„Der Totennäher“ – Hector Wolff

“ … Ihre braunen Haare hatten an Glanz verloren und ihre Haut war blasser, aber sie war immer noch schön. In den letzten Jahren war sie keinen Tag gealtert. …“

Ivonne Vredl und ihre kleine Tochter verschwinden spurlos. Die Ermittlungen verlaufen im Nichts. Vier Jahre später sucht eine unheimliche Mordserie die Stadt heim. Ein brutaler Killer überfällt junge Frauen und Mädchen bei Nacht und stiehlt Teile ihrer Körper. Kommissar Thomas Brenner und seine Kollegin Sandra Funke werden mit den Ermittlungen beauftragt und kommen schon bald einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur, das mit der Vergangenheit und dem Schicksal von Ivonne und Amira Vredl verwoben ist. Ihr Mann Marco hütet ein dunkles Geheimnis. Getrieben von Wahn und der Sehnsucht nach seiner Familie schmiedet er einen finsteren Plan.

Thomas Brenner hat nicht viel zu tun und so ackert er sich durch alte, nicht aufgeklärte Fälle. Besonders interessiert er sich für einen Vermisstenfall, eine Frau und ihre Tochter sind vor Jahren spurlos verschwunden. Brenner hält den Ehemann für den Täter, doch bevor er sich näher mit der Sache beschäftigen kann, tauchen plötzlich immer mehr verstümmelte Leichen auf. 

„Der Totennäher“ hat nicht nur einen Titel, der neugierig macht, sondern auch eine recht abgedrehte, blutige Story. Ich mag ja durchgeknallte Irre, die meisten dürften das inzwischen wissen und auch wenn mir recht früh klar war, was Marco plant, so fand ich die Geschichte rund um seinen eigenwilligen Plan doch irgendwie sehr fesselnd. Hector Wolff schickt seine Leser hier auf einen sehr düsteren Trip, der eigentlich wie für mich gemacht schien.
Der Täter ist ein Psychopath, er hat ein klares Ziel vor Augen und ist bereit, alles dafür zu geben. Das mit ihm etwas nicht stimmt, ist von Anfang an klar und es hat durchaus seinen Reiz, ihm über die Schulter zu schauen und seinen Gedankengängen zu folgen. Dennoch fehlte mir etwas, zum Beispiel der Auslöser für die ganze Sache. Was geschehen ist, erfährt man noch, aber warum? Gerade der Grund dafür ist für mich von Interesse.
Marcos Gegenspieler Thomas Brenner hingegen bleibt etwas farblos und meiner Meinung nach auch ein bisschen auf der Strecke. Zu ihm hätte gern ein paar mehr Hintergrundinformationen gehabt als die Tatsache, dass sein Arzt ihm empfohlen hat, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren.^^ Das ist sicherlich Geschmackssache, aber ich weiß immer ganz gern, mit wem ich es zu tun habe.
Leider gibt es noch einige Dinge, die mir den Ausflug in die Dunkelheit, auf den ich mich gefreut habe, etwas verhageln. Das erste ist die Vorliebe des Autors für alle möglichen Kombinationen von „war gewesen“ und „hatte gehabt“, manchmal gleich mehrfach in einem Satz. Aber auch so kommt es ständig zu Wortwiederholungen, etwas, das mich extrem stört. Keine Ahnung, warum ich da so pingelig bin, es ist einfach so. Immer wieder bin ich an diesen Worten hängengeblieben und das hat mich aus dem Lesefluss gebracht. Des Weiteren wurden hin und wieder mal die Namen vertauscht, wenn der Täter anstelle der Ermittlers mit den Hinterbliebenen redet, kommt einem das schon irgendwie seltsam vor und auch das Ende kommt dann etwas überstürzt.
Das mag jetzt alles in allem sehr negativ klingen, allerdings hat die Story für mich durchaus ihren Reiz, sonst hätte ich das Buch einfach zur Seite gelegt. Es ist immer wieder faszinierend, auf welche Gedanken Menschen kommen und wie rücksichtslos sie dann an deren Umsetzung in die Tat arbeiten. Hector Wolff in „Der Totennäher“ einen Killer geschaffen, bei dem es einem eiskalt den Rücken hinunterläuft.

Die Story an sich war durchaus nach meinem Geschmack, die Umsetzung leider nicht so ganz. Wer bei Wortwiederholungen nicht so kleinlich ist wie ich, wird an dem Buch sicherlich mehr Spaß haben. Teilweise geht es dort hart zur Sache, ein zu nervöser Magen wäre da also eher hinderlich. Ich vergebe aus den oben genannten Gründen 3 von 5 Miezekatzen.

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