„Der Schönmacher“ – Andrew Holland, Melisa Schwermer

„Manche Dinge ändern sich nie. Wie zum Beispiel der Geltungsdrang der Menschen, der Wunsch eines Jeden nach Aufmerksamkeit, nach Bewunderung und Beifall von völlig fremden Menschen, die man im wirklichen Leben nie kennenlernt. …“

Sie leben für Likes. Er will sie tot sehen.

Nach dem plötzlichen Tod ihrer Mutter, verwandelt sich Sophies Leben in einen Albtraum. Eine makabere Mordserie hält Philadelphia in Atem. Der Killer dringt nachts in die Wohnungen der jungen Frauen ein und gestaltet ihre Leichen nach seinem eigenen Schönheitsideal. Die Opfer haben eines gemeinsam: alle waren mit Sophie bekannt.
Mit jeder neuen Toten wachsen ihre Zweifel. Ist sie nur ein Spielball in einem perfiden Plan – oder hat der Täter auch sie längst im Visier? Während ihre Welt ins Wanken gerät, beginnt Sophie an ihrem eigenen Verstand zu zweifeln.
Wem kann sie noch trauen? Ist der Mörder ihr näher als sie ahnt?

Nach dem Tod ihrer Mutter erinnert sich Sophie an ihre verpfuschte Kindheit zurück, schon als kleines Mädchen hat sie an Schönheitswettbewerben teilgenommen. Zwar hat sie sich irgendwann aus den Fängen ihrer Mutter befreit, aber trotzdem hat sie noch immer den Traum, eine angesehene Influencerin zu werden und so lässt sie alte Kontakte wieder aufleben. Doch als im Internet Videos von ermordeten Internetsternchen auftauchen, bekommt sie es mit der Angst zu tun, denn Sophie kannte sie alle. Ist sie das nächste Opfer? 

Auf der Beerdigung ihrer Mutter trifft Sophie nach Jahren Mindy wieder. Im Gegensatz zu ihr hat sie den Sprung geschafft und ist eine erfolgreiche Influencerin, während Sophie an der Rezeption einer Klinik arbeitet und mit gerade einmal 5.000 Followern vor sich hindümpelt. Die Trauerrede des Priesters, der die Einfühlsamkeit ihrer Mutter lobt, ist in ihren Ohren purer Hohn, immerhin hat sie sie nur angetrieben und wollte ein Internetsternchen aus ihr machen. Und auch David Montgommery ist da, jener Mann, zu dem sie schon als Teenager immer besonders nett sein musste, da er einen gr0ßen Einfluss in der Branche hatte und noch immer zu haben scheint. Kurzum, er ist derselbe Kotzbrocken wie damals, doch wenn Sophie Erfolg haben will, braucht sie seine Hilfe. Denn obwohl sie dem Haifischbecken der Schönheitswettbewerbe damals entkommen ist, zieht es sie wieder zurück in die Welt des schönen Scheins, wo nur eines zählt: das perfekte Aussehen. Und so ruft sie nach der Beerdigung Mindys Instagram Profil auf, wo sie auf ein düsteres Reel stößt, in dem Mindy leblos wirkt und mit blutroter Farbe „Beauty is only skindeep“ an die Wand hinter ihr geschrieben ist. Wie sich herausstellt, ist die junge Frau wirklich tot und sie ist nicht das einzige Opfer, jemand scheint es auf Internetschönheiten abgesehen zu haben und Sophie kennt sie alle.
Melissa Schwermer und Andrew Holland widmen sich in ihrem ersten gemeinsamen Thriller einem sehr aktuellem Thema: Influenzerinnen und deren Sucht nach Schönheit, die ihnen zum Verhängnis wird, denn ein brutaler Killer kann mit aufgehübschten Körpern so gar nichts anfangen. Aber was bringt junge Frauen dazu, sich operieren zu lassen, nur um vor der Kamera zu glänzen? Brauchen sie Bestätigung? Auch die Protagonistin Sophie ist früher von ihrer Mutter schon früh ins Rampenlicht gezerrt worden, bereits mit 5 muss sie an Misswahlen teilnehmen, ihre eigenen Wünsche sind der ehrgeizigen Mutter egal, eine traurige Kindheit. Umso verwunderlicher ist es, dass sich die junge Frau trotzdem noch immer nach dem Ruhm und der Anerkennung sehnt. Doch nicht nur Sophie kommt in dem Buch zu Wort, der Leser schaut ebenfalls Bryan, ihrem „Stalker“ über die Schulter und auch der Killer bekommt, wie bei Andrew Holland üblich, eine Stimme. Wie Melisa Schwermer das in ihren Büchern handhabt, kann ich nicht beurteilen, dafür habe ich bisher einfach zu wenig von ihr gelesen.  Social Media ist ein Thema, das immer wieder in Thrillern auftaucht, ein zweischneidiges Schwert. Hier werden beide Seiten beleuchtet und genau dieser Perspektivwechsel macht die Geschichte neben den Ausflügen in Sophies Vergangenheit so verdammt spannend. Hinzu kommen gut ausgearbeitete Figuren, von denen man so einigen gern persönlich den Hals umdrehen möchte, ich finde ja immer, wenn man jemanden in einem Buch so richtig hasst, dann hat der Autor einen verdammt guten Job gemacht.^^
Lange Rede, kurzer Sinn, für mich ist „Der Schönmacher“ der Start einer guten Zusammenarbeit, die nach einer Fortsetzung schreit.

Die Welt des schönen Scheins, wer träumt nicht manchmal auch davon, ein Teil von ihr zu sein? Doch das Leben vor der Kamera ist gefährlich, das muss auch Sophie erkennen und fürchtet um ihr Leben und ich mit ihr. Auch wenn ich diesen Wunsch im Mittelpunkt zu stehen nicht nachvollziehen kann, hat mich „Der Schönmacher“ von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Die Zusammenarbeit von Andrew Holland und Melisa Schwermer ist mit 4 von 5 Miezekatzen wert, also Leute, unbedingt lesen.

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