„Dark Erotic“ – John Everson

“ … Seit jeher haben mich die Gefahren von Obsessionen angezogen. Wie oft ist es das obsessive Streben nach Lust, das uns vom Pfad der Vernunft ins Land des Unvorstellbaren, Entsetzlichen, Herzzerreißenden leitet. Besessenheit kann dazu führen, dass man seine Seele verkauft oder sogar tatsächlich Körperteile opfert. Sie kann einem den Verstand rauben. Einen in die tiefste Hölle bringen. … (Seite 10)

Wenn ein Privatdetektiv in einem Sex-Club ermittelt, braucht er da unbedingt eine Waffe?
Und Hexen sind nicht immer alte, runzlige Frauen …

John Everson hat in diesem Band 21 Albträume gesammelt, darunter die Novelle FELD DES FLEISCHES, die Fortsetzung seines erfolgreichen Romans NIGHTWHERE.
Irgendwo in seinen Geschichten lauert oft das Übernatürliche, gut verborgen hinter dem ganz alltäglichen Horror und der düsteren Erotik. Eine Mischung, die den besonderen Reiz dieser Erzählungen ausmachen.

John Everson nimmt den Leser stolze 21 x mit auf die Reise in die Welt düsterer Begierden, wo der blanke Horror meist nur einen Schritt entfernt lauert.
Geld, Lust, Gier, all diese Dinge lassen uns manchmal Entscheidungen treffen, die wir später meist bitter bereuen.

Folgende Kurzgeschichten sind in „Dark Erotic“ enthalten:
Feld des Fleisches
• Blutrosen
• The Mouth
• Bis zum letzten Tropfen
• Drachensaat
• Der Kürbis
• Jungfrauenopfer
• Star on the Beach
• Der Anfang war das Ende
• Was immer du willst
• Knochenkäfig
• Der Jahrestag
• Grüne Scherben
• Festgenagelt
• In Memoryum
• Füreinander geschaffen
• Der Cemetery Man
• Ein totes Mädchen am Straßenrand
• Loslassen
• Dann soll Luzifers Herrschaft enden
• Sing Blue Silver

Ich muss gestehen, ich hatte ein bisschen Angst vor diesem Buch, denn Erotik ist jetzt nicht unbedingt mein Thema und weder „NightWhere“ noch „Die Dreizehnte“ von John Everson haben mich vom Hocker gehauen. Und dann auch noch Kurzgeschichten, denen steh ich ja eh schon kritisch gegenüber. Viel habe ich mir also von „Dark Erotic“ also nicht versprochen, als ich letzten Samstag zu lesen anfing und dann war ich am Sonntag Abend durch. Vielleicht sollte ich noch  dazusagen, dass das Buch mit fast 500 Seiten schon ein ganz schöner Klopper ist.^^
Dabei wäre vielleicht noch anzumerken, dass die erste Geschichte die Fortsetzung von „NightWhere“ ist, während die letzte zumindest indirekt mit dem „Club“ zu tun hat.
Natürlich geht es auch in „Dark Erotic“ um Sex, in den meisten Fällen sogar um recht blutigen, allein das ist thematisch nicht unbedingt für jeden geeignet und dennoch erzählt Everson abgesehen von den erotischen Eskapaden auch immer eine Geschichte. Gut, die war jetzt nicht immer ganz so nach meinem Geschmack, aber gerade „Feld des Fleisches“ und „Blutrosen“ fand ich toll, wobei ich bei der ersten Story recht schnell erahnte, worauf das Ganze hinausläuft.
Horror und Sex sind eine interessante Paarung, die beiden verstehen sich, aber nicht immer läuft alles glatt, zu oft habe ich Storys gelesen, die irgendwann in plattes Rumgevögel abdriften, hier muss ich sagen, dass John Everson beide Genre geschickt miteinander verwoben hat, so dass die Sexszenen tatsächlich die Handlung vorantreiben.
Dafür gibt es zu den Charakteren nicht viel zu sagen, bei Kurzgeschichten ist es immer schwer, die Figuren ordentlich auszuarbeiten, das ist natürlich vor allem der Länge geschuldet, oder besser der Kürze. Und bevor ich es vergesse, ich finde das Cover sehr gelungen, das musste jetzt noch gesagt werden.^^
„Dark Erotic“ ist im Festa Verlag als Sammlerausgabe erschienen, limitiert auf 999 Exemplare und  von Autor signiert. 

Was soll ich noch groß zum Buch sagen? „Dark Erotic“ ist nicht mein Favorit bei den Sammlerausgaben, der wird wohl immer „Der Schmerz des Erwachens“ bleiben, aber dafür, dass ich keine sonderlich hohen Erwartungen hatte, hat mich das Buch positiv überrascht. Auch wenn es in allen Geschichten mehr oder weniger um Sex und Horror geht, so sind sie dennoch abwechslungsreich und vor allem nicht plump geschrieben, das ist etwas, was mich persönlich immer total abschreckt. Mir bleibt also nichts anderes zu sagen als Daumen hoch und ich vergebe 4 von 5 Miezekatzen.

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