„Seiner Gnade ausgeliefert“ – Angel Gelique

„… Sie ist es leid, sich zu fragen, welche weiteren Gräuel ihr blühen. Sie ist es leid zu glauben, sie würde gerettet werden oder könnte eine Möglichkeit zur Flucht finden. Sie ist es leid, die Fliegen summen zu hören. Sie ist alles leid.
Aber Amber ist machtlos. … (Seite 202/203)

Als der ältere Mann in einer Bar mit Sophie und Amber flirtet, erscheint er ganz harmlos. Doch als sie ihn ignorieren, wird er sauer …
Ben entführt die beiden jungen Frauen und verschleppt sie in seine speziell eingerichtete Garage. Dort werden sie auf schreckliche Weise missbraucht …
Verzweifelt suchen die Frauen nach einem Weg zu entkommen. Doch Bens primitive Brutalität nimmt mit jedem Tag zu. Und unglücklicherweise ist seine Fähigkeit barmherzig zu sein genauso begrenzt wie sein Vorrat an Moral!

Sadismus pur. Für Horrorfans, die Mägen aus Stahl haben.

Diese Geschichte ist sehr verstörend. Bitte lass das Buch nicht in die Hände von Kindern oder Jugendlichen gelangen!

Ben rastet gern mal aus und obwohl seine Frau Mimi ein Lied davon singen kann, ist sie immer noch bei ihm. Bei seinen regelmäßigen Ausflügen in die Kneipe trifft er auf zwei junge Frauen auf der Durchreise, die auf seine plumpen Annäherungsversuche zwar höflich, aber dennoch abweisend reagieren. Als echter Kerl kann er das natürlich nicht auf sich sitzen lassen und beschließt, die beiden zu entführen und ihnen eine Abreibung in seiner Garage, seiner „Männerhöhle“ (der Originaltitel des Buches ist treffenderweise „Man Cave“) zu verpassen. …

Wie schon  die „Hillary“ Reihe von Angel Gelique, so wird auch „Seiner Gnade ausgeliefert“ mit Sicherheit die Leserschaft spalten. Das Cover erinnert nicht umsonst an einen Torture Porn und auch die Warnung auf dem Klappentext hat durchaus ihre Berechtigung, wer das Buch zur Hand nimmt, sollte also wissen, was auf ihn zukommt. 
Ich war zuerst einmal gespannt, denn mit der oben genannten Reihe habe ich mich etwas schwer getan, der erste Band hat mich nicht so recht begeistert, allerdings ging es dann bergauf. Aber auch hier habe ich wieder ein Problem, die Erzählperspektive. Ich habe eigentlich nichts gegen Ich-Erzähler, das darf auch gern der Killer sein, denn normalerweise fühlt man sich dann direkt in seinen Kopf versetzt uns folgt seinen, meist doch etwas abstrusen, Gedankengängen. Ben ist allerdings nur ein primitiver, vulgärer Perversling und seine Ausdrucksweise hat mich immer mehr genervt.  Ja, sie passt zum Geschehen, aber sie ist einfach nur dumpf und platt und immer wieder habe ich das Gefühl, es geht der Autorin mehr darum, alle Register bei physischer und seelischer Folter zu ziehen, als eine Geschichte zu erzählen. Versteht mich nicht falsch, ich habe nichts gegen etwas derbere Literatur, aber Gewalt nur um der Gewalt willen ist nicht so unbedingt mein Ding, ich persönlich hätte hier einfach gern ein wenig mehr Hintergrundgeschichte gehabt.
Doch auch die Charaktere bleiben mir ein wenig zu flach, Ben ist einfach nur durch und durch böse, seine Frau die kleine graue Maus, die sich immer ganz tief duckt und Amber und Sophie die typischen Opfer, zwei wehrlose junge und vor allem hübsche Frauen, die sich nur amüsieren wollten und nie
mandem etwas getan haben. Wobei ich gestehen muss, dass ich Sophie irgendwie mehr mochte als ihre Freundin, auch wenn sie die Naivere war.
Ich glaube, als Frau liest man das Buch mit etwas anderen Augen als ein Mann, schon allein, weil man die Schmerzen in einem gewissen Maße nachempfindet, trotzdem ertappe ich mich immer wieder dabei, dass ich mir denke, nee sorry, das ist mir jetzt etwas zu viel des Guten. Ja, der menschliche Körper kann eine Menge aushalten, aber irgendwann ist einfach Schluss. So ein bisschen fühlte ich mich an Monica O´Rourkes „Quäl das Fleisch“ erinnert, wo die Protagonistin halbtot zum Rambo mutierte. Gut, vielleicht bin ich zu pingelig, aber mich stört sowas einfach.
„Seiner Gnade“ ausgeliefert“ ist in der Festa Extrem Reihe erschienen und genau da gehört es hin, bisher ist es das einzige Buch dort, dass nochmal eine Extrawarnung auf dem Klappentext hat spendiert bekommen hat. Es gibt da tatsächlich die eine oder andere Szene, die das durchaus rechtfertig, auch wenn diese Bücher natürlich generell nicht in die Hände von Kindern und Jugendlichen gehören.
Und am Ende noch zwei klitzekleine Spoiler.
Erstens: Im Nachwort schreibt Angel Gelique etwas von einer Fortsetzung, in welche Richtung die gehen könnte, lässt sich ja bereits erahnen. „Woman Cave“ ist für 2021 angekündigt, schauen wir mal, was daraus wird.
Zweitens: Wer Kinder oder gar Babys hat, sollte sich vorher genau überlegen, ob das die richtige Lektüre ist, nur so als kleinen Tipp am Rande. 

Natürlich habe ich von „Seiner Gnade ausgeliefert“ keine tiefgründige Story erwartet und das Buch hat mich auch durchaus unterhalten, aber vom Hocker gerissen hat es mich eben nicht. Und so tue ich mich mal wieder etwas schwer, hier eine Bewertung abzugeben. Wer es brutal mag, kommt hier mit Sicherheit auf seine Kosten, vorausgesetzt, er ist etwas härter im Nehmen. Mir persönlich lag der Fokus allerdings ein bisschen zu sehr auf den Folterszenen, alles drumherum ist mir etwas zu kurz gekommen und darum vergebe ich 3 von 5 Miezekatzen.

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