„Abgeschlagen“ – Michael Tsokos

“ … »Hört Ihr Kind eigentlich immer zu, wenn Sie über abgetrennte Köpfe und so einen Kram reden?«, fragte Tomforde halblaut in einer Mischung aus gespielter und echter Empörung.
»Immer. Sie wird quasi groß damit.«, entgegnete Herzfeld lachend. …“ (Seite 118)

Kiel, im Winter. Im Institut für Rechtsmedizin der Universität liegen im Sektionssaal ein toter Gewaltverbrecher, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde, und eine zerstückelte Frauenleiche, deren Einzelteile in zwei Koffer verpackt wurden. Der junge Rechtsmediziner Paul Herzfeld ist irritiert, als sich sein Vorgesetzter, Professor Schneider, bei der Obduktion der zerstückelten Leiche vorschnell auf eine Machete als Tatwaffe festlegt. Aber kurz darauf wird tatsächlich eine blutverschmierte Machete in einem Kieler Park gefunden. Die Medien feiern Professor Schneider als rechtsmedizinisches Genie, und sein Aufstieg zum Direktor der Kieler Rechtsmedizin scheint nur noch reine Formsache.
Doch dann weiht der Hausmeister der Universität Herzfeld in ein Geheimnis ein, und auf einmal führen alle Spuren ins Institut. Als Herzfeld versucht, Licht ins Dunkel zu bringen, steht nicht nur seine Karriere auf dem Spiel, sondern auch das Leben seiner Familie …

Ewa ist Prostituierte und hat eigentlich schon Feierabend, als ein Anruf bei ihr eingeht und so beschließt sie, den einen Kunden noch abzufertigen.
Der jedoch greift plötzlich zur Machete, die junge Frau überlebt, ist jedoch fürs Leben gezeichnet.
Achim Wittfeld wird verhaftet, da er zum Tatzeitpunkt jedoch unter Drogen stand, fällt seine Strafe relativ gering aus und bereits nach 4 Jahren ist er wieder auf freiem Fuß.
Als in einem Park eine zerstückelte Frauenleiche in 2 Koffern vor einem Zelt gefunden wird, in dem ebenfalls eine Leiche liegt, ist die Aufregung groß, denn bei dem Toten handelt es sich um den frisch entlassenen Wittfeld, der anscheinend nichts besseres zu tun hatte, als sofort wieder zu morden und sich dann anscheinend selbst umgebracht hat.

Abgeschlagen“ spielt 10 Jahre vor „Abgeschnitten“, dem gemeinsamen Buch von Michael Tsokos und Sebastian Fitzek, dass ich vor einigen Jahren gelesen habe und natürlich ist auch Paul Herzfeld wieder mit von der Partie, hier noch um einiges jünger, aber trotzdem schon verdammt clever.
Schnell erkennt er, dass sich einige Leute an seinem Arbeitsplatz merkwürdig verhalten und nicht alles mit rechten Dingen zuzugehen scheint und will zusammen mit seiner „Partnerin“ Tattoli herausfinden, was gespielt wird, dabei bleibt sein Familienleben auf der Strecke…
Das Cover von „Abgeschlagen“ ziert die Machete, die im Buch einigen Wirbel verursacht, sie zerteilt den Titel sozusagen, eine durchaus passende Idee.
Dass Michael Tsokos vom Fach kommt, merkt man, immerhin ist er selbst Professor für Rechtsmedizin und kann den Leser so mit Paul Herzfeld auf die Reise schicken und gleichzeitig das eine oder andere Detail erklären, zu erwähnen sei hier vielleicht noch, dass die Fälle im Buch auf wahren Begebenheiten beruhen.
Zur Buchmesse war ich auf seiner Lesung zu „Abgeschlagen“ und da ist er auf einige auch näher eingegangen, sehr interessant übrigens, allerdings durfte man keinen nervösen Magen haben, denn die gezeigten Bilder dazu waren teilweise ganz schön heftig.
Neben dem fachlichen Aspekt sind auch die Charaktere sehr gut gezeichnet, allem voran natürlich Paul Herzfeld, der sich neben seinem Job immer wieder um seine Tochter Hannah kümmert und die schlagfertige Tattoli, die nebenbei auch noch ziemlich schlau ist.
Schneider hingegen ist von Anfang an überheblich und selbstverliebt und somit das ganze Gegenteil von seinen Mitarbeitern, ein Vorgesetzter, den man keinem wünscht, aber trotzdem natürlich, oder vielleicht auch gerade deswegen, eine interessante Persönlichkeit.

Wer sich also für reale Fälle und die Arbeit der Rechtsmediziner interessiert, ist mit diesem Buch bestens bedient.
Ich vergebe 4 von 5 Miezekatzen und lege das Buch vor allem den True-Crime-Freunden ans Herz.

Paul Herzfeld Reihe:
01. „Abgeschlagen“
02. „Abgefackelt“
03. „Abgetrennt“

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