„Blutbringer“ – Paul Cleave

“ … Ich sehe den Laden, in dem ich meinen ersten und einzigen Anzug gekauft habe, komme an dem Friseur vorbei, zu dem mein Vater mich immer brachte. Ich fahre quer durch meine Lebensgeschichte und spüre Stiche im Herzen, weil ich bedaure, dass ich fortgehen musste. …“ (Seite 88)

Als die siebenjährige Alyssa entführt wird, setzt der Aufrechte Polizist Noah Harper alles daran, sie zu befreien – und verfällt dabei in einen hemmungslosen Blutrausch. Noah rettet das Mädchen, aber er übertritt eine Grenze und verliert alles. Seinen Job, seine Frau, seine Freunde. Und auch sich selbst.
Zwölf Jahre später: Noah hat ein neues Leben begonnen. Ein unheilvolles Leben mit Geheimnissen, an die keiner rühren sollte. Wie aus dem Nichts erreicht ihn eine Nachricht, die schreckliche Folgen nach sich zieht. Alyssa ist wieder verschwunden. Um sie zu retten, muss Noah den Tod bringen … nichts Neues für ihn. Blut soll fließen.

Als seine Ex-Frau Noah anruft und ihm mitteilt, dass Alyssa vermisst wird, kann er nicht anders, er muss in seine Heimatstadt zurückkehren. Dort hat er das Mädchen damals vor einem schrecklichen Schicksal bewahrt, doch das hat ihn viel gekostet. Dennoch ist er überzeugt davon, dass er richtig gehandelt hat, denn Alyssas Aufenthaltsort hat er nur durch Folter herausgefunden und sein Opfer war niemand anders als der Sohn des Sheriffs.

Ich liebe Paul Cleaves Christchurch Reihe, noch nie war mir ein Killer sympathischer als Joe und ja, ich weiß, ich hab ein Rad ab.^^ Als „Blutbringer“ erschien, hab ich mir das Buch natürlich gleich zugelegt, bin aber erst jetzt zum Lesen gekommen und was soll ich sagen?
Vielleicht gleich zu Beginn, dass ich den deutschen Titel total doof finde, „Whatever it takes“ hätte man auch übersetzen können, denn der Originaltitel trifft den Nagel auf den Kopf. Aber nun ja, das mit den deutschen Buchtiteln ist so eine Sache für sich, also zurück zum Buch.
Auch „Blutbringer“ ist wieder dreckig und düster, fast schon hoffnungslos. Als Noah nach all den Jahren in seine Heimatstadt zurückkehrt, ist ihm klar, dass man ihn nicht mit offenen Armen empfangen wird, immerhin hat er damals den Sohn des Sheriffs gefoltert und er bereut seine Tat bis heute nicht. Doch er hat teuer dafür bezahlt, zögert aber keine Sekunde mit seiner Rückkehr, denn er hat Alyssa damals versprochen, immer für sie da zu sein. Erinnerungen kommen hoch, an glückliche Zeiten, seinen Job als Polizist und irgendwie fühlt er sich tatsächlich zu Hause. Doch das Gefühl trügt, denn nichts ist mehr so, wie es mal war und das kleine Städtchen und seine Einwohner haben Geheimnisse, dunkle Geheimnisse …
Warum Noah so als Bad Boy verdammt wird, kann ich irgendwie nicht nachvollziehen, ja, er hat keine Probleme damit, seine Fäuste sprechen zu lassen, aber das tut er nicht ohne Grund. Das heißt keinesfalls, dass ich Folter gutheiße, aber der Mann versucht zu helfen, wo er nur kann und hat das Herz am rechten Fleck, ich mochte ihn. Oder bin ich einfach zu abgestumpft?
Viel erschreckender finde ich persönlich inzwischen Kleinstädte und deren Bewohner, denn da tun sich oft Abgründe auf und nichts ist, wie es scheint.

Wer auf Charaktere steht, die nicht lange fackeln, sondern das Recht in die eigenen Hände nehmen, ist mit „Blutbringer“ bestens bedient. Der Autor bleibt auch hier seinem Stil treu, allerdings hab ich diesmal den schwarzen Humor ein bisschen vermisst, dennoch ist das Buch für mich ein typischer Cleave. Die kann ich bisher alle weiterempfehlen und vergebe 4 von 5 Miezekatzen.

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