„Schlachthaus“ – Hunter Shea

“ … Ihm fiel die Vorstellung schwer, dass das Hayden einst von Licht und Leben erfüllt gewesen war. Immer wenn er sich einen der zufriedenen Touristen vorstellte, löste sich das Bild sofort auf wie Papier in Säure.
Stattdessen tauchte der Wraith auf, der Ashs Freunde verfolgte und schließlich ermordete. Ein paarmal blieb Todd stehen, weil er glaubte, Schreie zu hören, bis ihm klar wurde, dass seine Fantasie mit ihm durchging. …“ (Seite 160)

Todd Matthews ist fassungslos: Seine Verlobte Ashley hat sich erhängt!
Hat ihr Selbstmord etwas mit dem Resort-Massaker zu tun, das sich vor fünf Jahren ereignete? Damals erkundete Ashley zusammen mit Freunden ein verlassenes Hotel, bis der irre Wraith-Schlitzer über sie herfiel. Er ermordete alle … alle, bis auf Ashley …
Sie hinterließ einige Hinweise, was in dieser Nacht wirklich passiert ist. Deshalb kehrt Todd in das verfallene Hayden Resort zurück. Er will die Identität des Killers enthüllen – was er herausfindet ist jedoch nicht das, womit er gerechnet hat.

Ashley war ein Final Girl, bekannt und von vielen bewundert, weil sie als Einzige das Massaker im Hayden Resort überlebte. Mit Freunden war sie vor 5 Jahren in den verlassenen Komplex eingestiegen und von einem irren Killer, dem Wraith, überrascht worden. Bevor die Ruine abgerissen wird, unternimmt ihr VerlobterTodd einen Ausflug dorthin, er will seiner Freundin noch einmal nahe sein. Doch das Gelände ist nicht so verlassen, wie es scheint und der Ausflug nimmt eine blutige Wende …

Der Klappentext zu „Schlachthaus“ las sich toll, die Leseprobe auch, es musste also unbedingt bei mir einziehen und so habe ich, nachdem ich am Wochenende meinen „Stranger Things“ und „The Boys“ Marathon hinter mich gebracht hatte, zum Buch gegriffen.
Die beiden Filmzitate am Anfang ließen mein kleines Horrorherzchen höher schlagen und bis ungefähr zur Mitte hat mich die Geschichte auch tatsächlich gefesselt. Der Leser lernt Todd kennen, der nach dem Selbstmord seiner Freundin in Selbstmitleid versinkt. Doch dann erfährt er, dass der Resort dem Erdboden gleich gemacht werden soll, dabei hat er noch so viele Fragen, auf die er dort eine Antwort zu finden hofft.
Bis dahin hat mich Hunter Shea in der Hand, ich trauere mit Todd, bereite mich schließlich auf den Ausflug vor und dann passiert etwas, dass mir das ganze Buch madig gemacht hat. Es kündigt sich vorsichtig an und ich denke mir noch, bitte nicht, nicht schon wieder, aber es lässt sich nicht mehr aufhalten. Mein Interesse am Fortgang der Geschichte nimmt immer mehr ab, für mich tun sich Logiklöcher auf, die man eigentlich gar nicht übersehen kann. Und dabei hatte doch alles so vielversprechend angefangen…
Natürlich werde ich hier nicht darauf eingehen, was mir die Laune komplett verdorben hat und kann mich so auch nicht zu den Plotholes äußern, aber die ganze zweite Hälfte ist für mich ein komplettes Fiasko, da retten auch schön in Szene gesetzte Kills nichts mehr. Wer am Ende auf eine Erklärung hofft, wird ebenfalls enttäuscht sein, denn statt eines „Wieso? Weshalb? Warum?“ gibt es hier nur ein „Friß oder stirb!“, ein weiterer Minuspunkt für mich.
Doch es gibt auch Dinge, die mir gefallen haben. Hunter Shea lässt sich viel Zeit beim Aufbau seiner Charaktere, man versteht ihr Handeln, schließt sie ins Herz, nicht besonders vorteilhaft bei einem Slasher.^^ Auch sein Schreibstil weiß durchaus zu überzeugen, ja „Schlachthaus“ und ich, wir hätten durchaus Freunde werden können, wenn da diese Sache nicht gewesen wäre, die für mich alles kaputtgemacht hat.

Slasher-Freunde werden durchaus ihre Freude an „Schlachthaus“ haben, solange sie keinen Wert auf Logik oder Erklärungen legen. Beides ist für mich nicht immer unbedingt nötig, manchmal reicht mir ein bisschen Gemetzel schon aus, aber hier kann ich über all die Ungereimtheiten einfach nicht hinwegsehen, nennt mich ruhig kleinlich. Weil mir die erste Hälfte des Buches sehr zugesagt hat, reicht es am Ende mit Hängen und Würgen für 3 von 5 Miezekatzen, weiterempfehlen würde ich persönlich das Buch jedoch nicht.

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