„Darling Rose Gold“ – Stephanie Wrobel

“ … Jeder, der von unserer Geschichte erfuhr, stellte sich Mom als die Böse vor. Die Geschworenen haben in der Nacht vor ihrem Urteil sicher gut geschlafen, weil sie sich vorkamen wie die Ritter auf dem weißen Pferd. Aber sie nahmen mir meine Mutter weg. Manchmal war ich froh darüber. Und manchmal fühlte ich mich wie amputiert. …“ (Seite 82 – 83)

Rose Gold ist schwer krank. Sie wird für immer im Rollstuhl sitzen und auf die Hilfe ihrer Mutter Patty angewiesen sein. Das hat sie zumindest achtzehn Jahre lang gedacht. Bis sie herausfindet, dass ihre Mutter sie die ganze Zeit belogen hat …
Nach fünf Jahren im Gefängnis muss Patty erst einmal Fuß fassen. Sie ist daher froh, dass Rose Gold ihr trotz allem angeboten hat, sie vorübergehend bei sich zu Hause aufzunehmen. Patty will nur eines: sich endlich mit ihrer Tochter versöhnen. Das behauptet sie zumindest.
Aber Rose Gold weiß, was Patty plant.
Und sie ist nicht länger die kleine schwache Tochter.
Sondern eine gefährliche Gegnerin.

Als Patty nach fünf Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird, in das sie die Aussage ihrer Tochter gebracht hat, ist Rose Gold zur Stelle, um ihre Mutter abzuholen. Sie lässt sie bei sich und ihrem Baby einziehen, ist aber stehts auf der Hut, schließt ihr Zimmer ab.
Patty hingegen ist sich sicher, dass sie ihr kleines Mädchen erneut um den Finger wickeln kann, doch auch Rose Gold hat dazugelernt …

Mein Wochenende habe ich mit Rose (ich wage es mir hier einfach mal, sie so zu nennen) und ihrer Mutter verbracht, die beiden Damen zwei ganze Tage um mich herum zu haben, reichte mir auch völlig, aber nicht etwa, weil das Buch schlecht war.

Mutter-Tochter-Beziehungen sind manchmal sehr eigen, die zwischen Patty und Rose Gold in „Darling Rose Gold“ packt da allerdings nochmal eine Schippe drauf. Nachdem Petty ihre Tochter über Jahre hinweg krank gemacht hat, ist sie für fünf Jahre hinter Gittern gelandet. Die sind jetzt um und genau dort setzt die Geschichte ein.
Abwechselnd kommen beide Frauen zu Wort. Während Patty erzählt, was sich momentan zuträgt, schwelgt Rose Gold erstmal in der Vergangenheit, so bekommt der Leser einen Einblick in das Leben der beiden.
Bald schon stellt sich die Frage: Hat Rose Gold nichts aus dem Verhalten ihrer Mutter gelernt? Warum kommt sie ihr erneut so nah, lässt sie sogar bei sich einziehen? 
Recht bald zeigt sich jedoch, das nichts so ist, wie es scheint und ich fühlte mich tatsächlich hin- und hergerissen. Einem Buch, das mit so einem Cover daherkommt, traut man gar nicht zu, dass es so bitterböse daherkommt, wo es doch fast schon zuckersüß verpackt ist. Genau aus diesem Grund wäre es fast an mir vorbeigegangen, denn hinter all dem Rosa und dem Schmetterling hätte ich eher eine Lovestory vermutet und die ist es definitiv nicht, auch Roman finde ich hier etwas irreleitend.
Stephanie Wrobel lässt ihr beiden „Heldinnen“ selbst zu Wort kommen, denn so können sie ihre Gefühle am Besten teilen und man ist hautnah dran am Geschehen, schaut ihnen sozusagen direkt über die Schulter und was man da sieht, ist erschreckend.
Das Münchhausen-by-Proxy-Syndrom als Ausgangssituation für einen Thriller, die Idee ist genial, zumal man einiges darüber erfährt, wie die Betroffene die ganze Sache sieht, sich keinerlei Schuld bewusst ist und das auch immer wieder beteuert. Eigentlich müsste man also Mitleid mit Rose Gold, dem kleinen, nie wirklich hübschen Mädchen mit den schlechten Zähnen haben …
Warum das bei mir nicht so ist, müsst ihr allerdings schon selbst nachlesen und glaubt mir, es lohnt sich, also lasst euch von dem etwas kitschig geratenem Umschlag nicht abschrecken.^^

Zwei Frauen, die sich einen Kampf auf Augenhöhe liefern und die Grenze zwischen gut und böse verschwimmen lassen, was will man mehr?
Zur Feindin haben möchte ich auf jeden Fall keine von beiden, aber 4,5 von 5 Miezekatzen ist mir die Geschichte dieser toxischen Mutter-Tochter-Beziehungen auf jeden Fall wert.

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