“ … Der Kalmar wird durch das Wasser gezogen. Jay ist erschrocken, aber froh, dass das Tier den Abgang macht, bis er merkt, das auch er gezogen wird. …“ (Seite 131)
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Obwohl es ein aussichtsloses Unterfangen ist, hat sich Jay Gardiner an der Pazifikküste vor Monastery Beach auf die Suche nach den sterblichen Überresten seines Vaters gemacht. Er glaubt, dass es die einzige Möglichkeit ist, seine Schuldgefühle loszuwerden, die er seit dem Selbstmord seines Vaters mit sich herumträgt.
Bei einem Tauchgang wird er von den Tentakeln eines Riesenkalmars erfasst, der kurz darauf von einem Pottwal auf der Suche nach Futter angegriffen wird. Gemeinsam landen sie in einem der vier Mägen des riesigen Wals …
Jay hat nur eine Stunde Zeit, bevor ihm der Sauerstoff ausgeht – eine Stunde, um seine Dämonen zu besiegen und aus dem Bauch des Wals zu entkommen.
Ein wissenschaftlich exakter Thriller, der in einer absurd unwahrscheinlichen Umgebung spielt. Ein emotionales und wahnsinnig unterhaltsames Abenteuer. Doch der Star des Buches ist eindeutig der Wal – gewaltig, unergründlich und intelligent. Und er ist sich, wie Jay, seiner Sterblichkeit sehr bewusst.
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Eigentlich will Jay die Leiche seines Vaters aus dem Meer bergen, sein Tauchgang läuft jedoch komplett aus dem Ruder, als er von einem Pottwal verschluckt wird. Er weiß, dass er nicht viel Zeit hat, um sich einen Weg nach draußen zu bahnen, denn langsam aber sicher geht der Sauerstoff aus. Und so kämpft er sich nicht nur entschlossen durch das Innere des Wals, sondern arbeitet nebenbei auch die Verkorkste Beziehung zu seinem Dad auf.

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Als die Krebsdiagnose seines Vaters kommt, lebt Jay schon nicht mehr zu Hause, denn das Verhältnis zu ihm ist nicht sonderlich gut. Mitt Gardiner, dessen große Liebe das Tauchen ist, hat sich immer über seinen Sohn lustig gemacht, hat erwartet, dass Jay genauso ein harter Kerl wird wie er selbst. Der Junge hat unter ihm gelitten und so sieht er es auch gar nicht ein, nach Hause zurückzukehren, weil es seinem Dad immer schlechter geht. Schließlich bricht der zu einem letzten Tauchgang auf, von dem er nicht zurückkehrt und in Jay erwachen Schuldgefühle. So zieht er los, um die Leiche seines Vater zu suchen, immerhin ist auch er ein guter Taucher und ahnt, wo er sie finden könnte.
Doch die Suchmission gerät schnell außer Kontrolle, denn Jay wird von einem Riesenkalmar angegriffen, den wiederum hat ein Pottwal erspäht. Die Freude über das Auftauchen des Giganten ist nur von kurzer Dauer, gemeinsam mit dem Kraken landet er im Magen das Giganten. Obwohl sein Dad ihm einiges über diese Riesen beigebracht hat, stehen Jays Überlebenschancen schlecht, denn der Sauerstoff wird langsam knapp.
Schon als das Buch angekündigt wurde, wusste ich, das muss ich haben, der Plot klang einfach zu verrückt um widerstehen zu können. Leider hat mich die Story aber nicht so gefesselt wie gedacht, denn das Herzstück, Jays Überlebenskampf im Wal, fand ich einfach nur unrealistisch und zu viel des Guten. Hinzu kommt, dass er selbst für mich jetzt nicht unbedingt ein Sympathieträger ist, er bemitleidet sich die ganze Zeit über selbst und das ging mir gehörig auf die Nerven. Andererseits war die Aufarbeitung der Beziehung zu seinem Vater, während er selbst dem Tod ins Auge blickt, sehr berührend und am Ende haben mich die Rückblicke in seine Kindheit tatsächlich weit mehr gefesselt als sein Weg durch die Walinnereien. Dass das riesige Meeressäugetier dabei stellvertretend für den scheinbar übermächtigen Vater steht, ist zwar von Anfang an offensichtlich, gleichzeitig, aber auch perfekt durchdacht, den Jay ist auf beide angewiesen. Und so ist „Whalefall“ am Ende eine Geschichte über angestaute Wut und Schuld, über das Vergeben und darüber, seinen Platz im Leben zu finden.
„Whalefall“ ist eine Geschichte, die durchaus zu unterhalten weiß, für mich allerdings mehr mit der Familiengeschichte als dem Action-Anteil, auch, weil da immer wieder Fachbegriffe fallen, auf die nicht weiter eingegangen wird und man als Nicht-Taucher das Nachsehen hat. Eine Bewertung fällt mir hier schwer, die Vater-Sohn-Gerschichte verdient 4 Miezekatzen, der Überlebenskampf im Wal hingegen het mich nicht überzeugt, mehr als 3 sind da nicht drin, also bleiben am Ende 3,5 von 5.



