„Papa“ – Sven Hüsken

Fürsorglicher Ehemann, liebevoller Vater, psychopathischer Killer!
Vor zwei Jahren wurde Thomas Ried zum Entsetzen seiner ahnungslosen Frau wegen mehrfachen Mordes verhaftet. Jetzt ist er aus der Psychiatrie entkommen. Wenig später taucht eine erste Leiche auf, kunstvoll drapiert, so wie seine Opfer zuvor. Doch diesmal spielt der Serienkiller ein perfides Spiel mit der Polizei und seiner Familie: Bei jeder Leiche finden sich mysteriöse Hinweise. Als Rieds Tochter Lillian verschwindet, bleibt am Tatort ein Polaroidfoto zurück. Darauf zu sehen: ein Schaf und ein Wolf.

Der Mörder Thomas Riedel flieht aus der Klinik, in der  er untergebracht ist und schon bald säumen Leichen seinen Weg. Um sich an seiner Frau Michelle zu rächen, entführt er seine Ziehtochter, die ihn nur als liebevollen Ersatzvater kennt und immer wieder versucht, ihren alten „Papa“ aus dem Monster herauszulocken.
Doch Ried hat einen Plan, er stellt seiner Frau Aufgaben, die sie erledigen muss, um ihr Kind zurückzubekommen und die haben es in sich …

Wie fühlt man sich wohl, wenn der Mensch, mit dem man sein Leben teilt, sich als Monster entpuppt? Als brutaler Mörder, kaltherziger Psychopath?
Der Klappentext hat sofort meine Aufmerksamkeit geweckt. Leider, ich nehm es schon mal vorweg,  war das Buch jedoch eine herbe Enttäuschung für mich und ich habe es tatsächlich nur bis zum Schluss gelesen, weil ich wissen wollte, wie Sven Hüsken  das ganze Chaos am Ende aufgeklärt.

Für mich gibt es in „Papa“ einfach viel zu viel von allem. Zu viele Charaktere, damit geht es schon mal los. An sich kein Problem, aber irgendwie wird fast jedem gleich viel Aufmerksamkeit geschenkt, dem entführten Kind, der verzweifelten Mutter, den Polizisten, den in irgendwelche Verbrechen verstrickten Kriminellen und natürlich auch dem Killer, jeder darf zu Wort kommen und zwar ausführlich. Unter anderem sorgt auch das dazu, dass man zu keinem eine Beziehung aufbauen kann.
Vielleicht hätte ich das ja auch gar nicht so schlimm gefunden, wären mir die Figuren nicht durch die Bank weg total unsympathisch gewesen. Klar gibt es nicht nur Schwarz oder Weiß, aber  hier diesem Buch macht jeder, was er will, ist gut, böse und alles dazwischen, das finde ich sehr anstrengend.
Lilly, die von ihrem Ziehvater entführt wird, finde ich von Anfang an einfach nur nervig, ständig meint man, man hätte es mit einem kleinen Kind zu tun, aber Pustekuchen, sie ist ein Teenager. Ihre Mutter tut ständig Dinge, ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Mutterliebe mag Berge versetzen, aber was sie da abzieht, sorry, für mich unglaubwürdig ohne Ende. Ihr Ex-Mann,  hingegen, ein Polizist, der ihren Mann festgenommen hat und dessen leibliche Tochter Lilly ist, hält sich an keinerlei Regeln. Wäre vielleicht noch zu verstehen, wenn er es aus Sorge um sein Kind tun würde, aber, nun ja … Hinzu kommt die Klinikleiterin, aus deren Obhut der Killer geflohen ist, noch so jemand, dem man am Liebsten den Hals umdrehen möchte. 
Bleibt noch Thomas Ried, der Bösewicht, der doch mal so ein lieber Papa war. Ganz ehrlich, ich versteh weder sein Motiv, noch, warum er mal einfach so durch die Gegend spazieren kann, wo er doch gesucht wird. 
Und wer jetzt denkt, das wären alle, die eine Rolle in der Geschichte spielen, weit gefehlt.
Ständig kommt es zu Ereignissen, die mich den Kopf schütteln ließen, immer weiter, immer schneller …  
Außerdem ist „Papa“ sehr brutal, allerdings dienen diese Gewaltexzesse für mich lediglich dem Selbstzweck, alles wird ausgeschlachtet. Am Ende habe ich mich gefragt, ob es tatsächlich irgendein Verbrechen gibt, das es nicht ins Buch geschafft hat und leider ist auch der Schreibstil nicht sonderlich anspruchsvoll.
Ich werde das Gefühl nicht los, der Autor hat alles, was er aufgeschnappt hat in „Papa“ gepackt und versucht, eine Story darum zu konstruieren, die für mich nach hinten losgegangen ist. Dabei hätte Sven Hüsken aus der Geschichte durchaus etwas machen können, hätte er nicht überall so maßlos übertrieben.
Natürlich ist das nur meine bescheidene Meinung und ich überlege immer wieder, ob ich die in einem solchen Fall überhaupt kundtun soll. Aber ich bewerte alle meine gelesenen Bücher, es gibt da nur ganz wenige Ausnahmen und da gehört eben auch mal eine negative Kritik dazu. 

Logiklöcher, Charaktere, die so unsympathisch sind, dass es mir vollkommen egal war, was mit ihnen passiert, eine Story, in die alles gepackt wurde, was nur ging um möglichst viel Brutalität zwischen die Seiten zu quetschen, nicht nachvollziehbare Handlungen … , ich denke, mir würde da noch einiges einfallen, aber ich belasse es mal dabei.
Für mich leider ein Reinfall und 2 von 5 Miezekatzen vergebe ich auch nur, weil ich mich tapfer bis zum Ende durchgequält habe um zu erfahren, was das alles denn nun sollte.
Eigentlich greif ich bei meiner Bücherauswahl selten daneben, aber „Papa“ war für mich ein Fehlgriff.

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