„…»Die meisten Dinge im Leben unterliegen unserem eigenen Willen, auch wenn wir das gern abstreiten und die Schuld von uns schieben wollen. Am liebsten beschuldigen wir das böse Schicksal oder andere Menschen. Hauptsache wir müssen uns nicht mit den eigenen Dämonen auseinandersetzen.« …“
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Sie sind Kriegsflüchtlinge, Verfolgte, vom Schicksal Gebeutelte … Kaum sind sie dem einen Albtraum entkommen, finden sie sich im nächsten wieder – und diesmal gibt es keine Rettung.
Mit viel Glück und Ausdauer gelingt es der jungen Daja, den menschenunwürdigen Zuständen in ihrem Heimatland Syrien zu entkommen. Nach einer langen, entbehrungsreichen Flucht durch die Wälder Weißrusslands erreicht sie erschöpft, aber glücklich ihr Traumland Deutschland. Sie ahnt jedoch nicht, dass die Hilfsbereitschaft der fremden Männer, die sie und die schwangere Tamika aus dem Kongo am Straßenrand auflesen, nur gespielt ist.
Was ihre vermeintlichen Retter wirklich im Schilde führen und welch unaussprechliches Grauen sie im Grenzhauses erwartet, übersteigt alles, was sich die traumatisierte Daja in ihren schlimmsten Fantasien vorstellen konnte. Als eine der Hauptattraktionen im Red Room – einem berüchtigten interaktiven Folter- und Tötungs-Livestream im Darknet – steht nicht weniger als ihr Leben auf dem Spiel. Wird sie gewinnen oder wird sie am Ende in einem anonymen Massengrab enden, wie schon so viele vor ihr?
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Als Daja aus Syrien flieht, ist sie voller Hoffnung. Ihr Ziel ist Deutschland, doch schon der Weg dorthin wird zum Albtraum. Glücklich, endlich angekommen zu sein, gerät sie in die Fänge von Menschenhändlern und landet im Grenzhaus, wo der wahre Horror auf sie wartet.

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Daja ist aus ihrer Heimat Syrien geflüchtet und nach einer langen und gefährlichen „Reise“ endlich am Ziel angekommen, in Deutschland, wo die Schleuser sie in einem Wald zurücklassen. Doch Daja macht sich keine Gedanken, schließlich hat sie gehört, dass die Menschen dort helfen und so macht sie sich keine Gedanken, als sie zu zwei Männern in einen Kastenwagen steigt, ein großer Fehler. So landet sie im Grenzhaus, in dem ein Menschenleben nichts zählt und die „Gäste“ nur zur Befriedigung niedrigster Instinkte dienen.
Auch Marek verschlägt es in jenes Haus, allerdings auf der anderen Seite. Er war schon immer ein Problemkind und hat einen Großteil seiner Kindheit im Heim verbracht. Die Begegnung mit seinem 12 Jahre älteren Cousin ändert sein Leben jedoch komplett, denn Damian führt ein erfolgreiches Business, in das jetzt auch Marek einsteigen soll. Anfangs sind es nur Botengänge, doch Schritt für Schritt wird er weiter ins Geschäft eingeführt und um seine Loyalität zu beweisen, landet er schließlich im Grenzhaus, Damiens größter Einnahmequelle.
Im Gegensatz zu „Zeiten des Verfalls“, dem mir das typische Simone Trojahn Feeling gefehlt hat, haut „Das Grenzhaus“ wieder voll rein und dieses miese Gefühl in der Magengegend ist von der ersten Seite an da. Schon Dajas Flucht nach Deutschland ist Horror pur und auch wenn bereits da einige Mitglieder ihrer Gruppe sterben, ist es, verglichen mit dem, was sie noch erwartet eher ein Spaziergang. Die junge Frau hat also schon vor der Ankunft im Land ihrer Träume viel mitgemacht, umso erschreckender ist das, was sie schließlich dort erwartet.
Auch Marek hat es im Leben nicht leicht gehabt. Als er volljährig aus dem Heim kommt und von Damian einen Job angeboten bekommt, sieht er erstmal nur die viele Kohle, die seine Taschen füllt, muss aber schon bald erkennen, dass sein Cousin statt der erhofften Rettung eher sein Untergang ist, denn er rutscht immer tiefer in dessen schmutzige Geschäfte. Und obwohl er weiß, dass das, was er tut unmenschlich ist, kann er diesem teuflischen Kreislauf nicht entfliehen. Denn er weiß, sobald er sich gegen Damian stellt, ist er ein toter Mann.
Was passiert, wenn zwei so kaputte Figuren aufeinander treffen, zeigt Simone Trojahn in „Das Grenzhaus“. Hier wird nichts beschönigt, es geht um Menschenhandel, Snuff Filme fürs Darknet, Gewalt gegen Kinder und mitten in diesem blutigen Elend stehen sich zwei junge Menschen gegenüber, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch etwas gemeinsam haben.
Die beiden Protagonisten sind sehr gut ausgearbeitet, haben eine Vergangenheit, die ihre Handlungen erklärt und Träume, die nun unerreichbar scheinen. Sie sind gefangen in einer Lage, in die sie sich irgendwie selbst gebracht haben und der sie nun nicht mehr entkommen können.
Gut, „Das Grenzhaus“ bietet jetzt keinen sonderlich überraschenden Plot, man ahnt recht schnell, worauf alles hinausläuft, aber das tut der Geschichte keinen Abbruch, man ist einfach viel zu sehr damit beschäftigt, immer wieder angeekelt die Augen zu verdrehen und mit Daja mitzufiebern. Oder man möchte Marek schütteln, ihn anschreien, damit er endlich aufwacht. Doch so sehr man für sie auch hofft, die Spirale dreht sich unaufhörlich nach unten und zieht beide mit.
Und falls es bis jetzt noch immer nicht klar sein sollte, das Buch ist harter Tobak und definitiv nicht für jeden geeignet, aber für mich eben auch eines der fesselndsten der Autorin, die ihre Leser auf einen sehr dunklen und blutigen Trip schickt, der nebenbei auch noch dafür sorgt, dass man manche Dinge mal aus einen etwas anderen Blickwinkel sieht.
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Puh, was für ein Ritt. Simone Trojahn führt ihre Leser an den Rand des Erträglichen und darüber hinaus, darüber sollte man sich im Klaren sein, bevor man nach diesem Buch greift. Es rüttelt auf, allerdings auf eine sehr brutale, blutige Art, aber manchmal braucht man genau diese Holzhammertaktik, um gewisse Dinge mal aus einer anderen Perspektive zu sehen und das ist mir 4 von 5 Miezekatzen wert.
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