlich muss man auch da immer differenzieren. Aber so grundsätzlich? Ihr seht, mich lässt das immer noch nicht los, was kann sich ein Autor oder eine Autorin mehr wünschen? Von mir gibt es dafür 4,5 von 5 Miezekatzen.
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