„Das Nebelmädchen von Mirrors End“ – Fabienne Siegmund

“ … Schon immer hatte sie ihre Zeit lieber in der Gesellschaft von Büchern als in der von Menschen verbracht. In ihren Augen war es so: Bücher konnten einem nicht wehtun, und wenn doch, wenn sie wie ein Spiegel waren, der einem das eigene Leben unbarmherzig vor Augen führte, konnte man sie einfach zuklappen. Menschen aber verletzen einen, genauso wie manchmal das Wetter und vor allem die Wirklichkeit, und nichts von alledem konnte man einfach zurück in ein Regal stellen. …“

Die sechzehnjährige Eliza Willows ist nicht begeistert, mit ihrer Mutter in das abgelegene und verwinkelte Landhaus Mirrors End zu ziehen. Als ihr jedoch bereits in der zweiten Nacht ein Mädchen aus Nebel begegnet, ändert sich alles. Denn schon am nächsten Morgen scheint sich ihr Schicksal mit dem des alten Haus und dessen düsterer Geschichte verwoben zu haben.

Nach der Trennung von ihrem Mann hat Elizas Mutter ein abgelegenes Haus gekauft um noch einmal von vorn anzufangen, nicht unbedingt zur Freude ihrer Tochter. Die steckt ihre Nase zwar lieber in Bücher, anstatt sich Freunde zu suchen und vermisst so ihre Klassenkameraden nicht, trotzdem macht ihr der Umzug zu schaffen, aber damit will sie ihre Mutter nicht belasten.
Doch bereits in der ersten Nacht im neuen Heim sieht Eliza nachts ein traurig dreinblickendes Mädchen neben ihrem Bett stehen. Moira, so heißt das Mädchen, das aus Nebel zu bestehen scheint, führt sie auf den Speicher und erzählt ihr später eine grausame Geschichte über den Vorbesitzer des Hauses …

Manche Bücher fesseln einen gleich zu Beginn, so erging es mir mit „Das Nebelmädchen von Mirrors End“. Gleich beim Lesen der ersten Sätze fiel mir eins auf: die Autorin hat einen sehr bildhaften, poetischen Schreibstil, der sich durch das gesamte Buch zieht und zu der doch recht düsteren Stimmung passt, wie die Faust aufs Auge. So gibt es unter anderem eine finsterdunkle Nacht, winterkalten Regen und herbstvergessenen Sturm, alles ist irgendwie ein bisschen melancholisch angehaucht und passt so prima zu Moiras Gemütsverfassung.
Doch auch Eliza ist nicht unbedingt die gute Laune in Pers, sie ist eher eigenbrötlerisch, verkriecht sich in ihren Büchern, auch das Treffen mit dem geheimnisvollen Geistermädchen ändert daran nichts. Und dennoch haben die beiden sich gesucht und gefunden, denn Moira braucht Hilfe, will sie Schlimmes verhindern.
Geistergeschichten gibt es viele und doch sticht „Das Nebelmädchen von Mirrors End“ unter ihnen heraus. Zwar beginnt auch hier alles mit einem Haus, das eine dunkle Vergangenheit hat, doch dann geht es um so viel mehr, um Träume, Wünsche und was wir bereit sind, dafür zu opfern, denn hat alles seinen Preis. Lohnt es sich wirklich, den zu zahlen? Und wie lange müssen wir für unsere Fehler büßen?
Zusammen mit den beiden Mädchen begibt sich auch Cedric auf die abenteuerliche Reise und ich muss zugeben, ich hab alle drei Charaktere in mein Herz geschlossen, denn sie haben das Herz am rechten Fleck und man versteht, warum sie so und nicht anders handeln.

Eine wunderschöne, wenn auch düstere Reise in unsere Träume, die mit den üblichen Geistergeschichten weniger gemeinsam hat, als es auf den ersten Blick scheint.
Ich habe Cedric, Eliza und Moira sehr gern auf ihrer Reise begleitet, habe mit ihnen gelitten und gebangt und komme nicht umhin, den fesselnden Schreistil von Fabienne Siegmund hier noch einmal zu erwähnen und so vergebe ich für „Das Nebelmädchen aus Mirrors End“ 4,5 von 5 Miezekatzen.

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