„Acht, Neun … du wirst es bereuen“ – Andrea Reinhardt

„Wollen die mir meine Stimme wegnehmen?“ fragte er mit zittrigen Worten. Seine Mutter seufzte. „So ein Unsinn, die machen dich nur gesund.“

Wer spricht, verliert – wer schweigt, besteht.
Doch Schweigen bleibt, wenn alles vergeht.

Die Journalistin Anna Wenzel begibt sich zur “Klinik der Stille”, um ihre Sprachblockaden zu überwinden. Doch schnell ist sie sich sicher, die Mauern der Klinik hüten mehr als nur Therapie. Sie hört Schreie aus dem abgesperrten Trakt, Patientinnen verschwinden und die Ärzte hüllen sich in Schweigen. Und Anna ist die Einzige, die ihren Geheimnissen nachgehen kann und will.
Eine junge Frau ist das erste von vielen Opfern, die mit derselben grausamen Signatur aufgefunden werden: Eine Stimmgabel tief in ihrem Hals. Je tiefer Kriminalkommissar Mathias Kron und sein Team graben, desto klarer wird: Die Schatten der Vergangenheit reichen weiter, als irgendjemand ahnt. Und zu lange im Dunkeln zu tappen könnte dieses Mal für Kron selbst tödlich enden …

Eine Mutter will mit ihrem Kindheitstrauma abschließen und „testet“ eine neue Therapie. Doch für sie gibt es keine Heilung, stattdessen endet mit einer in den Hals gerammten Stimmgabel. Die Mordermittlung führt Mathias Kron in eine Therapieklinik mit dunkler Vergangenheit und schweigendem Personal.

1964 wird Jakob von seiner Mutter in der Abteilung für verhaltensauffällige Kinder mit symptomatischen Sprachproblematiken abgegeben. Die Klinik ist düster, fast wie ein Gespensterschloss oder ein Gefängnis und Kontakt ist während der Behandlung nicht erlaubt. Reden übrigens auch nicht, nur, wenn man ausdrücklich dazu aufgefordert wird, ansonsten droht Isolationshaft oder schlimmeres. Als herauskommt, was man den Kindern damals angetan hat, wird das Gelände dichtgemacht.
2023 werden Mathias und Romy zu einem Tatort gerufen, das Opfer hat eine Stimmgabel im Rachen stecken. Die Tatwaffe ist ein wichtiger Hinweis, denn die Tote hat an der Stimmrückführungstherapie teilgenommen, einer neuen Therapieform, die über Traumata im Kindesalter hinweghelfen soll. Und diese findet ausgerechnet dort statt, wo vor vielen Jahren auch Jakob behandelt wurde.
Nachdem mich die letzten Bücher von Andrea Reinhardt nicht immer überzeugen konnten, weil ich die Handlung ab und an doch etwas unrealistisch fand, hat sie mit „Acht, Neun … du wirst es bereuen“ wieder ganz meinen Geschmack getroffen. Der Ausflug in die Vergangenheit ist schockierend, wie man damals mit den Kindern umgesprungen ist, zerreißt mir beim Lesen fast das Herz und Jakob tut mir einfach nur wahnsinnig leid. Als Patient fühlt man sich ja als Erwachsener schon ausgeliefert, aber Kindern die Kommunikation untereinander zu verbieten ist nochmal ein ganz anderes Kaliber.
Aber auch in der neuen „Klinik der Stille“ geht einiges nicht mit rechten Dingen zu, soviel ist schnell klar und ich muss gestehen, ich habe von Anfang an mitgefiebert und die verschiedensten Vermutungen angestellt. Wie Andrea das Ganze aber dann zum Abschluss bringt, ist genial, eine wirklich tolle Geschichte, die an die Nieren geht.
Außerdem ist Mathias Kron natürlich ein sympathischer Ermittler, der nicht nur über einen guten Spürsinn verfügt, sonder auch das Herz am rechten Fleck hat.
 

„Acht, Neun … du wirst es bereuen“ ist bereits der 5. Band von Andrea Reinhardts
„Tick, Tock … tot“ – Reihe und bisher tatsächlich mein persönlicher Favorit, allein schon weil ich das Thema wahnsinnig fesselnd finde. Und mal ganz ehrlich, alte Kliniken sind doch auch echt gruselig. Von mir gibt es hier 4 von 5 Miezekatzen und eine Leseempfehlung für alle Thrillerfans.

01. „Fünf, vier … gleich sterben wir“
02. „Neun, Zehn … ich will dich sterben seh’n“
03. „Sieben, Acht … blutig ist die Winternacht“
04. „Eins, Zwei … hörst du ihren Schrei?“
05. „Acht, Neun … du wirst es bereuen“

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