„Die stillen Gefährten“ – Laura Purcell

“ …Vielleich ließ die Trauer sie Dinge sehen. Die Trauer hat merkwürdige Auswirkungen auf den Geist – das hatte man schon immer gesagt. Aber nach allem, was sie durchgemacht hatte, kam es ihr unwahrscheinlich vor, dass Ruperts Tod das Zünglein an der Waage sein würde, das sie aus dem Gleichgewicht brachte. …“ 

Einige Türen sind aus einem bestimmten Grund verschlossen …

England, 1866: Als Elsie den reichen Erben Rupert Bainbridge heiratet, glaubt sie, nun ein Leben im Luxus vor sich zu haben. Doch nur wenige Wochen nach ihrer Hochzeit ist sie bereits verwitwet. Und dazu schwanger.
Elsie bezieht das alte Landgut ihres verstorbenen Mannes. Da ihre neuen Diener ihr gegenüber äußerst reserviert sind, hat Elsie nur die ungeschickte Cousine ihres Mannes zur Gesellschaft.
Zumindest glaubt sie das. Doch in ihrem neuen Zuhause existiert ein verschlossener Raum. Als sich dessen Tür für sie öffnet, findet sie ein 200 Jahre altes Tagebuch und eine beunruhigende, lebensgroße Holzfigur – eine stille Gefährtin …

Eigentlich sollte die Heirat mit Rupert Bainbridge Elsies Rettung sein, denn er ist nicht nur ihr Ehemann, sondern auch ein wichtiger Geldgeber für die Zündholzfabrik, die sie zusammen mit ihrem Bruder Jolyon leitet. Als er kurz nach der Hochzeit plötzlich verstirbt, muss Elsie trauern und ein Leben in der Abgeschiedenheit führen, so landet sie auf dem alten Familienwohnsitz.
Die junge Frau ist das hektische Leben in London gewohnt, nun hängt sie am Arsch der Welt fest, zusammen mit Ruperts nicht ganz so cleverer Cousine Sarah und drei Hausangestellten.
Sie fühlt sich einsam und missverstanden, dann entdeckt sie auf dem Dachboden eine seltsame Figur. …

„Die stillen Gefährten“ sind eine wahre Augenweide, der glänzende goldene Buchschnitt kommt auf dem Foto nicht halb so gut rüber wie in echt, außerdem hat das Buch ein zum Cover passendes farbiges Vor- und Nachsatzpapier, kurz gesagt, es ist ein richtiges Schätzchen.
Aber auch der Inhalt weiß zu überzeugen.
Die Story spielt auf drei Zeitebenen, alles beginnt in einem Hospital in dem sich Elsie von ihren Verletzungen erholt. Sie spricht nicht, ist keine einfache Patientin, bis ein junger Arzt versucht, sie aus der Reserve zu locken und so schreibt sie für ihn ihre persönliche Geschichte auf, die 1865 auf „The Brigde“, dem Landgut ihres verstorbenen Mannes beginnt. Die dritte Zeitebene schließlich entführt den Leser ins Jahr 1635.
Mit Elsie Bainbridge hat die Autorin eine für diese Zeit doch eher untypische Figur erschaffen, denn sie leitet zusammen mit ihrem Bruder das Erbe ihres Vaters, eine Zündholzfabrik.
Sie tut sich schwer mit den gesellschaftlichen Zwängen, vor allem mit der vorgeschriebenen Trauerzeit, nicht, weil sie ihren Mann nicht geliebt hat, sondern weil sie weiterleben und nicht weggesperrt in schwarzer Kleidung vor sich hinvegetieren möchte. Und so wird der alte Landsitz für sie zum Gefängnis, zumal dort nach dem Fund auf dem Dachboden erschreckende Dinge vor sich gehen. Doch Elsie kann sich wehren, das hat sie schon einmal bewiesen …
Neben ihrem über alles geliebten Bruder Jolyon, der nicht durchgängig auf dem Gut verweilt, bleibt ihr als Gesellschafterin also nur Sarah, von der sie anfangs keine besonders hohe Meinung hat. Doch auch sie hat in ihrem Leben schon einiges mitgemacht.
Sarah Purcells Figuren sind vielschichtig, haben eine eigene Hintergrundgeschichte und natürlich Geheimnisse, die nach und nach aufgedeckt werden. Für den Grusel sorgt nicht nur das auf dem Dachboden gefundene Tagebuch, sondern auch die zunehmend bedrohlicher werdende Atmosphäre im Haus. 

Laura Purcells „Die stillen Gefährten“ trägt nicht nur ein hübsches Kleidchen, wer Geisterhausgeschichten mag, kommt hier voll und ganz auf seine Kosten, das eine oder andere Mal hatte ich sogar eine Gänsehaut und ich bin hart im Nehmen.
Man sollte das Buch vielleicht nicht unbedingt abends allein im Bett lesen, vor allem dann nicht, wenn man Katzen hat, die ganz plötzlich mal aus dem Nichts auftauchen und fast für einen Herzstillstand sorgen. Von mir gibt es für das fesselnde Buch 4,5 von 5 Miezekatzen.

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