„Haus aus Salz und Tränen“ – Erin A. Craig

“ … Mit jeder Faser meines Körpers drängte es mich davonzulaufen, die Treppe hinunter und hinaus in die Kälte. Nur weg von dieser scheußlichen Kreatur, mich in Sicherheit bringen. Aber gab es so etwas wie Sicherheit überhaupt? Jedenfalls nicht auf dieser Insel und noch weniger in Highmoor. …“ (Seite 393)

Es waren einmal zwölf Schwestern. Die wunderschönen Töchter des Herzogs von Highmoor. Bis eine nach der anderen starb …
Wie schrecklich muss es gewesen sein, als Eulalie von den Klippen vor Highmoor in das kalte Meer hinabstürzte? Annaleigh kann nicht fassen, was ihrer Schwester zugestoßen ist. Vor allem nicht, weil schon drei ihrer älteren Schwestern ebenso plötzlich aus dem Leben gerissen wurden.
Jeder Tod war tragischer als der vorherige, und in den umliegenden Dörfern wird gemunkelt, dass ein Fluch über der Familie liegt.
Als ihre Schwestern erzählen, sie schleichen sich jeden Abend hinaus, um mit Prinzen auf prunkvollen Bällen bis zum Morgengrauen zu tanzen, wird Annaleigh misstrauisch: Mit wem – oder was – tanzen sie wirklich?

Einst waren sie zwölf Schwestern, inzwischen sind vier von ihnen tot. Im Leben der Töchter des Herzogs von Salann reiht sich eine Trauerzeit an die nächste, man trägt Schwarz und Vergnügungen sind verboten. Doch das soll sich ändern, die Mädchen wollen sich zurück ins Leben kämpfen. Und so schleichen sie sich nachts davon, um auf Bällen, zu denen sie ein magischer Durchgang bringt, all ihre Sorgen zu vergessen. Doch alles hat seinen Preis, auch durchtanzte Nächte …

„Haus aus Salz und Tränen“ ist in der All Age Reihe des Festa Verlages erschienen und genau da gehört es auch hin. Erin A. Craigs Debüt ist ein düstere Fantasy-Geschichte, in der jeder Märchenfreund sofort Parallelen zu „Die zertanzten Schuhe“ erkennen wird. Da sind Schwestern, die immer wieder nachts verschwinden und ständig neues Schuhwerk benötigen, da das alte im wahrsten Sinne des Wortes zertanzt ist und auseinanderfällt. Doch anders als bei den Grimms geht es für die Mädchen, die nach all der Trauer endlich wieder schöne Kleider tragen und sich auf die Suche nach einem Mann machen wollen, hier ums pure Überleben.
Von Anfang an ist da dieser düstere Unterton, das Buch beginnt mit der Beerdigung von Eulalie, die von einer Klippe gestürzt ist, doch Annaleigh glaubt nicht an Selbstmord, jemand muss sie gestoßen haben. Aber wer und warum?
Schritt für Schritt habe ich Annaleigh auf ihrem Weg begleitet und auch wenn sie manchmal etwas sehr naiv war, mochte ich sie, denn sie geht offen auf die Menschen zu und hinterfragt die Dinge, anstatt sie einfach nur hinzunehmen. Sie ist anders als ihre Schwestern, bei denen sich bald alles nur noch um prächtige Kleider und neue Schuhe dreht, (ab und an ist mir die Beschreibung der neuesten Ball-Outfits etwas zu viel des Guten) im Gegensatz zu ihnen versucht sie, einen Draht zur ihrer schwangeren Stiefmutter zu finden. Noch nicht ganz erwachsen, aber auch kein Kind mehr, springt sie zwischen beiden Welten hin und her und ahnt nicht, in welcher Gefahr sie schwebt.
Hin und wieder unternimmt die Autorin Ausflüge in die Geschichte ihrer Fantasiewelt, die aus verschiedenen Reichen mit ganz unterschiedlichen Bräuchen und Göttern besteht. So dreht sich in Annaleighs Heimat alles um das Salz, das aus dem Meer gewonnen wird. Cassius, der zufällig ihren Weg kreuzt und ihr von da an zur Seite steht, gehört zum vom Volk der Sterne. Diese kleinen Details ließen mich tiefer in die Geschichte eintauchen. Aber auch die Charaktere tragen ihren Teil dazu bei, da ist Morella, die ungeliebte Stiefmutter, der gebeutelte Vater Ortun oder Verity, die kleine Schwester, die man einfach ins Herz schließen muss.

„Haus aus Salz und Tränen“ entführt den Leser in eine Welt voller Geheimnisse, Traditionen und Intrigen, immer wieder stellt man sich die Frage, wem man trauen kann. Die Geschichte ist märchenhaft und düster, wenn man zum Buch greift, sollte man sich jedoch darüber im Klaren sein, dass es sich hier um Fantasy und nicht um Horror handelt. Wer sich darauf einlassen kann, den erwarten ein paar unterhaltsame Lesestunden mit interessanten Figuren, dafür gibt es von mir 4 von 5 Miezekatzen.

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