„Vollendet“ – Neal Shusterman

… Himmel? Connor hält es für wahrscheinlicher, weiter unten zu landen. Wenn nicht einmal ihre eigenen Eltern sie genug lieben, um sie zu behalten, was haben sie dann im Himmel zu suchen? … (Seite 211)

Deine Umwandlung ist garantiert schmerzfrei. Jeder Teil deines Körpers lebt weiter. Sagen sie. Aber wenn jeder Teil von dir am Leben ist, nur eben im Körper eines anderen … Lebst du dann Oder bist du tot?

Der 16-jährige Connor hat ständig Ärger. Risa lebt in einem überfüllten Waisenhaus. Lev ist das wohlbehütete Kind strenggläubiger Eltern. So unterschiedlich die drei auch sind, eines haben sie gemeinsam: Sie sind auf der Flucht. Vor einem Staat, in dem Eltern ihre Kinder im Alter von 13 bis 18 Jahren »umwandeln« lassen können …

Um den Krieg zwischen Abtreibungsgegnern und -befürwortern endlich zu beenden, tritt die Charta des Lebens in Kraft. Bis zum dreizehnten Lebensjahr ist das menschliche Leben unantastbar, danach können Eltern ihre Sprösslinge bis zu derem 18. Geburtstag sozusagen rückwirkend abtreiben, das Ganze wird Umwandlung genannt. Nach der Unterzeichnung der Papiere wird das Kind abgeholt und in ein „Ernte-Camp“ gebracht. Dort wird der gesamte Körper weiterverwendet, Organspenden oder Erforschung von Krankheiten sind also nicht mehr nötig, was kaputt ist, wird ausgetauscht.
Der 16-jährige Connor erfährt zufällig, dass seine Eltern die Papiere für seine Umwandlung unterschrieben haben und macht sich bei Nacht und Nebel aus dem Staub, um seinem Schicksal zu entkommen. Auf seiner Flucht trifft er auf Risa und Lev, eine folgenreiche Begegnung für alle drei …

„Vollendet“ von Neal Shusterman ist eine Jugendbuch-Reihe, das bedeutet allerdings nicht, dass es harmlos zugeht. Natürlich gibt es hier kein literweise verspritztes Blut oder explizite Gewaltschilderungen, doch allein schon der Hintergrund, vor dem diese Geschichte spielt, ist mehr als erschreckend.   
Ich habe die ersten drei Bände bereits vor einigen Jahren gelesen, mir aber den letzten erst vor kurzem gekauft, was also liegt da näher als die komplette Reihe noch einmal zu lesen?
Schnell bin ich wieder in die Welt von Connor, Risa und Lev abgetaucht, eine Welt, in der es keine Abtreibungen mehr gibt, man sein Baby dafür aber auf der Schwelle von Fremden ablegen darf und wenn man nicht erwischt wird, gehört es ihnen. Das zu lesen ist doch sehr befremdlich, mal ganz davon abgesehen, dass man seine Kinder einfach so als lebende Ersatzteillager spendet.
Connor ist so eine „Spende“, er ist aufbrausend, lässt keine Prügelei aus, kurzum, er macht Ärger und so wählen seine Eltern den für sie einfachsten Weg. Allerdings kann er fliehen, bevor er abgeholt wird.
Bei Risa hingegen sieht die Sache etwas anders aus, sie ist eine gute Klavierspielerin, hilft auf der Babystation aus. Allerdings hat die Sache einen Haken, denn sie ist ein Waisenkind, ein Mündel des Staates und der muss sparen.
Lev, der dritte im Bunde, kommt aus einem religiösen Elternhaus, das von allem ein Zehntel spendet und er ist das zehnte Kind. Sein ganzes Leben lang wurde er darauf vorbereitet, ist stolz darauf ein Zehntopfer, ein Auserwählter zu sein, bis Connor seinen Weg kreuzt.
Drei Teenager, die sich dem System entgegenstellen, buchstäblich um ihr Leben kämpfen.
Mit Connor und Risa war ich sofort auf einer Wellenlänge, beide haben ihre Überzeugungen, für die sie auch einstehen, Lev hingegen ist anfangs doch etwas sehr naiv. Er hadert nicht mit seinem Schicksal, kennt es ganz einfach nicht anders und ist natürlich auch er es, der im Laufe des Buches die größte Entwicklung durchmacht.
Die recht kurzen Kapitel werden aus der Hauptprotagonisten erzählt, hin und wieder kommt aber auch mal jemand anders zu Wort.
Die Story an sich ist sehr düster, allerdings hat der Autor Charaktere erschaffen, die man einfach ins Herz schließet, mit denen man mitfiebert und denen man auf ihrer Reise einfach folgen muss.

„Vollendet“ schon ich schon toll, als ich es zum ersten Mal gelesen habe, daran hat sich inzwischen nichts geändert. Der Plot ist erschreckend, aber gar nicht mal so weit hergeholt, die Charaktere  liebevoll gezeichnet, man wünscht ihnen einfach ein Happy End, aber das Leben ist ja bekanntlich kein Ponyhof.
Volle Punktzahl vergebe ich nur selten, aber dieses Buch hat für mich nichts als 5 von 5 Miezekatzen verdient.

01. „Vollendet“
02. „Vollendet – Der Aufstand“
03. „Vollendet – Die Rache“
04. „Vollendet – Die Wahrheit“

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