„RHON“ – Philipp Lohmann (Hrsg.)

“ … Ich habe heute gelernt, dass selbst das Böse gerecht sein kann. Weit gerechter, als jene, die sich angeblich der Gerechtigkeit und dem Guten verschrieben haben. … „

Willkommen in RHoN – einem Land, in dem der Krieg verstummte, aber die Schatten weiterflüstern. In den Ruinen einer zerbrochenen Welt zwischen Mittelalter und früher Neuzeit ist Überleben kaum mehr als ein flackerndes Versprechen. Diese Anthologie führt dich in eine kriegsversehrte Bergregion, in der die Grenze zwischen Vernunft und Wahnsinn brüchiger ist als eine rostige Klinge. Elf Geschichten werfen ein grelles Licht auf das, was im Dunkeln fault: rachsüchtige Tote, verbotene Rituale, seelische Abgründe und Körper, die sich gegen ihre Besitzer wenden. Hier entfaltet sich Folkhorror in seiner rohesten, erbarmungslosesten Form. Gemeinsam haben RHoN-Schöpfer Matthias Platzer und Herausgeber Philipp Lohmann ein Ensemble versammelt, das die deutsche Phantastik- und Rollenspielszene seit Jahren prägt – von frischen Stimmen bis zu erfahrenen Veteranen.

„RHON“ ist ein Grimdark-Folkhorror-Rollenspiel, das im Laufe des Jahres erscheinen soll und so dient die Kurzgeschichtensammlung, die im selben Setting spielt quasi als Vorgeschmack oder Appetitanreger, eine clevere Idee, wie ich finde, denn so kann man sich in den 11 Geschichten schon mal mit der damaligen Zeit vertraut machen, bevor man sich dann später ins Spielgeschehen stürzt. Und wie es damal so üblich war, geht es verdammt dreckig und düster zu.

Mögt ihr finstere Ausflüge ins Mittelalter? Dann habe ich einen Buchtipp für euch.
„RHON“ ist eine Folkhorror-Anthologie, die 11 Kurzgeschichten von verschiedenen Autoren enthält. Sie alle spielen zwischen dem Mittelalter und der frühen Neuzeit in derselben Umgebung und drehen sich um ganz unterschiedliche Themen, so geht es unter anderem um das Überleben während des Krieges, Inquisition, Rache, Untote, kurz gesagt, es wird blutig.
Wie bei Kurzgeschichtensammlungen üblich, haben mich natürlich nicht alle Beiträge komplett überzeugt, aber es gab auch keinen, den ich wirklich schlecht fand.
Gleich in der ersten Story „Die siebte Nacht“ macht der Leser erstmal Bekanntschaft mit der Kirche und deren Inquisitoren, dabei tauchen einige der Namen in verschiedenen Geschichten auf und schaffen dabei fast so etwas wie ein kleines Universum. Mein persönlicher Favorit ist hier übrigens Sadisticus Fistobal von Tortura zu Madalsstadt, hey, darauf muss man erstmal kommen.^^
Neben den Taten der Kreuzkirche ziehen sich auch die Gräuel des Krieges durch das Buch, sei es beim Kampf an der Front oder den Folgen der Plünderungen für die einfache Dorfbevölkerung, die noch dazu verdammt abergläubisch ist und so an ganz eigenen Riten festhält.
Doch zwischen all der Düsternis, zwischen Folter und verwesenden Leichen gibt es auch Zeilen, die ans Herz gehen, wie bei „Die Probe“. Auch wenn mir sehr schnell klar war, was eigentlich abging, war das Hineinversetzen in die Protagonistin hier sehr schmerzhaft.
„RHON“ weckt also ganz unterschiedliche Gefühle, angefangen von Ekel, Wut und Erstaunen bis hin zu Mitleid, begleitet von dem einen oder anderen Kopfschütteln über die Dinge, die Menschen sich immer wieder gegenseitig antun. Wir sind und bleiben eben selbst unser größter Feind.

Horror und Historisches, Hexen, Okkultismus, Rache, was will mein kleines schwarzes Herzchen mehr? „RHON“ bietet in seinen 11 Kurzgeschichten für jeden Geschmack etwas, mal blutig, mal ergreifend, aber immer düster. Wer das mag, kann hier bedenkenlos zugreifen, von mir gibt es 4 von 5 tiefschwarzen Miezekatzen.

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