„Missetaten“ – Andrea Reinhardt

“ … Der Bauchraum lag offen, die Eingeweide hingen heraus, von einer dünnen Schneedecke bedeckt. William schluckte die aufsteigende Übelkeit hinunter. Er war pensionierter Arzt, hatte viele schreckliche Sachen gesehen. Doch dieses Bild übertraf alles. Der Körper der Leiche sah aus, als hätte jemand im Bauchraum herumgewühlt, um etwas Bestimmtes zu finden. …“

„Wenn du deine Untat geleugnet hast, wirst du keine Gnade erhalten.“

Als FBI- Sonderermittlerin Natalie Bennett noch mit den Folgen des letzten Falles zu kämpfen hat, wird das Team zu einem neuen prekären Fall gerufen.
Eine Leiche im DuPage County. Aufgeschlitzt, ein fehlendes Organ, abgelegt wie ein Stück Vieh. Es dauert nicht lang, bis eine zweite Leiche gefunden wird. Schnell wird klar: Es ist die gleiche Handschrift wie beim ersten Opfer.

Als ein zwölfjähriges Mädchen verschwindet, liefern sich die Ermittler einen Wettlauf mit dem Serienkiller. Denn er mordet in immer kürzeren Abständen- aus einem ganz bestimmten Grund.

Ein alter Mann entdeckt beim Spaziergang mit seinem Hund eine Blutspur im Schnee und an deren Ende eine übel zugerichtete Leiche, der Mann wurde förmlich aufgeschlitzt, ein Stück entfernt wird sein Darm gefunden.
Da Natalie nach ihrer Verletzung noch nicht wieder voll einsatzfähig ist, bekommt ihr Partner Alex einen anderen Kollegen an die Seite gestellt, mit dem er sich sofort in die Ermittlungen stürzt.
Das Opfer ist schnell identifiziert, liegt doch seine Brieftasche direkt neben ihm und ein Zettel mit der Aufschrift: „Gott hat nicht verziehen. Er hat seine Missetaten geleugnet.“
Wie sich herausstellt, ist der Tote auf dem Weg zum Arzt verschwunden, wird schon seit mehreren Monaten vermisst und bleibt nicht das einzige Opfer…

Nachdem ich „Teufelseltern“ verschlungen habe, dachte ich, warum nicht gleich mit dem Nachfolger weitermachen. Der steht dem ersten Band in nichts nach, diesmal geht es jedoch um eine andere Opfergruppe, die allerdings nicht weniger wehrlos ist als die Kinder im ersten Teil…

In der Fortsetzung spielt Natalie nicht unbedingt die Hauptrolle, natürlich steht der Fall im Vordergrund und an dem arbeitet sie allerdings nicht so wirklich mit, dafür schlägt sie sich mit ganz anderen Problemen herum. Ist sie nach all den Vorfällen überhaupt stabil genug, um wieder zu arbeiten? Und dann ist da noch die Sache mit ihrem Mann, von der sie noch nichts weiß. Alex wartet auf den richtigen Moment, denn irgendwann muss sie die Wahrheit erfahren…

Waren in „Teufelseltern“ noch Kinder die Leidtragenden, so trifft es auch in „Missetaten“ diesmal wieder eine bestimmte Gruppe, die gequält und gefoltert wird, allerdings spielt das Alter keine Rolle, von der über 60-jährigen Frau bis zum 12-jährigen Kind ist alles vertreten und auch hier lässt einen das Gewaltpotential und auch das Motiv des Täters wieder schlucken.
Selbst wenn man von Anfang an zu wissen glaubt, wer hinter all diesen Morden steckt, sollte man sich nicht zu sehr auf sein Gefühl verlassen, denn manchmal kommt alles anders…
Erneut ließ mich Andrea Reinhardt in die Welt von Natalie und Alex eintauchen, die die Ermittlung bei den schrecklichen Fällen übernehmen, na gut, eigentlich tut das eher Alex, aber auch mit ihm möchte ich genauso wenig tauschen wie mit seiner Kollegin, deren Welt aus den Fugen gerät. Ich leide mit ihr und auch wenn ich Natalies Ansichten nicht immer komplett teile, so kann ich sie doch sehr gut verstehen. Andrea Reinhardt hat es wieder geschafft, mich zum Nachdenken zu bringen. Wie würde ich in so einer Situation reagieren? Möchte ich wirklich darüber nachdenken?

PS: Auch dieses Buch hat  inzwischen ein neues Cover bekommen, um sich dem Look vom letzten Teil anzupassen, hier unterscheidet es sich allerdings nicht so sehr wie das vom ersten Teil.

Auch „Missetaten“ weiß zu überzeugen und zeigt einmal mehr, wozu Menschen fähig sind und wie sehr wir uns in ihnen täuschen können, manchmal ist das Böse erschreckend nah. Ja, Andrea Reinhardt hat es geschafft, mich zu überraschen, dafür vergebe ich 4 von 5 Miezekatzen.

01. „Teufelseltern“
02. „Missetaten“
03. „Wutschrei“

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