„Seelenabgrund: Brutale Geschichten“ – Moe Teratos, Thomas Karg

“ … Meine Schale aus Nettigkeit, Liebe und Freude verschwand mit jedem Ansetzen deines Schälmessers aus scharfen Worten und gezielten Taten. Jetzt ist da nur noch das weiche Innere, das an der Luft der schlechten Einflüsse zusehends verfällt. …“ 

Zwei Schriftsteller haben ihre Seelen miteinander verschmolzen, um das wahre Grauen auf Papier zu bannen.
Wagst Du es, in den Abgrund zu blicken? Willst Du dem Bösesten, was in uns Menschen steckt, gegenübertreten? Traust Du Dich wirklich, Geschichten voller Grausamkeit, Blut und Horror zu erleben? Sei Dir da mal nicht zu sicher …
Wer Thomas Karg und Moe Teratos kennt, weiß, worauf er sich einlässt, wenn er eines ihrer Bücher aufschlägt. Gemeinsam haben es sich der King und die Queen des deutschen Horrors zur Aufgabe gemacht, die schlimmsten Abgründe in uns Menschen zu beleuchten.
Die brutalen Geschichten stellen nicht nur unsere tiefsten Ängste bloß, sondern konfrontieren uns auch mit der unbequemen Wahrheit über die Abgründe unseres eigenen Wesens.
Die Sammlung bietet nicht nur Ekel und morbide Unterhaltung, sondern lädt auch zum Nachdenken ein. Denn das wahre Grauen ist nicht das Übernatürliche – es ist das Böse in uns selbst.
Ein Muss für alle Fans der härteren Gangart!

Wie schon beim Vorgänger „Seelenfurcht“ handelt es sich auch bei „Seelenabgrund wieder um eine Anthologie, bei der Thomas Karg „Blutige Tränen“, „Ein Job wie jeder andere“ und „Mein Rasen“ beigesteuert hat, von Moe Teratos stammen „Die Wurzel des Bösen“, „All I know is Hate“ und „H.A.S.S.“, bei „Madeleine“ haben sie beide Autoren zusammengetan und ihre gemeinsamen Ergüsse zu Papier gebracht.

Wir alle tragen sie in uns, Wut, Hass und Rachegelüste, oft tief unten begraben, manchmal an der Oberfläche brodelnd, auf den Ausbruch wartend. Genau darum geht es in den 7 Kurzgeschichten des 2. Bandes der „Seelen“-Anthologie von Moe Teratos und Thomas Karg. Beide Autoren haben jeweils 3 eigene Werke beigesteuert und sich für eine Geschichte zusammengetan.
Gleich mit dem Einstieg „Blutige Tränen“, einer fiesen kleinen Rachestory, weiß Thomas Karg zu überzeugen und nimmt mich mit in die seelischen Abgründe des Täters, schreibt aber später auch über seltsame „Firmenpolitik“ und perfekt gemähten Rasen.
Moe Teratos hingegen widmet sich neben verblendeten Sektenmitgliedern der Wut eines Familienvaters und der brutalen Rache einer Novizin, die von Nonnen gemobbt wird.
Aber auch „Madeleine“, das Gemeinschaftsprojekt, muss sich nicht verstecken, zeigt es doch, wie leicht wir uns manipulieren lassen, blind Dinge tun, ohne darüber nachzudenken. Aber hinterher ist man ja bekanntlich immer schlauer, nur ist es dann meistens zu spät. Und natürlich habe ich versucht, herauszufinden, wer welchen Teil zur Geschichte begetragen hat, bin daran allerdings kläglich gescheitert.
Wer das Schreiber-Duo kennt, weiß, dass hier geklotzt und nicht gekleckert wird. In Sachen Gewalt nehmen beide kein Blatt vor den Mund und so fließt der rote Lebenssaft literweise,
zarte Seelchen sollten sich die Kurzgeschichten also besser nicht lesen. Außer vielleicht „Mein Rasen“, denn die ist ein wenig anders als der Rest und das liegt nicht nur an der Kürze.
Am Ende habe ich genau das bekommen, was ich erwartet habe, auch wenn ich gestehen muss, dass mir perönlich „Seelenfurcht“ einen Ticken besser gefallen hat, da waren die Geschichten abwechslungsreicher.
Wer auf der Suche nach bitterbösen Kurzgeschichten mit überraschenden Twists ist, wird an beiden Bänden seine Freude haben.

Moe Teratos und Thomas Karg passen perfekt zusammen, zumindest wenn es um Horror-Kurzgeschichten geht. Beide nehmen kein Blatt vor den Mund und haben kein Problem damit, ihre Figuren durch Ströme von Blut waten zu lassen.
Obwohl mir „Seelenfurcht“ insgesamt ein bisschen besser gefallen hat, bin ich auch bei „Seelenabgrund“ auf meine Kosten gekommen und vergebe 4 von 5 Miezekatzen.
Und wer weiß, vielleicht gibt es ja noch einen weiteren Band, mir fallen aus dem Stegreif gleich ein paar Titel ein. Wie wäre es z. B. mit „Seelenbande“, „Seelenverfall“ oder „Seelenhandel“ ?

01. „Seelenfurcht“
02. „Seelenabgrund“

Please follow and like us:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert