„Radioactive: Die Verstoßenen“ – Maya Shepherd

“ … Unsere Augen erstrahlen alle in der Farbe RAL 5012, Lichtblau, während unsere Haut eher den Farbton RAL 3012 aufweist, Beigerot. Selbst unsere Schrittgeschwindigkeit ist identisch. Im gleichen Takt bewegen wir unsere Füße über den grauen Boden, bestehend aus Stahlplatten. …“

Nach dem Dritten Weltkrieg gleicht die Erde einem Trümmerfeld. Die letzten überlebenden Menschen haben sich in Sicherheitszonen verbarrikadiert, um sich vor der radioaktiven Strahlung zu schützen. Ein Überleben ist nur nach strengen Regeln und Gesetzen möglich. Es gibt weder Eigentum noch einen eigenen Willen. Die Legionsführer nehmen den Menschen jede Entscheidung ab. In dieser Welt ist kein Platz für Gefühle. Die Menschen leben nur noch um zu funktionieren, deshalb tragen sie Nummern statt Namen. D518 ist eine von ihnen. Geboren in dieser zerstörten Welt, hat sie nie ein anderes als dieses von Kontrolle bestimmte Leben kennengelernt. Dies ändert sich schlagartig, als sie von Gegnern der Regierung entführt wird. Alles, woran sie bisher geglaubt hat, stellt sich als eine Lüge heraus.

Aufstehen um Punkt 7.00 Uhr, 10 Minuten Zeit für die täglich angepasste Portion Cerealienwürfel,  Tag für Tag derselbe Ablauf. Alle sehen gleich aus und doch ist etwas anders, denn D518, bisher eine Rote, eine Heranwachsende, hat muss zum Test, der darüber entscheidet, welcher Berufung sie ab sofort nachgehen wird. Sie möchte eine Grüne werden, in den Laboren arbeiten, doch sie landet bei den Braunen in der Nahrungsmittelzuweisung. Die Arbeit ist langweilig und stupide, bis Fremde in den Komplex eindringen und sie entführen.
D518 kommt in einer völlig fremden Umgebung unter freiem Himmel zu sich, den sie nur von Bildern kennt. Dort gibt es Menschen, die alle unterschiedlich aussehen und sogar Tiere, die als ausgestorben gelten. Haben die Legionsführer gelogen?

„Radioactive: Die Verstoßenen“ von Maya Shepherd habe ich bereits Ende des letzten Jahres gelesen, nun bin ich endlich dazu gekommen, meine Eindrücke in Worte zu fassen. Die Dystopie unterscheidet sich doch sehr von den Grimm-Chroniken, hier ist nichts mit Märchen und Zauber, es geht um das Überleben nach dem dritten Weltkrieg.
D518 lebt in einer Gesellschaft, in der alles durchgeplant ist, vom Schlaf übers Essen bis hin zur Paarung. Der geregelte Tagesablauf gibt ihr Sicherheit, auch wenn sich ab und an der kleine Rebell in ihr meldet. Dann wird sie entführt und landet in einer ihr völlig unbekannten Welt und will nur eins: so schnell wie möglich zurück nach Hause. Doch die Leute, die sie entführt haben, haben andere Pläne mit ihr und so wird aus D518 Cleo.

Ich muss gestehen, ich weiß nicht so recht, was ich von Cleo halten soll. Herausgerissen aus ihrer bekannten Umgebung muss sie feststellen, dass alles, woran sie bisher geglaubt hat, eine Lüge ist und trotzdem will sie unbedingt zurück in ihr tristes, ereignisloses Leben, warum? Natürlich fühlt sie sich hin- und hergerissen, aber ab und an war mir ihr Gefühlschoas doch ein bisschen zu viel. Iris, ehemals FF701, das kleine Mädchen, dass mit ihr verschleppt wurde, genießt ihr neues Leben, Cleo hingegen bleibt misstrauisch. Gut, damit hat sie gar nicht so unrecht, denn ihre Entführer haben Pläne mit ihr. So sympathisch mir Florance, Pep & Jep, Paul und die anderen auch waren, ein bisschen habe ich sie dafür tatsächlich gehasst. Finn hingegen fand ich von Anfang an sehr durchschaubar, der gemeine Junge, der die Heldin vom ersten Moment an hasst, natürlich wissen wir alle, wie das endet. Dennoch ist er mein Lieblingscharakter im Buch. Wo Cleo in Selbstmitleid zerfließt, was manchmal ein bisschen nervig ist, scheint er hart und gefühllos zu sein, aber der erste Eindruck bestätigt sich nicht immer.
Das Setting für ihre Geschichte hat die Autorin perfekt gewählt, zwei Welten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten und Cleo, die zwischen ihnen steht. Für welce wird sie sich entscheiden?  Auch Mayas Schreibstil weiß, wie üblich, zu gefallen, da kann man über die paar Fehler im Buch getrost hinwegsehen. Die Figuren sind glaubwürdig, auch wenn mich Cleo hin und wieder mal die Augen verdrehen ließ, aber so ist sie halt, die Jugend von heute. Oder sollte ich besser morgen schreiben?^^

Mit dem ersten Band der „Radioactive“ – Reihe hat mich Maya Shepherd wieder überzeugt und ich bin gespannt, wie es mit Cleo und natürlich Finn weitergeht. An sich bin ich ja bekanntlich kein Freund von Liebesgeschichten. Auch hier gibt es eine Romanze, allerdings steht aber nicht im Vordergrund und damit kann ich für meinen Teil sehr gut leben, so ganz herzlos bin ich halt auch nicht und deswegen gibt es von mir 4 von 5 Miezekatzen für den ersten von vier Bänden, schauen wir mal, was der Rest bringt. Wer Dystopen mag, kann hier bedenkenlos zugreifen.

01. „Die Verstoßenen“
02. „Die Vergessenen“
03. „Die Verlorenen“
04. „Die Vereinten“

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