“ … Was die Religion anging, war die Bevölkerung in Katholiken und Orthodoxe gespalten vereint war sie lediglich in ihrem extremen Aberglauben und den zahllosen Krankheiten, die Menschen und Tiere gleichermaßen heimsuchten. …“ (S. 10)
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Dieser düstere Roman hat Millionen Leser auf der ganzen Welt erschüttert.
Irgendwo im Osten Europas, während der Zweite Weltkrieg tobt: Um ihn vor den Nazis zu schützen, wird ein kleiner jüdischer Junge zu einer alten Frau aufs Land gegeben. Kurz darauf stirbt sie und der Junge bleibt allein zurück.
Als er durch die zerfetzte Welt irrt, erlebt er die Gräuel des Krieges – aber auch die Perversion und Brutalität der Soldaten und der abergläubischen Landbevölkerung.
Der Junge verstummt und hat sich, als der Krieg endet, für immer verändert.
Der Weltbestseller in neuer Übersetzung von Andreas Decker.
Kosinski schildert das Triebhafte und Abgründige im Menschen, aber auch die tiefe Vereinsamung unseres Daseins in einer klaren Prosa. Ein Meisterwerk.
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In den Wirren des zweiten Weltkrieges hat ein Paar Angst um das Leben ihres Sohnes und schickt ihn aufs Land, wo er in Sicherheit aufwachsen soll. Doch die hinterwäldlerische Dorfbevölkerung sieht in dem Kind eine Bedrohung und lässt ihn das immer wieder auf grausame Art und Weise spüren.

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1939 entscheiden sich die Eltern eines 6-jährigen Jungen schweren Herzens ihren Sohn aufs Land in Pflege zu geben, damit er in Sicherheit ist. So landet er bei einer alten Frau in einem abgelegenen Dorf ohne Elektrizität, Schule oder gar Straßen,dafür gilt überall das Recht des Stärkeren. Da er olivfarbene Haut und dunkle Haare hat, halten ihn alle für einen Zigeuner oder Juden und so hat er da einen schweren Stand, auch bei Marta, die ihn aufgenommen hat. Als die Alte stirbt, flieht er und will sich auf die Suche nach seinen Eltern machen. Im nächsten Ort wird er mit Steinen beworfen und schließlich in einen Verschlag gesperrt, bis Olga sich seiner erbarmt und ihn aufnimmt. Sie ist eine Kräuterfrau, Heilerin, Hexer, angesehen, aber auch gefürchtet und er wird ihr Handlanger. Doch auch dort findet er kein Zuhause. So irrt er weiter immer weiter alleine durch das ländliche Polen, wo er immer neue Grausamkeiten erleben oder mit ansehen muss.
Das Ganze ist wirklich schwer zu ertragen, der Kleine wird mit Steinen beworfen, weggesperrt, man versucht ihn nzu ertränken, er darf anderen nicht in die Augen schauen und immer, wenn ein Unglück passiert, ist er Schuld, man möchte den Kleinen einfach nur in den Arm nehmen und wünscht ihm endlich einen Ort, an dem er sich heimisch fühlt und geliebt wird.
Für „Der bemalte Vogel“ braucht man eine verdammt dicke Haut, immer wenn man denkt, es kann nicht mehr schlimmer werden, wird noch einer draufgesetzt. Tierquälerei, Gewalt, Vergewaltigung, hier wird jedes Spektrum an menschlicher Grausamkeit abgedeckt, das man sich nur vorstellen kann. All das findet mit oder vor den Augen eines Kindes statt, dass all diese Ereignisse sehr emotionslos und distanziert schildert und dabei selbst immer weiter abstumpft, ein unbequemer Einblick in eine zerstörte Kinderseele.
Jerzy Kosinski hat lange behauptet, dass der Roman seine eigene Geschichte ist und er der kleine Junge, der ohne Hoffnung durch die Welt irrt, allerdings hat der Autor den Krieg mit gefälschten Papieren gemeinsam mit seinen Eltern überlebt. So grausam und brutal die Geschichte auch ist, das all das einem einzigen Kind passiert, finde ich sehr unrealistisch. Ja, der Krieg ist dreckig, blutig und ohne jede Moral, aber teilweise habe ich wirklich das Gefühl, dass hier eine Gräueltat an die nächste gereiht wurde und weiß nicht so recht, was ich davon halten soll.
Versteht mich nicht falsch, mir tut dieser kleine Knirps unendlich leid und wir alle wissen, was Aberglaube und Angst anrichten kann, vor allem in dünn besiedelten Gegenden, wo der Fortschritt noch nicht Einzug gehalten hat. Wir können einander die schlimmsten Dinge antun und trotzdem ist mir die Häufung hier zu viel, es wirkt fast ein bisschen wie Effekthascherei.
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„Der bemalte Vogel“ ist harter Tobak, das Buch schildert das Grauen des Krieges aus der Sicht eines Kindes, dass nirgendwo erwünscht ist und bei seiner Reise durch das ländliche, abergläubige Polen nur schlimme Erfahrungen macht. Wer also zart besaitet ist, sollte unbedingt die Finger davon lassen. Das ist nicht einfach so dahergesagt, die Geschichte erwischt einen immer wieder eiskalt, sorgt dafür, dass man sich schlecht fühlt, damit muss man umgehen können.
Auch wenn mich Jerzy Kosinskis Roman stellenweise sehr mitgenommen hat, war ich nicht komplett überzeugt, die permanente Aneinanderreihung von Grausamkeiten ist irgendwann einfach zu viel und so vergebe ich 3,5 von 5 Miezekatzen.


