„Playlist“ – Sebastian Fitzek

… “ Willst du mich verarschen?“ Alina zog ihr Sweatshirt hoch. Ihr Bauchnabel wurde von einer etwa zehn Zentimeter langen, zackenförmigen Narbe geteilt. „Das habe ich mir eingefangen, als wir das letzte Mal ein Mädchen befreit haben. Und das ist nur das sichtbare Andenken, das ich unserer Bekanntschaft verdanke.“ … (Seite 60)

Musik ist ihr Leben. 15 Songs entscheiden, wie lange es noch dauert

Vor einem Monat verschwand die 15-jährige Feline Jagow spurlos auf dem Weg zur Schule. Von ihrer Mutter beauftragt, stößt Privatermittler Alexander Zorbach auf einen Musikdienst im Internet, über den Feline immer ihre Lieblingssongs hörte. Das Erstaunliche: Vor wenigen Tagen wurde die Playlist verändert. Sendet Feline mit der Auswahl der Songs einen versteckten Hinweis, wohin sie verschleppt wurde und wie sie gerettet werden kann? Fieberhaft versucht Zorbach das Rätsel der Playlist zu entschlüsseln. Ahnungslos, dass ihn die Suche nach Feline und die Lösung des Rätsels der Playlist in einen grauenhaften Albtraum stürzen wird. Ein gnadenloser Wettlauf gegen die Zeit, bei dem die Überlebenschancen aller Beteiligten gegen Null gehen …

Feline Jagow wurde entführt und ihre Mutter heuert Alexander Zorbach an, der kurz vor Antritt seiner Gefängnisstrafe steht. Als er feststellt, dass auch Alina das verschwundene Mädchen kennt, versucht er sie mit ins Boot zu holen. Doch sie zögert, immerhin hat ihr die Zusammenarbeit mit Zorbach in der Vergangenheit nichts als Kummer und Schmerz gebracht. …

Ein verzweifelter Vater, wird nachts im strömenden Regen zu einem Lieferwagen vor der Haustür gelotst, findet darin seine vor Wochen entführte Tochter und kehrt ins Haus zurück, ohne sie zu befreien. Natürlich fragt man sich als Leser sofort, was da los ist. Der Einstieg ins Buch ist also schon mal perfekt.
Außerdem sind Alexander Zorbach und Alina aus „Der Augensammler“ und „Der Augenjäger“  zurück, ach was hab ich mich auf das Wiedersehen gefreut, denn beide Bücher fand ich damals wirklich gut. Aber
war die Vorfreude berechtigt? Seit „Noah“ haben mich Fitzeks Thriller nicht mehr so wirklich vom Hocker gerissen, zu wirr, für mich teilweise unlogisch. Bei „Der Heimweg“ dachte ich tatsächlich, das könnte ein Buch für mich werden, ein Irrtum. Trotzdem kann ich es irgendwie nicht lassen, die Neuerscheinungen zu kaufen und darauf zu hoffen, das Sebastian Fitzek zu seiner alten Form (und für mich besseren Form) zurückfindet. 

„Playlist“ ist zumindest ein Schritt auf dem Weg dahin, auch wenn ich erneut vieles an den Haaren herbeigezogen fand. Ein Mädchen wird entführt, okay, bis hierhin kann ich noch folgen. Aber welche 15-jährige kommt denn bitte auf so eine Idee? Und das, wo bei ihr zu Hause sozusagen Technikverbot herrscht. Woher hat sie das Wissen dazu? Mehr dazu zu schreiben, ohne zu spoilern ist leider nicht möglich, aber ab hier fand ich die ganze Sache schon wieder dezent unglaubwürdig. Ebenso wie das Verhalten von Felines Familie, aber vielleicht sehe nur ich allein das so. Auch die „Ambrosio“ Klinik finde ich persönlich etwas zu viel des Guten. Warum muss immer alles so auf die Spitze getrieben werden? Manchmal wäre etwas weniger mehr.
Alexander und Alines erneute, wenn auch erzwungene Zusammenarbeit hingegen kann ich nachvollziehen und die Rückblicke auf ihre gemeinsame Vergangenheit waren für mich sozusagen der Höhepunkt des Buches. Nein, nicht die Playlist selbst, denn mal abgesehen davon, dass die Titel nicht unbedingt meinem Musikgeschmack entsprechen, wird in sie so viel hineininterpretiert und dann? Irgendwie enttäuschend, so wie die gesamte Aufklärung. Am Schreibstil hingegen gibt es nichts auszusetzen, über den einzelnen Kapiteln stehen die Namen der jeweiligen Figuren, denen man als Leser folgt, wobei Zorbach natürlich die Rolle des „Helden“ und Ich-Erzählers zukommt. 
Apropos Playlist, ich verstehe das Aufhebens darum nicht, immerhin haben auch vorher schon Autoren mit Musik oder Songtexten gearbeitet. Gut, Sebastian Fitzek hat das auf eine neue Ebene gehoben, aber erfunden hat er es nicht, genau das wird einem hier aber irgendwie suggeriert und stört mich irgendwie. Und auch wenn mir „Playlist“ definitiv besser gefallen hat als „Der Heimweg“, fehlt mir der alte Fitzek nach wie vor. Der neue ist ein perfekter Entertainer, Hut ab davor, keiner schafft es, seine Bücher so zu inszenieren, seine Lesungen sind ein Augen- und Ohrenschmaus, genau das hätte ich gern mal wieder bei seinen Geschichten.  

Nein, „Playlist“ ist kein schlechter Thriller, auch wenn ich viel zu meckern hab, aber für mich kommt auch Sebastian Fitzeks neustes Werk einfach nicht an seine alten Bücher heran. Und trotzdem bin ich ein Opfer und kaufe jedes gleich nach Erscheinen, nur um mich dann wieder zu ärgern, dass ich nicht aufs Taschenbuch gewartet habe. Dafür hat die erste Auflage diesmal einen roten Buchschnitt, also schick ist das Teil schon.^^
Unterm Strich bleibt ein solider Thriller, der meiner Meinung nach etwas zu sehr gehypt wird. Allerdings gibt es für Zorbachs und Alinas Rückkehr von mir einen Daumen nach oben, ebenso dafür, dass uns mal wieder vor Augen geführt wird, wie wichtig Musik im Leben ist und so vergebe ich 3,5 von 5 Miezekatzen.

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